Überlegungen zu den Leetzaer Turmknaufdokumenten

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Zweitausendundvierzehn Jahre nach Christi Geburt, wir schreiben dem 11. Dezember, geben wir an diesem sonnigen Donnerstagvormittag um etwa 10 Uhr unsere guten Segenswünsche in eine vergoldete Kugel. Wenn es auch nur mit blauer Tinte aufgeschriebene Worte sind, so doch zugleich die mit rotem Herzblut unterzeichneten Bitten von uns Jetzigen für Euch Spätere.

Hoch oben im vergoldeten Turmknauf des geliebten Leetzaer Bauernkirchleins soll sie nun schweben, die kleine Schatulle mit den Segens-Zetteln. Denn darauf kommt es an, den Segen in der Welt immer wieder anzuzetteln. Dichter am Himmel, als die Menschen oft glauben, sind ja ihre Worte … Wir nun hier unten hoffen gewiss, dass die Wünsche der Sterblichen den „Ohren“ des geglaubten unsterblichen Gottes vernehmlich bleiben und zwar bis in Äonen hinaus.

Lieber Nachfahre, fragst Du uns einst aus Deiner Zukunft, was eben jetzt für Zeiten herrschen, sagen wir Dir gerne – es ist gute Zeit. Sogar sehr gute Zeit. Wir haben alle genug zu essen, genug zu trinken. Wir wohnen warm und sind nicht allein. So gut ist es hier, dass Flüchtlinge anderer Erdteile zu uns drängen, um auch von unserem Frieden etwas zu erhaschen! Die Kinder lernen inzwischen alle mit dem Alphabeth und vermittels der lieben Zahlen, dürfen spielen. Für ihre Eltern ist genug Arbeit da, wenn auch nicht für jede(n) in unmittelbarer Nähe. Denen, die nichts haben, hilft die Allgemeinheit. Und man muss schon sagen, dass zumindest in unserem Teil des alten Europa die sozialen Forderungen des frühen Christentums vom Staat selbst erfüllt werden. Auch wenn das fast niemand wissen will, – weil es selbstverständlich geworden ist.

Für die Wiederherstellung des Leetzaer Kirchleins (oder Gotteshauses, wie man zu unseren Zeiten zu sagen pflegte) wurden 170.000 Euro benötigt; das sind etwa doppelt so viele alte Deutsche Mark. Welche Währung Ihr jetzt habt, und ob es überhaupt noch Geld gibt und was inzwischen gilt – das alles würde uns sehr interessieren. Aber wir hatten unsere Zeit und Ihr müsst in der Eurigen leben. Die Güter der Welt waren zu unseren Zeiten so ungerecht aufgeteilt, wie wohl noch nie. Wir freilich gehören zu denen, die auf die bessere Seite geraten sind. Es war denn auch ein Leichtes, das Geld für die Kirchenrestauration aufzutreiben. Keiner musste zu viel geben, – aber einige haben sehr reichlich gegeben. Damit wollten sie wohl Gott danken – und wir sagen ihnen dafür unseren Dank! Wir leben also heute in guten Zeiten. Freilich, manche sehen es anders, und meinen, wir lebten in schlechten und bösen Zeiten. Vielen Leuten ist bange vor der Zukunft. Andere wiederum haben immer etwas auszusetzen. Es ist im Jahr 2014 noch gute Zeit gewesen …

Zugegeben – unser Zeitalter ist sonderbar und steht wohl auch an einem bedeutsamen Scheideweg. Hier ein paar Informationen – mögt Ihr nun darüber lachen oder nicht, denn von Lokalchronisten historisch Aufgeschriebenes erscheint im Licht der fernen Zeit, die Eure Gegenwart geworden ist, sowieso immer etwas kurios. Also, – bei den Moskowitern herrscht Putin. Wer ist das? Ihr kennt vielleicht noch die Erzählung von Reineken, dem Fuchs, wie sie Altvater Goethe aus Weimar berichtet/gedichtet hat, nachdem er aus dem Kriege gegen die Franzosen zurückgekehrt war und die politischen Verhältnisse so recht von innen kennengelernt hatte. So wie einmal Frankreich und Deutschland ihre Erzfeindschaft begraben haben, werden vielleicht auch einmal Europa und Asien ihre großen Konflikte beenden. Wir dachten vor Kurzem noch, das wäre bereits irgendwie geschehen, aber dem ist wohl nicht so … In Kleinasien, dem ehemaligen Stammland der hochliebenswerten christlichen Botschaft von dem freundlichen Gotte, ist nach wie vor kein Friede. Die Anhänger des Propheten bleiben uneins. Worum geht es? Es geht um viel, viel Geld, angeblich auch um den „rechten Glauben“, der sich in solchen Fällen auf beiden Seiten aber bisher immer wieder nur als der falsche heraus gestellt hat, – dann nämlich, wenn keiner mehr da ist, der selber sterben kann oder andere sterben lassen will und alles zerstört am Boden liegt. Weiter: In der neuen Welt jenseits des Atlantischen Meeres versucht Barak Obama, dessen Vorfahren vom Schwarzen Kontinent abstammten (wo derzeit die Seuche Ebola wütet), die Dinge zu ordnen und die Zügel leidlich in beiden Händen zu behalten. Bei uns in Leetza ist Peter Schulze Bürgermeister, und diensttuender Pfarrer in Zahna bin ich, Gerhard Matthias Schollmeyer, geboren in der Spielkartenstadt Altenburg und aufgewachsen in dem sächsischen Städtchen Schildau.

In Schildau wurde Neidhardt von Gneisenau geboren, – als seine Eltern im Siebenjährigen Krieg flohen, ist der Kleine, weil die ermüdete Mutter eingeschlafen war, in scharfer Kurve aus dem Wagen auf den Weg gefallen. Ein Bauer hat den Säugling zufällig gefunden, zurück in die Stadt gebracht und dort fremden Leuten anvertraut, die dann das Kind aufgezogen haben sollen. Eine reizende Erzählung, nicht wahr? So seltsame Bewahrung wünsche ich Euch allen in den Kurven und Wirrnissen Eures Lebens. Gneisenau hat als erwachsener Mann und Generalfeldmarschall bekanntlich seinen Teil dazu beigetragen, die Truppen des fremden Korsen aus dem Land zu treiben. So sehe jede(r) für sich selber zu, wie das jeweils Eigene getan werden könne, – aber nur mit dem Zweck, um das Gute zu befördern und das Schlechte vermeiden und mindern zu helfen – und niemanden mehr zu vertreiben, sondern Viele zu gewinnen. Ein Beispiel aus alten Kriegen, die schon sehr lange zurückliegen, schrieb ich für Euch auf. Für uns und sicher auch für Euch käme es darauf an, Gutes ins Land zu locken und Gelegenheit zu schaffen, dass es sich segensreich verwirklichen kann.

Ein Beispiel des Friedens mögen also alle geben, die jetzt diesen edlen Augenblicken hier am Fuße des alten restaurierten Kirchleins beiwohnen – und nachher nachdenklich nach Hause gehen. Auch Ihr, liebe Nachfahren, die Ihr das lest. Mögen Euch nämlich die Freudentränen über die Wangen rinnen, weil Ihr im Frieden leben könnt und Ihr dafür dem Höchsten dankbare Lieder wisst und singt. Nicht wünschen wir, dass Ihr beim Lesen andere Tränen weint, weil es Euch inzwischen schlecht ergeht, Schmerzenstränen, und Ihr mit uns, die wir schon längst gestorben sind, zusammen nachträglich betrauert, dass unsre guten Wünsche nicht haben in Erfüllung gehen können – und zusätzlich dadurch jene, die beständig verlachen, ob es einen guten Vater überm Sternenzelt gibt, einmal mehr Wasser auf ihre armseligen Mühlen geleitet bekommen.

So segnen wir Euch nach alter Weise im Namen des dreieinigen Gottes Vater, Sohn und Heiliger Geist und wünschen Gesundheit, Zuversicht und Freude bei allem, was Euch möglich geworden sein mag, denn die Zeit schreitet schnell, und der menschliche Geist erfindet viel. Geld und Gut legen wir nicht in die Kugel, aber ein Kreuz aus Holz von der Werkbank des Drechslers Bomplitz aus Leetza. Hauptsächlich aber unsere Bitten für Euch und unsere Welt, dass sie nicht aufhöre, sich IHM zur Ehre zu drehen, wenn auch „nur“ um sich selbst. ER hat es so eingerichtet, dass sie gerade dadurch nicht aus der Bahn gerät.

Laudetur Jesus Christus

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