Zitate in der Karwoche I

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Aus kleinen Missverständnissen gegenüber der Wirklichkeit zimmern wir uns Glaubensvorstellungen und Hoffnungen zurecht und leben von den Brotrinden, die wir Kuchen nennen, wie arme Kinder, die Glücklichsein spielen.

Fernando Pessoa, Buch der Unruhe

3 Gedanken zu “Zitate in der Karwoche I

  1. Meine Beteiligung an der Aktion „andere vor uns dachten schon so“:

    DER ELFTE SPRUCH
    Dreißig Speichen treffen die Narbe,
    aber das Leere zwischen ihnen erwirkt das Wesen des Rades;
    aus Ton enstehen Töpfe,
    aber das Leere in ihnen wirkt das Wesen des Topfes;
    Mauern mit Festen und Türen bilden das Haus,
    aber das Leere in ihnen erwirkt das Wesen des Hauses.
    Grundsätzlich:
    Das Stoffliche birgt Nutzbarkeit;
    Das Unstoffliche wirkt Wesenheit.

    IN: Die Bahn und der rechte Weg des Lao-Tse.
    Der chinesischen Urschrift nachgedacht von Alexander Ular.
    Insel-Verlag, Leipzig.

    ….die Brotrinde umfasst den Laib;
    aber die Löcher verleihen ihm sein Volumen.

  2. Hallo, lieber Eckhart!
    Es geht doch darum, mit den uns vom Schicksal zugeworfenen Brotrinden Glücklichsein zu spielen. Wenn das Spiel gut ist, dann ist es nicht nur ein „so tun als ob“, sondern dann stellt sich das Glück tatsächlich ein.
    Ich finde das Zitat sehr treffend. Es geht darum, so gut zu spielen, dass man den Mut eben nicht verliert.
    Ich wollte nicht zum Nachdenken anregen, obwohl das offenbar geschehen ist. Denn Du hast ja geantwortet. Schade, dass so wenige antworten … Ich wollte aber einfach nur diesen schönen Satz mitteilen.

    Wie auch den von heute, vom armen Franz …

  3. Lieber Matthias,
    da es keine Wahrheit in solchen Dingen gibt, sondern nur das lebendige, wirkende Wort, frage ich mich: was wolltest Du mit diesem Wort tun und bewirken. Vermutlich zum Nachdenken anregen. O.k. Aber zu welchem Zweck: Um zu Helfen, Lebenslügen aufzudecken? – Oder um den Mut der Lesenden noch ein wenig resignierter zu machen?

    Der Satz von Fernando Pessoa liefert aber überhaupt keine ausreichende Begründung, resignierter zu sein. Denn letztlich teile ich die hier gemachte Unterscheidung zwischen „Missverständnissen“ und „Wirklichkeit“ – also die alte Unterscheidung zwischen „Sein“ und „Schein“ – nicht als Voraussetzung meines Denkens.

    Diese Unterscheidung ist mir viel zu dychotomisch. Unter zurückhaltend konstruktivistischer Perspektive ist in jedem, was wir Wirklichkeit nennen, auch ein Gedankenkonstrukt enthalten (Hilary Putnam, „Für eine Erneuerung der Philosophie“).

    Also müsste man doch in jedem einzelnen genauer zusehen, wo hier Brotrinden und wo hier Kuchen zu finden sind/ist.

    Im übrigen sollte man „Brotrinden“ überhaupt nicht verachten. Sie sind die Nahrungsgrundlage für mehrere Millionen Menschen. Es sind also gerade die Brotrinden, die den „Schein“ vertreiben – und die Grundlage tragender Hoffnungen und eines tragenden Glaubens bilden. Und wie ich über das Kinderspiel denke, weißt Du ja schon: „Nur da, wo der Mensch spielt, ist er ganz Mensch“, egal, ob wir nun „Glücklichsein“ oder Traurigsein spielen.
    Eckhart

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