Kindergeschichten

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Herr Jesus, als er bei zwölf Jahr,
mit seinen Eltern in Jerusalem war.
Im Tempel fand statt das große Fest,,
und alle sind daselbst gewest.
Doch als die Reise ging wieder heim,
wollte der Knabe im Tempel noch blei´m.
Er drückt sich, verbirgt sich, macht sich nicht breit,
die andern zieh´n los, und sind bald schon weit.

 

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Herr Jesus streckt sich, Herr Jesus reckt sich,
und läuft in den Tempel zurück, versteckt sich.
„Mal seh´n, was passiert, wenn ICH hier bin!“
denkt er – und erforscht alles mit heiterem Sinn.

 

Dort hinten im Eck sitzt ein Pharisäer
und deklamiert aus der Schrift. Wie ein Eichelhäher.
„Hört!“ ruft er laut und noch einmal schreit
er, – wiederholt sich die ganze Zeit.

 

Herr Jesus geht weiter, uninteressiert.
„Mal seh´n, was da hinten am Altar passiert!“
Ein Stier empfängt dort den Nackenschlag
– und bricht zusammen. Ob er das mag?

 

Der Knabe eilt fort vom schrecklichen Ort.
Das Brüllen der Tiere, Opfer und Mord.
Da sieht er im Vorhof des Tempels steh´n
drei Männer am Brunnen, er läuft hin zu seh´n!

 

Erhabene Züge und kluge Gesichter
von edelster Herkunft, nicht das Gelichter,
wie man hier antrifft von Tag zu Tag,
Leute, die keiner braucht, keiner mag.

 

Diebe, Gesindel, Bettler und Mob.
Nein, sie knien nieder, dem Herrgott zum Lob.
Recken die Arme empor in die Himmel …
sie fallen auf in des Tempels Gewimmel.

 

Schon schleicht herbei – Tempelpolizei.
Und fragt die drei, wer jeder denn sei.
Sie geben gleich wahr ihre Namen bekannt,
Kaspar und Melchior und Baltasar –
Sternenbetrachter aus Morgenland.

 

Die Polizei hat alles notiert
und keiner von ihnen wird abgeführt.
Dann fragen sie noch: „Wer du Knabe bist!“
„Jesus“ die Antwort, „er sicherlich ist!“

 

So sagt der Älteste, Baltasar,
„Sohn der Maria und reichlich zwölf Jahr.“
„Und woher weißt du das, bitteschönchen?“
„Ich kniete an deiner Krippe, mein Söhnchen!

 

Uns leitete damals ein guter Stern,
wir zogen nach Betlehem und kamen gern.
Nun wollen wir noch einmal nach dir spähen,
bevor wir den Weg in die Himmel nehmen.

 

Die Polizei hat auch dieses notiert.
(Jedoch vom Ganzen nur wenig kapiert)
„Drei alte Greise, ein halbstarkes Kind
heute uns aufgefallen sind!“

 

Als die Aufseher wieder verschwunden,
fragt der Jesus die drei unumwunden:
„Lasset uns schaffen, der Tag ist noch frisch,
noch gar nichts kam heute uns auf den Tisch.“

 

Melchior nun, der mittlere König
sagte: „Hier, bitte, es ist zwar nur wenig,
aber fünf Fruchtzwerge habe ich, das
auch noch: Nutella im Sondersparglas!“

 

Kaspar zieht aus dem Bausch der Gewänder,
Filienchen und alte Brotkantenränder.
Der Knabe dankt artig und teilt alles aus,
sie setzen sich nieder zum festlichen Schmaus.

Wir brachten Dir der Geschenke drei.
Weihrauch, Myrrhe und ein goldenes Ei.
Deine Eltern verwunderten sich sehr,
und fragten, von wo das Goldei her wär.

 
Wir sagten, vom Vogel Phoinix seis.
Und berichteten vom Geheimnis des Eis.
Greis wirft es ins Feuer, das brütet aus.
Frisch belebt springt ein Jüngling heraus.
 
Die Weihrauchkörnchen, wenns einmal stinkt,
wirf sie auf Kohlen, deren Glut blinkt.
Dann wirbelt empor der köstliche Rauch
dein Beten begleitend, welches aufsteigt ja auch …
 
Die Myrrhetinktur ist Medizin.
Hast du mal Schmerzen, tropf sie wohin.
Auf die Wunde und in das Geschwür –
es hilft meistens gut. Ich schwöre das dir.
 
Die weisen und greisen Drei erinnern sich
an den heiligen Stern im Abendlicht.
Und wie er sie führte in Betlehems Stall
der der mittelste Punkt ist im kosmischen All.
 
Dann berichten sie auch vom König Herodes
und wie er sie auch alle drei betrog, es
kam noch einmal vieles herauf,
was sie erlebt in zwölfjährigem Lauf.
 
Herodes wollte den Kleinen umbringen.
Er war, wie viele Herrscher, von Sinnen.
Nero, Hitler, Stalin, noch mehr:
Ceausescu, Kim Jun Il, und Wladimir.
 
Er hatte zwei Schergen: Macht und Gewalt.
Dazu zwei Spitzel: Jung und Alt.
Doppelstrategen: Dichter und Denker
und die Vollstrecker: Richter & Henker.
 
Er verstellte sich listig und hätt’s fast geschafft,
dass man den Knaben hinweggerafft.
doch ein Engel des Herrn befahl uns im Traum,
„Herodes nicht trau’n – und einfach abhau’n!“
 
Das taten wir auch. Denn nachdem wir dich fanden,
bekletterten wir gleich die Lastelephanten.
Und kehrten nach Indien wieder heim
Über Pakis-Afganistan und Bahrain.
 
Uns zog voran der freundliche Stern
im Zeichen der Fische. Die Lichter des Herrn,
Saturnus und Jupiter lobesam,
bis jeder direkt nach Haus zu sich kam.
 
Dort angelangt schrieben wir alles auf.
Und die Sache nahm dann sehr schnell guten Lauf.
Wir entwarfen der Welt ohne böses Gebrumm
das fröhliche Dreikönigsevangelium.
 
Herr Jesus staunte und fragt nun erregt,
nach dem Verlag, der das Büchlein verlegt.
Der Dreikönig lacht laut und reicht ihm sogleich
ein seidenes Bändchen,  Federn gleich weich.
 
„Nicht jetzt!“ sagt er, „lies es lieber nicht jetzt.
Sondern erst dann, wenn der Tod dich verletzt.“
„Zu Tode verletzt, ich?“ fragt Jesus verwundert,
indem am Himmel ein Donnern leicht bumbert.
 
„Du wirst es erleben“ sagt Baltasar.
Und Melchior zählt: „Sechsundzwanzig Jahr“
Dann Kaspar: „Du brauchst dich zu fürchten nicht,
denn alles sind nur Taten des Lichts!“

 

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Unterdessen rastet der heimstrebende Tross
an verfallendem Wüstenschloss.
Man legt sich nieder und nahm sich her
Weinschlauch, Fladen und anderes mehr.

 

Maria zieht die Würstchen hervor
und ruft ihren Sohn: „Wo bleibst du, du Tor?
Siehe, o Jesus, wir wandern schon Stunden,
setz dich zu uns, und lass es dir munden!“

 

Doch wer ausbleibt, das ist der Herr.
Maria und Joseph suchen in sehr.
Am Abend aber nach ängstlichen Stunden
haben sie ihn immer noch nicht gefunden.

 

Sie reden sich ein –
er wird schon da sein.
Ganz vorne im Zug bei Verwandten
Gab es doch niemanden in ihren Rei´n
und keine, die den nicht kannten:

 

Den munteren Jesus mit lockigem Haar.
Wie ein Gott schaut er aus, wie Superstar.
Ein fröhliches Herz, ein heller Verstand
solche Kinder braucht jedes Land.

 

Doch als sie durchqueren Nazareths Furt,
betretend der Heimat bekannte Geleise
und sich anstrengen zum endlichen Spurt
der elend weiten und bangen Reise,

 

begrüßt sie ein leeres, verlassenes Haus.
Und ihr Kind schaut nicht zum Fenster heraus.
„Ich hab es geahnt – was machen wir bloß!“
stöhnt Joseph und dann: „Sofort wieder los!“

 

Sie eilen den Weg zur Stadt zurück.
Bergab geht es nun, das ist ihr Glück.
Trotzdem bergauf, – die Angst läuft mit,
je schneller der Lauf – Erlkönigs Schritt.

 

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Jerusalem löscht seine Lampen.
Begibt sich zur Ruhe. Die alle fanden,
Ochsen, Esel, Hunde und Tauben,
Menschen, die fromm sind und auch die, die nichts glauben.

 

Jeder bettet das Haupt in den Schlummer.
Glückliche Menschen und solche mit Kummer.
Auch die Könige nicken bald ein
unter den Himmeln, schlafen zu Drein.

 

Auch Jesus träumt. Von der heißen Wüste.
Und dass er eigentlich zu Hause sein müsste.
Bei Mutter und Vater und Hausarbeiten.
Wie das Gesetz sagt seit uralten Zeiten.

 

Und als sie schlafen und wie sie träumen
und zähneknirschend erschrocken aufbäumen,
Im Schlummer schreien, im Wachen flüstern
und ihre Gelübde im Mondlicht aufknistern,

 

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… hasten, getrieben von Furcht und Sorgen,
Maria und Joseph entgegen dem Morgen.
Noch sind sie entfernt zehn Stunden weit,
als Jerusalems Hähne zum Krähen bereit.

 

Ja, schau! – Pharisäer kommen gekrochen,
und haben die Könige angesprochen.
Auch Sadduzäer nahen sich bald,
heran ist die Menge mit Fragen, steinalt:

 

Man hätte gehört von einem Knaben,
den die drei Könige gestern haben
angetroffen – und wie mit Verstand
ein Kindlein wüsste, was niemand erfand.

 

Er kenne das ganze Alphabeth
und wie der Zahlen Schlange sich dreht.
Kenne die Lieder, wisse vom Sein
all dieser Dinge – Raum, Zeit und Schein.

 

Spräche von Gott, vom Teufel, vom Engel.
Hebelgesetz bei Pumpe und Schwengel.
Berechne den Umschwung von Achse und Rad,
zeichne Figuren, die ihr noch nicht sah´t.

 

Jetzt nun! Befragt, woher er das weiß,
Jesus: „Von Papa – macht euch nicht heiß!
Vom ewigen guten Vater dort droben.“
Und er weist mit dem Zeigefinger nach oben.

 

Fügt gleich hinzu: „Damit ihr es wisst!
Er selber im Himmel natürlich n i c h t ist.
Sondern am Herzen der Menschen ruht Gott.
Das ist die Wahrheit.“ Und man treibe nicht Spott.

 

Die Leute staunen und fragen den Knaben,
was sie halt alles zu fragen haben:
Wann die Welt endet! Was ist nach dem Tod?
Über die Liebe … und all ihre Not.

 

Jesus beantwortet jede der Fragen.
Bis sie erstaunt und verstummt nichts mehr sagen.
Sie denken nach. Man spürt jede(n) sinnen.
Und, dass sie versuchen, selbst neu zu beginnen.

 

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Am Altar steht längst schon der nächste Stier.
Todgeweiht ist er. Das Beil reicht man dir.
Er aber steht fest. Seine Augen fragen:
„Will denn nicht endlich mich jemand erschlagen?“

 

Doch niemand legt Hand an in dieser Stunde.
Denn jeder gibt weiter die fröhliche Kunde
vom Kinde, das überquillt. Wissen mit Liebe!
Und durcheinanderbringt Alttempelbetriebe.

 

Da teilt sich die Menge, heran stürzt die Schar
der Jesusfamilie. „Da ist er!“ Na klar …
Sie schnappen den Bengel. Und schon geht es heim.
Der Tempel steht wieder verlassen allein.

 

Drei Könige ziehen zur Wüste hinaus.
Und dann weit hinauf in des Himmels Haus.
Auf den Blutstein stürzt tot noch so manches Tier.
Doch erschüttert ist Tempel und Priester allhier.

 

Es ändert sich alles.
Nichts bleibt, wie es ist.
Der Herrscher des Alls nicht –
doch Jesus, der Christ.

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