Offenbar werden

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Christusbildnis auf der Insel Reichenau

„WIR DÜRFEN UNS ZEIGEN, WIE WIR WIRKLICH SIND“. Das ist die menschlichere Übersetzung des Bibelverses „WIR MÜSSEN ALLE OFFENBAR WERDEN VOR DEM RICHTERSTUHL CHRISTI“ aus dem 2.Korintherbrief.
Die zwischen den Kirchenjahren sich quasi selbst inszenierende Endzeitstimmung ist bemerkenswert – worum geht es? Es geht um das Staunen darüber, angstfrei von sich selbst erzählen zu dürfen. Und zwar ohne dabei irgendwelche Erfolge vorweisen zu müssen.

Warum immer dieser drohende Unterton dabei sein musste, als die berühmten Übersetzer der Heiligen Schriften ans Werk gingen? „Offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi“ ist eine solche eher martialische Sprach-Variante. Wer es fassen kann, der fasse es. Wahrscheinlich, weil Übersetzer selber Angst haben beim Übersetzen von einer Seite des Ufers zur Anderen? Wer es fassen kann, der fasse es. Gemeint sei: Wir dürfen uns alle so zeigen, wie wir wirklich sind. Vor dem Thron Christi wird alles wieder zurecht gebracht. Und zwar nicht erst irgendwann einmal, sondern schon jetzt. Gute Worte lassen uns übersetzen – von dem Ufer der Oberlippe zum anderen der unteren. Die Zunge macht diese Überfahrt möglich, wenn wir mit ihr die richtigen Worte formulieren. Und die Sprache betreibt die Fahrt des Sinns von Mund zu Mund und Ohr zu Ohr.

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