Von der Flamme des Geistes

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Der Meister entzündete am Abend ein Feuer, denn es war kalt und einige aus unserer Schar hatten zu frieren begonnen. Als das Feuer bei etwa drei Stunden brannte, gab es einen mächtigen Schein, von dem man den Pharisäern in der Stadt offenbar Anzeige machte. Und so nahten sich auch einige von diesen Männern unserer Runde. Der angesehenste unter ihnen war einer mit Namen Raku Bareschot, der trat dicht an das Feuer und tadelte den Meister, denn das Feuer hatte ihm alsbald den Bart versengt. Er aber sprach also zu dem Geschädigten:

“Wer der Flamme naht,
achte das Feuer als Kraft.
Du bist zwar dicht an den Flammen,
jedoch weit entfernt von Erkenntnis.”

Als er so geredet hatte, murrten die Ankömmlinge und versuchten, unser Feuer auszutreten. Da wir aber mächtige Kloben von Eiche und Akazie genommen hatten, verbrannten sie sich nur die Fußsohlen und wankten alsbald mit schmerzverzogenen Gesichtern jammernd zurück in die Stadt.

Wir blickten noch lange in die schwelenden Scheite, erfreuten uns am Glanz ihrer leuchtenden Farben und lächelten still vor uns hin. Bald umfing uns erquickender Schlummer. Am Morgen weckte uns der Gesang vieler Vögel aus den Bäumen.
(Pseudogregorios Thaumaturgos 3.Jhdt.)

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