von der Verantwortung nach dem Paradies

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Die Mythen der Völker reden von Gott, er hätte den Garten geschaffen, darinnen durften die Menschen leben. Dann, irgendwann, kam der Bruch. Entweder ER jagt die Menschen davon, oder sie wollten selber nicht mehr, beziehungsweise sie jagten IHN fort. Es gibt sie aber noch immer – die gute Erinnerung an den Garten.“Herr, es ist Zeit! Der Sommer war sehr groß. / Leg deine Schatten auf die Sonnenuhren / und auf den Fluren lass die Winde los. / Befiehl den letzten Früchten voll zu sein / gib ihnen noch zwei südlichere Tage / dränge sie zur Vollendung hin / und jage die letzte Süße in den schweren Wein“. Der Dichter Rilke befiehlt hier Gott – doch dieser Befehl ist zugleich Bitte. Die gedankliche Unterscheidung bzw. Identität von Gott und Mensch spielt im Christentum eine wichtige Rolle. Wo Sprache, Kunst und musische Hingabe walten, verschmelzen Gott und Mensch. Dann kommt die Ratio – und sie bewirkt das Gegenteil. Beides ist wichtig. Das Besondere an der Christentums-Religion ist nun, dass sie vor einigen hundert Jahren die Kritik an sich selber als integralen Bestandteil ihrer Theologie hervorgebracht und weiter entwickelt hat. Wer heute sagt, er dürfe in höherem Auftrag handeln, weil Gott etwa die Errichtung eines Gottesstaates wolle, bzw. dies oder das verlange, macht sich sofort unendlich lächerlich und dokumentiert, dass er aus dem qualifizierten Gespräch ernst zu nehmender Menschen ausgestiegen ist. Zum Christentum gehören: Die Fähigkeit und der Mut, alle Gottheiten zu hinterfragen und zu stören, die man selber geschaffen, oder „gutmütig“ aus der Tradition übernommen hat. Der Protestant Dietrich Bonhoeffer schreibt, Gott sei aus der Welt fortgegangen. Und erst dadurch haben die Menschen lernen wollen, für sich selbst und den Garten die volle Verantwortung zu übernehmen. Das ist ein sehr kluger Gedanke. Es gibt freilich Pseudo-Religionen, die ihr eigenes Ohrgeräusch immer noch mit der Stimme Gottes verwechseln wollen. Ein solcher schwerer Rückfall in die Vorzeit ist für das Christentum eigentlich unmöglich geworden. Gott sei Dank!

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