8.Sonntag nach Trinitatis 2014

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8. Sonntag nach Trinitatis / Läuterungsberg, Gerechtigkeit, Salz und Licht

Jesaja meint, jeder Mensch würde einmal einen hohen Berg emporsteigen müssen: “Kommt, lasst uns auf den Berg des HERRN steigen!” (Jesaja 2,3). Das ist die alttestamentliche Lesung für den heutigen Sonntag. Paulus schreibt vom Dienst der einzelnen Menschen in einer Gruppe: “Gebt nun eure Glieder hin an den Dienst der Gerechtigkeit” (Römer 6,9c). Das ist der Predigttext. Jesus dichtet: “Ihr seid das Salz / ihr seid wie Licht” (Matthäus 5). Das ist die gute Nachricht.

Wir könnten diese drei Verse wie Teile eines Puzzles bewegen und uns daran erfreuen, wenn sie irgendwie zusammengehören – wenn sie ihren Sinn ergänzen. Erstens, der Berg. Wann immer wir einen Berg besteigen – wir könnten uns dabei die Idee des italienischen Dichters Dante Alighieri durch den Sinn gehen lassen: Die Idee vom Läuterungsberg. Der Dichter Dante beschreibt eine imaginäre Reise, die er “göttliche Komödie” nennt. Der Reiseweg führt zuerst hinab in die sogenannte Hölle (unter den Berg), – und danach in die Welt des Elysiums (auf den Berg). Genau die Mitte nennt er „Läuterungsberg“.

Läuterung ist eine enorm wichtige Sache. Leute, lassen wir uns läutern! Wenn man einen Berg erklimmt, dann wird die Luft immer klarer und reiner, die Sicht wird weiter, die Geräusche beginnen nach und nach zu verstummen. Schließlich hört man nur noch das eigene Atmen und den eigenen Schritt. Das Rauschen des Windes und des eigenen Blutes in den Ohren gesellt sich dazu. Der Ruf eines Adlers mischt sich ein und das Pfeifen des unsichtbaren Murmeltiers. Alles wird klarer und zugleich wird das Leben umso schwieriger, je höher wir steigen. Das Schöne an der Läuterungswanderung ist, dass man nach und nach eben das Viele als Eines erläutert bekommt und das Eine in seiner Vielfältigkeit erfährt. Der Bergführer Vergil und irgendwann ist es dann eine hübsche Dame (Beatrice), sie beide machen, dass sich für den Wandernden fast alles klärt und läutert, alles was bisher Rätsel gewesen war. Man selbst schreitet durch alles dieses letztlich unbeschadet dahin oder steigt empor und die ausgeklärten Feststoffe sinken hinab und bleiben hinter uns zurück.

Kurz bevor der Läuterungsberg schließlich absolviert worden ist, wäscht sich Dante im Fluß Lethe und vergisst dadurch alles Zerstörerische seines bisherigen Lebens. Und dann wäscht er sich zusätzlich noch in einem zweiten Fluß mit Namen Eunoe – und kann sich nun auch wieder an alles Gute, das er in seinem Leben getan hat, erinnern. Er merkt, dass beide Flüsse ein und dieselbe Quelle haben.

Zweitens, Gerechtigkeit. Je mehr wir nun die Erinnerung an alles Gute zurückerlangen (und es ist etwas sehr Wichtiges, sich an das Gute zu erinnern), – wir erhalten die Erinnerung nur zurück, indem wir uns der Läuterung anvertrauen – desto mehr werden wir in die Nähe der Gerechtigkeit geraten, wie Paulus es ausdrückt. Wir werden uns selber wieder gerecht. Nicht Selbstgerechtigkeit ist gemeint, – sondern wir beginnen das Rechte zu entdecken. Das Rechte ist etwas Edles, – etwa so, wie die Sterne oder die Alpengipfel, die Sahara oder die Fluktuation der Quanten.

Im Dienst einer solchen Sache zu leben – das können wir wünschen oder auch wollen. Ein in diese Richtung sich artender Wille führt uns auf jenen abenteuerlichen Läuterungsberg – nicht nur allein und einsam, sondern in guter Gesellschaft anderer Leute, in der Gemeinschaft der Heiligen. Der Predigttext nennt sie Teile einer durch alle Zeiten und Kulturen unbeeinflussten zusammengehörigen Kette, wobei mit Kette nicht die bannende Fessel gemeint ist, sondern das einende Band und der verbindende Zusammenhang.

Drittens, einfache Bilder. Jesus selbst redet davon, dass die zu ihm gehörigen (Christen) Salz sind und wie Licht. Jesus wählt als Bilder sanfte Naturdinge aus der Welt, kaum wahrnehmbaren Zusammenhänge, die alles regeln: Ionen und strahlende Felder, Salze und Licht. Salze bilden Kristalle wie Diamanten und tragen das Licht in die kleinsten Räume unseres Körpers und ins Innere der Pflanzen.

Das Bild vom Salz begeistert sowohl die Speisen bereitende Hausfrau als auch den eifernden Forscher. Bis tief in die subatomare Ordnung der Stoffe steigt der alles einende göttliche Logos zu uns herab und führt auch das allerkleinste Teilchen wieder mit hinauf – geläutert.

Der Mensch weiß, dass er sich einigermaßen rein halten muss, – um nicht dumpf zu werden … Feuchtes Salz ist muffig und chlorausdünstend: Die Kristallstruktur ist verloren gegangen. Aber zugleich wissen wir auch, dass wir in Lösung gehen müssen, wenn es wirklich drauf ankommt. Das Salz wird seine kristalline Struktur dann verlieren und ins problematische Gemisch des Allerverschiedensten geraten. Das ist der Dienst des Salzes. Erst dann gibt es den Effekt, – es schmeckt, der belebende Strom fließt, das gefährliche Eis schmilzt, die Farbe ändert sich, etwas Schädliches wird neutralisiert und der Elektrolythaushalt kommt wieder ins Lot. Das alles tut das Salz, wenn es sich nicht zu schade ist, – in Lösung zu gehen.

Es gibt zwar die repräsentativen Eigenschaften des Salzes: Kristall, wunderbar und lichtglänzender Schimmer, Schönheit und Staunen. Aber es gibt die verborgene Wirkung des Salzes, dann wenn wir es gar nicht mehr sehen – wenn es in der Lösung arbeitet. Wir spüren dann deutlich. Hier ist etwas unsichtbar dabei, was alles in Bewegung bringt. Kein Durcheinander sondern ein Füreinander und Miteinander. Salz ist ein großer unsichtbarer Diener, ohne den nichts geht. Salz, selber entstanden aus zwei gegensätzlichen Substanzen, einer Säure und einer Base, aus Negativem und Positivem, Chlor und Natrium bildet beeindruckende Kristalle, kleine Wunder, die brennen in den Wunden der Welt und reinigen sie, sie schmerzen und heilen. Die Suppe schmeckt durch Salz, die Löte hält durch Salz, die Schmelze läutert sich durch Salz.

Und die mit Christus verbundenen Menschen? Sind sie wirklich der geheimnisvolle Katalysator und das Enzym, das Ferment in der sich globalisierenden Welt? Jede® von uns sei nicht das Haar in der Suppe, sondern das Körnchen Salz, das sich in Lösung begibt, damit die Läuterung gelingt.

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