ora et labora

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VOM GEBET UND VON DER ARBEIT
Ora et labora. Das heißt übersetzt: Bete und arbeite. In dieser Reihenfolge. Nicht, weil das eine dem anderen vorzuziehen wäre, sondern deshalb, weil der Weg vom Einfachen zum Vielfältigen und wieder zum Einfachen führt. Beten ist einfach und macht einfach. Auch die Arbeit. Es fällt auf, dass (zumindest in der lateinischen Sprache) die Vokabel LABORA (arbeite, gib dir Mühe) immer die zwei Silben ORA (bete, rede) dabei hat. Wer also arbeitet, der betet dabei ganz unwillkürlich, weil Arbeit nicht nur LAB sondern LAB-ORA sein soll.
Insofern ist das Gebet eigentlich die höchstmögliche Form bewusster menschlicher Tätigkeit. Zumindest kann man das so sehen, wenn man will und Freude am eher Ungewöhnlichen hat. Es gibt freilich auch andere Auffassungen. Manche sagen, dass Beten nicht helfen würde. „Es rettet uns kein höh’res Wesen, / kein Gott, kein Kaiser noch Tribun /Uns aus dem Elend zu erlösen / können wir nur selber tun!“ Aber recht besehen ist auch dieser kleine Antitext ein Gebet. Ist eine Selbstanrede (ORATIO) zu höchster Anstrengung LABORA. Auch hier ist trotz aller Mühe das geheimnisvolle ORA als unbewusste Rede anwesend. Insofern der Mensch das Tier bleibt, das gar nicht anders kann, als zu beten (Alister Hardy), heißt Beten, „Halt zu machen vor jenem einen Undenkbaren, über das hinaus nichts Undenkbareres gedacht werden kann“ (Elazar Benyoëtz). Beten ist, vor diesem Einen sich schweigend einzufinden. Dann, mit Worten das Eine anzureden, als wäre da jemand. „Bitte“ in diese Richtung zu meinen. ORA beginnt mit dem Vokal O. Das ist der Laut des Staunens. Beten wäre insofern die Einübung in die Kunst des Staunens. Leidenschaftliche Neigung in die Richtung, weise werden zu wollen. Ach, man könnte soviel über das Beten spekulieren. Eine Theorie des Gebets … wäre sie wirklich hilfreich? Das Abenteuer bleibt immer die Praxis. Zusammen mit anderen Menschen und vorformulierten Worten, oder einsam und allein mit eigenen. Übrigens entlastet Jesus alle Betenden und sagt: „Macht doch nicht immer so viele Worte.“ Beginnen könnten wir mit dem Herzensgebet. Beim Einatmen zu denken: „Jesus Christus“, und beim Ausatmen: „Erbarme dich unser.“ In der Stille zwischen Ausatmen und Einatmen zeigt sich das, was uns meint.

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