Von den Arbeitern im Weinberg

 

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Es wollte Jesus einst die Jünger lehren
und rief: „Herbei, versammelt euch um mich!“
Sie mochten ihm das Lehren nicht verwehren,

bald hat er Zwölfe sitzen rings um sich.
So fängt er an: „Ich will euch was erzählen:
Ein Mann hat einen Weinberg wunderlich.

Es sollte keiner bei der Ernte fehlen.
Zu seinen süßen Trauben schickt er hin,
für einen Silbergroschen sich zu quälen,

wem noch nach Lohn und Brot steht Herz und Sinn.
Schon früh die Leute an dem Marktplatz stehen,
sie werden Knechte und Arbeiterin.

Und stündlich wird der Herr der Kelter gehen,
zu werben Leute in der Trauben Amt.
„Ihr mögt im Weinberg eure Runden drehen“

sagt er zu welchen, die zum Steh´n verdammt,
nichtsnutzig mittags noch am Marktplatz dösen.
„Ein Groschen, Leute, heute allesamt!“

Sie gehen hin, den Hunger, jenen bösen,
mit einer Silbermünze abzulösen.

Und immer wieder geht er aus zu werben,
den ganzen Tag lang ruft er Weib und Mann.
Die einen schufteten fast bis zum Sterben,

als grad die Allerletzten kamen an.
„Warum sah ich euch alle nicht beizeiten?“ –
„Weil keiner sich auf uns bisher besann!“

Der Abend kam, man will zur Zahlung schreiten.
Der Herr zum Schaffner spricht: „Nun kommt das Glück.
Reich dar den Silbergroschen meinen Leuten.

Fang hinten an und geh bis vor zurück.“
Und so begann man mit dem großen Löhnen,
der Letzte nimmt das erste Silberstück.

Der Erste auch nicht mehr? Man hört ein Stöhnen!
Geschimpfe, Wut und Zorn – nun wird es laut …
Mit Neid und Hass in allen Untertönen

zankt man den Herrn des Weinbergs, dass uns graut:
„Die Stunden zähle recht, o Herr. Bedenke:
Nur eine gegen zehn auf meiner Haut!“

„Wenn ich dem Letzten wie dem Ersten schenke,
nicht böse deinen Blick zu Boden senke!“

letzter Sonntag nach Epiphanias 21.1.2018

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Am sechsten Tag erlaubte er ein Kommen
mit ihm zu jenes höchsten Berges Grat.
Sankt Jakob, Petrus, Johann sind die Frommen

der Zwölferschar. Obwohl der Rest ihn bat,
zu gönnen allen Jüngern diese Reise,
sagt er zu Neun sein „Nein! Bleibt in der Stadt!“

Vier ziehen los. Sie wandern die Geleise,
auf denen man sich Gipfeln nähert an.
Dort oben ist noch etwas von dem Eise

des Winters, den man deutlich spüren kann.
Der Berg heißt Tabor. Ferne wird zur Nähe,
denn lichte Kraft berührt hier jedermann.

Im Namen TABOR einen sich zur Ehe
TOB, das ist GUT – und OR, ein Wort für LICHT.
Dass in dem Glanze man heut Andres sehe,

ist von dem Meister so beabsichtigt.
Zu Mittag zeigt sich bald des Pfades Ende –
den Blicken ringsum herrlich klare Sicht.

Die Sonne gießt ihr Licht aus voller Spende,
und stieg bis zum Zenit, dass sie sich wende.

Verklärt vor ihnen strahlt sein Angesichte
und auch das Kleid, wie sonst der Schnee nur gleißt.
Dann nahen zwei heran als zum Gerichte:

der Wüstenmann und der zum Himmel reißt.
Bereden sich mit Jesus, dem Verklärten,
ob Zukunft ist – und was vergangen heißt.

Seht, Mose steht zur Linken des Verehrten,
Elia fand zur Rechten einen Platz.
Und als Belehrte neigen sich dem werten

Sohn Gottes beide tief bei jedem Satz,
der heilig strömt herab von seinem Munde,
und preisgibt aller Weisheit höchsten Schatz.

Ach, Petrus meldet sich mit andrer Kunde:
Er stammelt ratlos ein „Hier ist es fein!
Willst du, bau ich drei Hütten eurer Runde.“

Wie ward da alles plötzlich grau und klein,
und abwärts geht es wieder, hin zu Tale.
Der Herr befielt den Dreien Stillesein:

„Wenn ihr bestaunt einst meine Nägelmale,
erst dann zerbrecht des Schweigens harte Quale.“