Christ-Sein

 

Glauben, – das ist eine Investition in die Zukunft und zugleich in die Vergangenheit. Der Betrag, der investiert wird – das ist man selber. Man setzt sich als Spieleinsatz ganz ein. Denn der Glaube ist ein schönes Spiel mit sich selbst im Kosmos. Oder mit dem Kosmos um sich selbst. Ohne zu wissen, ob das glückt, versucht man zu glauben. Und der Versuch ist zugleich bereits der vollständige Glaube. Meisterschaft und Lehrlingsanfänge unterscheiden sich definitiv nicht. Ja, – und was wäre denn Glück anderes als diese Ausnahme? Man weiß irgendwie, dass alles so, wie es ist, schon irgendwie gut ist. Man schmiegt sich an das göttliche „Und siehe, es war alles sehr gut“ an. Das ist Glauben. Der Glauben ist die bewusst gewollte Umschöpfung der gemeinen Tatsachen in etwas schwebend Höheres, welches sich dann mit der Zeit als Realität aus diesem vorläufigen Schweben ins tatsächliche Stehen bringt. Das Glauben ist ein Empfangen des schwebenden Segens von Oben herab in das oft auch mühsame Stehen im Unten. Man schaut nach oben und die Blütenblätter eines Kirschbaums wehen herab. Und die Blüten sind zwar hin, aber die kleinen Früchtchen wachsen unsichtbar doch schon. Auch die Vergangenheit ist von diesem „Angeweht-Werden“ gemeint, nicht nur die Zukunft. Vergangenheit kann geheilt werden, obwohl sie doch nicht geändert wird durch den Glauben. Aber die Wirkungen, die zu uns aus der Vergangenheit drängen, – sie  können anders werden, wenn man sich selbst in sie hinein positiv investiert. Wenn man glaubt, ist man mit allen Glaubenden aller Zeiten verbunden. Der Christ würde nun sagen, diese Verbindung geschieht durch das Nadelöhr einer Person. Oder – sie geschieht auf dem Spielfeld einer geschehenen oder zumindest berichteten Personengeschichte. In einer historischen Biographie. Jesus, des Zimmermanns Joseph angenommener Sohn, der eigentlich ein göttlicher Heros nach griechischem Vorbild gewesen ist, oder dazu gemacht worden ist, wird wichtig und beginnt besondere Bedeutung anzunehmen. Die Alte Kirche hat diesen Mann zu einer milden Gottheit, und zu einem Menschenfreund ohne Arglist aber mit aller vornehmstem Unbestechlichkeit ausgerüstet designen können. Respekt. Nicht einmal der Teufel hatte Macht über ihn. Und das bedeutet doch schon etwas, – oder? Dieser Mann ist nun der Orientierungspunkt für das, was man christlichen Glauben nennt. Ihm nachzufolgen, ihn als Trainer zu nehmen (P.Sloterdijk), kostet nicht viel. Ihm zu glauben ist leicht. Es tut überaus gut und es verändert einen zum Guten hin. Man wird irgendwie milder, verträglicher, lässt sich selber los und die Angst verwandelt sich in Mut. Man ist dann auch nicht in unangenehmer Weise so sehr allein, wenn man mit sich allein ist. Man versteht die anderen Menschen besser. Man muss nicht mehr zu viel wollen. Man kann es probieren und wird auf jeden Fall  n i c h t  enttäuscht sein.

Matthias Schollmeyer (Pfarrer in Zahna)

Ihr Kommentar (Name, Mailadresse und Webseite können leer bleiben)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s