TABOR UND ZURÜCK

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ER aber wollte uns mitnehmen.
Der siebte Tag ist morgenschön.
Zum Gipfel heißt’s sich zu bequemen,
drei von den zwölfen hieß ER mitzugeh´n.

Neun andere lässt ER zurück. Sie warten.
Am Fuß des Berges richten sie sich ein.
Doch auserwählt sind wir. Wallfahrten
Höhen hinauf. Mit IHM! So soll es sein.

Was gibt es da zu sehen, zu betrachten!
Bergwohlverleih mit goldnen Blütensternen.
Wir wagen Wege, gipfelwolkendunstverhangen,
wo scheue Tiere bisher nur gegangen.

Je mehr wir uns von dieser Erde lösen,
so freier wird Herz und Gemüt.
Die Winde nehmen alle schlimmen bösen
Gedanken fort und in die Weiten mit.

Ganz klein liegt bald die alte Welt dahingegeben,
die Zelte der Gefährten kaum noch auszumachen.
Auf unsre Minen aber stahl sich eben
Glück und vom Gotte selbst verschenktes Lachen.

Seht, überall durchrieselt sind die Steine
von Bächen, die zum Talgrund streben.
Und, wo ein Fels aufhaltend ihren Weg verneine,
Wasser und Licht zum Regenbogen sich verweben.

Den kühlen Wolken kommen wir zu Mittag nahe.
In Rätselbildern ziehen sie vorbei, unfassbar weich.
Sie blähen sich wie Segel ohne Rahe –
verändern sich und bleiben trotzdem gleich.

Dann rasten wir mit IHM bei alten grauen Steinen,
am Gipfelpunkt des hohen Berges angekommen.
Wir sehen Adler schwebend sich den Fernen einen
das Auge merkt sie kaum, nur noch verschwommen.

Petrus, du kennst den Bruder, jenen ungestümen,
dringt uns, drei Hütten aufzubauen.
Die Sonne schafft indes zu rosaroten Ungetümen
die Bergesgipfel um, das Abendliche anzuschaun.

Das All umarmend breitet ER die Arme,
kreuzförmig eint sich SEINE Silhouette
im Rosensonnenschein der großen Kette
des Hochgebirgs. Licht war da, Licht, das warme
und nichts als dieses milde Licht auf dem Gesicht.

Es schien an dieser oben abgelegnen Stätte,
als hätte jener alte Greis,
der uns das Schilfmeer queren ließ,
mit zweien derer, die erst kommen sollen,
beraten sich und reden wollen,
nachdem er sie hierher befahl und rief.
Und jener, der mit uns den Weg zum Gipfel lief
vom rätselhaften Grund der Welt,
als Übersetzer sich den beiden stellt.

Dann löschten Dämmerung und Nacht das Licht.
Doch war das Wort aus Richtung Norden
inzwischen schon zum Ort geworden,
Die Rede blieb in Acht, vergessen ist sie nicht:

Wir Menschen sollen auf dich hören. Du trägst den Orden.
Er, der die Bergwelt schuf, und eher war als alles, was da ist,
freut sich an dir! Sein Ruf will mich betören: Du bist der Christ.

Als solche Dinge sich begaben,
da hörte man ein sanftes Weh´n,
und über uns begann´s wie Flügelschlagen.
Man wähnte eine große Glockenstimme geh´n
und Silben sagen, die man schwer verstand.
In Worten, welche Engel einten,
aus unbekannter Riesenwesen Land.
Und alle Worte etwa meinten,
dass offenbar geworden Christus sei.
Er´s aber uns verschweigen müsse.
Denn jeder Seele komme selbst herbei,
dass, als Beglückte, sie Erkenntnis küsse.

Bei unserm Abstieg wieder hin zum Tal
sagt uns der HERR: „Ihr solltet lieber schweigen, –
bis ich erstand mit Tanz und Reigen
vereint den Sternen dort am Himmelssaal.

Drum plaudert nicht zu jedem eurer Schar.
Es könnte sein, dass sie euch hart verlachen.
Denn Menschen hoffen zwar, wie ich und du –
doch schämen sich zugleich der hohen Sachen.“

So sagte er. Wir hörten zu …

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