nur die Füße

 

CHRISTI HIMMELFAHRT 2015

„Komm ins Offene, Freund!“ Hölderlins gleichnamiges Gedicht scheucht in der Himmelfahrtszeit auf der Erde die müden Gedanken an den Himmel auf. „Schön macht es uns, in die Himmel zu schauen. Wolken, Vögel, die Kronen der Bäume und ein paar Delta-Flieger sogar. Phantastische Welt zwischen Oben und Unten. Erhebt Eure Häupter. Schauen doch auch nach dreifachem Erdwurf am Friedhof die Christen immer gen Himmel. Nicht  etwa noch, dass am Ende der Blick sich dort in der Gruft auf lange verfänge, fröhlicher Urständ zum Trotz. Freund, in die Himmel schauen – das hilft. Leicht macht uns zusätzlich fröhlicher Zweifel. Um vorwärts zu kommen – im Glauben.“

Zwischen Ostern und Himmelfahrt lässt der Evangelist Lukas Jesus und seine Jünger gemeinsam noch einmal vierzig Tage lang spazieren gehen. Da mag ihnen der Meister noch manches verraten haben, wovon sie vorher nicht einmal in ihren kühnsten Träumen etwas ahnten. Bedingung ist, sie müssen Jesus freigeben. Er wird sich ihnen ganz entziehen, ohne sie ganz zu verlassen. Genau das ist das Fest der Himmelfahrt – Abschied vom Bekannten auf unbekannte Weise. Nach einem solchen besonderen Erlebnis gehen die Jünger nachdenklich zurück in die Heilige Stadt Jerusalem. Dort bereiten sie sich zehn Tage lang darauf vor, von heiligen Sachen in verständlicher Sprache zu reden. Denn was nützte es, wenn man gerade von den wichtigsten Dingen in der unverständlichsten Sprache redete? Weil wir aus dem Unsichtbaren heraus den Auferstandenen wirkend glauben, verlieren wir die sichtbare Erde nicht aus dem Blick. Man ahnt von unten aus nur seine Fußsohlen. Aber die Fußsohlen sind Negative, auf denen er positiv mit uns ging und standhielt. Was braucht es noch mehr. Das Negativ ist die Basis der Vervielfältigung des Beweises  … “Komm ins Offene …“

Matthias Schollmeyer – Pfarrer in Zahna

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