Theater in Woltersdorf 31.Mai – um 16.00 Uhr

AKT
das
Ambulante Kirchen-Theater
spielt
Versuchung und Verdacht
Drei Einakter von Curt Goetz

1. Tobby
Harry, der Herr………………………………..Eberhard Schulz

Fanny, die Frau…………………………………….Irene Schulz

Bobby, der Freund……………………………….Hugo Metzner

Tobby, der Knecht …………………………Anna Tzschichhold

Mary, die Magd……………………………………..Linda Engel

2. Das Märchen – Eine kitschige Begebenheit
Herr Charly ……………………………………….Jakob Thinius

Styx ……………………………………………….Hugo Metzner

Der Lord ……………………………………….Eberhard Schulz

Advokatin Hastings……………………………….Judith Bader

Nadja …………………………………………..Mareike Metzner

3. Minna Magdalena
Die Frau Professor………………………………Andrea Köhler

Der Herr Professor……………………………….Jakob Thinius

Herr Martin Sack ……………………………..Eberhard Schulz

Minna …………………………………………..Paula Engel

Für Alles …
Bühnenbild, Requisite, Kostüme, Regieassistenz:…..Alle Ensemble-Mitglieder

Zeichnungen für Plakat:……………………………………………….Maria Thinius

Regie und Organisation:…………………………………………….Eberhard Schulz

Das Ambulante Kirchen-Theater erhält keine öffentlichen oder kirchlichen Förder- mittel, sondern wird aus persönlichem Engagement betrieben und aus privaten Mitteln vorfinanziert. Kontakt: Schulz9988@aol.com

Eine Theatervorstellung mit drei einaktigen Stücken, deren jedes seine in sich abgeschlossene Handlung hat, ist wie eine Sinfonie: Auch deren Sätze haben alle ihren je eigenen Charakter und sind doch in einer Tonart oder durch einen Titel, unter dem sie komponiert wurde, mitein- ander verbunden. Der Titel unserer heutigen „Sinfonie“ ist „Versuchung und Verdacht“, denn unabhängig von der einzelnen Handlung geht es in jedem Stück um die Frage: Wer weiß eigentlich was von wem? Die Satzbezeichnungen könnten sein: Für „Tobby“ Moderato ma subito accelerando, für „Das Märchen“ Andante quasi adagio ma non tanto und für „Minna Magdalena“ Vivace furioso.
Den Titel „Versuchung und Verdacht“ gibt es bei Curt Goetz nicht, denn die Stücke stammen aus zwei verschiedenen Einakter-Zyklen. Das erste und das dritte Stück gehören zu „Nachtbe- leuchtung“, einer Sammlung von fünf Einaktern, die 1918 entstand. Das mittlere Stück gehört zu drei Einaktern, die Goetz unter dem Titel „Die Tote Tante und andere Begebenheiten“ 1924 verfasste und denen er voranstellte: „Valérie von Martens, meiner angetrauten Geliebten, sind diese Geschichten vom Lieben und Lachen gewidmet“. Es war das erste Werk, das er nach seiner Hochzeit mit seiner zweiten Frau schrieb.
In „Tobby“ greift Goetz das traditionelle Muster der klassischen Komödie auf, in der es immer ein Bediensteter ist, der die Fäden zieht, dem Schicksal nachhilft und so meist das Liebespaar trotz aller Widrigkeiten zusammenbringt; aber Goetz bricht bzw. variiert dieses alte Prinzip: Wohl ist es der Stall- und Hausknecht Tobby, über den die Handlung in Gang kommt, jedoch ist er hier durchaus nicht derjenige, der die Fäden zieht. Aber mehr zu verraten hieße, dem Vergnügen des Zuschauers vorzugreifen…
Im „Märchen“ hat Goetz zum Ausdruck gebracht, was es für ihn bedeutete, nach seiner ersten, gescheiterten Ehe in Valérie von Martens noch einmal eine Geliebte gefunden zu haben, mit der sich trauen zu lassen er sich erneut trauen konnte, weshalb er sie „meine angetraute Geliebte“ nannte. Tatsächlich finden sich im Stücktext autobiographische Teile wie Sätze aus Liebesbriefen des Paares wieder. – Wenn einem die Liebe begegnet ist, die große, die das ganze Leben verändert, und das auch noch zu einem Zeitpunkt und an einer Stelle, da nicht mehr damit zu rechnen war, dann ist von so Märchenhaftem schwer zu reden, ohne dass es dem Außenstehenden kitschig erscheinen könnte. So gibt Goetz diesem Stück vorsorglich den Untertitel „Eine kitschige Begebenheit“. – Er lässt es hier beinahe ernst werden und man ist erinnert an seine Worte, ein Komödienschreiber müsse seinen Zuschauer immer an mindestens einer Stelle an der Gurgel packen und ihn fühlen lassen: „Merkst du’s? Wenn ich jetzt zudrü- cke, dann ist es eine Tragödie.“ Der stumme Servierdiener trägt den Namen Styx – das ist in der Vorstellungswelt der Antike der Name des Flusses, der die Lebenden von den Toten trennt. Der Fährmann, der die Verstorbenen übersetzt, heißt Charon – kann es da ein Zufall sein, dass der andere Diener Herr Charly heißt? – Was für ein Märchen wird sich diese Nacht ereignen auf der Besitzung des Lords?
Mit dem Titel „Minna Magdalena“ nimmt Goetz Bezug auf Friedrich Hebbels Tragödie „Maria Magdalena“, an deren Ende der Selbstmord der ledigen Schwangeren steht. Ähnlich wie 1919 in seinem „Hund im Hirn“ greift Goetz hier den Stoff eines älteren Dramas auf und wendet ihn von der Tragödie zur Komödie. Der Anklang an die biblische „Maria von Magdala“ ist natürlich schon bei Hebbel gewollt. Die Bibel bezeugt von dieser allerdings nur, dass Jesus sie von sieben bösen Geistern befreit habe (Lukas 8, 2). Wegen der Namensgleichheit wird sie aber oft mit der Maria identifiziert, die Jesus vor seinem Leiden die Füße salbt (Johannes 12, 3); in dem Parallelbericht dazu (Lukas 7, 36 – 47) wird die Frau gar nicht mit Namen genannt, sondern nur davon gesprochen, dass sie eine (stadtbekannte) „Sünderin“ gewesen sei. Diese Verqui- ckung hat Maria Magdalena über die Jahrhunderte den Ruf eingebracht, vormals eine Prosti- tuierte gewesen zu sein. Aber vielleicht war ja auch das nur ein Gerücht… Wer weiß schon was von wem? Und was wissen wir über Minna und Mathilde?
Ein großer Dank gilt unseren Partnern und Familien, die uns während des gesamten Arbeits- prozesses der Inszenierung mit bewundernswerter Geduld unterstützt haben!
Wir danken ferner der Domgemeinde, den Franckeschen Stiftungen, den Gemeinden Heilig Kreuz und Laurentius, der Diakonie Mitteldeutschland, der Stadtmission und dem Diakoniewerk Halle dafür, dass wir ihre Räumlichkeiten für unsere Probenarbeit unentgeltlich nutzen durften.
An anderer Stelle sind uns trotzdem Kosten entstanden. Zu deren Deckung bitten wir am Ausgang um eine wohlwollende Kollekte. Aber zuerst: Viel Spaß! Eberhard Schulz

Ihr Kommentar (Name, Mailadresse und Webseite können leer bleiben)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s