Silvester 2015

 

Es gelang uns, den Meister zu überreden, mit uns eine Reise hinaus in die Zeit zu unternehmen. Wohin man die Zukunft zu verbannen pflegt. Der Erhabene senkte zustimmend das Haupt. Bereits nach dem nächsten Atemzug befanden wir uns in einer Welt, die war so fremd, dass man sich darüber hinaus Fremderes nicht vorstellen kann.

Wir entsetzten uns über die Maßen. Er aber ermahnte uns, wir sollten uns nicht so haben. Da riss sich ein jeglicher zusammen. Die Welt, die wir sahen, war weit vorangeschritten. Es schien der Himmel auf Erden eingetreten zu sein. Er aber schüttelte lachend den Kopf und sagte, man schriebe erst 2016 nach seiner Geburt. Wir begriffen, dass seit unserem Aufbruch aus dem Äon des Kaisers Tiberius fast 2000 Jahre verstrichen sein mussten. Merkten, dass keiner mehr irgendwelche Not litt. Alle aßen und tranken die Fülle, man wohnte sicher und jeder las in einem spiegelnden Büchlein. Trotzdem waren die Leute unzufrieden und jammerten auf´s Heftigste. Man beschwerte sich zum Beispiel darüber, dass jener Blitz, der aus der Wand kommt, zu teuer sei. Das Wasser (wir haben unser Lebtag klareres Wasser nie gesehen!) mit unsichtbarem Schmutz belastet wäre, – und so fort. Petrus, ihr kennt seine Art, angelte sich eine Obstkiste von der Gasse, stieg hinauf und stimmte eine seiner gefürchteten langen Reden an: “Ihr Männer, liebe Brüder”. Da trat einer herzu und fragte, wann das Unbehagen der Menschen jemals aufhöre. Der Meister berief alle zu sich und lehrte, indem er also zu uns sprach: „Ein Mann kam nach seinem Tode zu Abraham in den Himmel und lebte von nun an herrlich und in Freuden. Aber bereits nach drei Tagen sammelte er andere um sich. Gemeinsam begannen sie ärgerliche Gründe zu suchen. Bald beschwerten sie sich darüber, dass in der Hölle die Leute nicht gepeinigt würden. Das sei mit der Wahrheit des Himmels nicht vereinbar. Abraham jedoch hörte gar nicht zu, sondern ließ sie stehen. Da verließen jene stehenden Fußes den Himmel und gründeten auf der Erde im abgelegensten Flecken der Welt einen Staat. Wer Ohren hat zum Hören, der höre.“ Haben wir gelacht! Und wussten, wie es um die menschliche Seele bestellt ist. Wir ließen uns von dem Frager in ein kleines Gasthaus einladen, tranken daselbst eine süß sprudelnde Flüssigkeit, aßen Fladen mit heißem Fleischbrei und machten uns auf die Heimreise nach unserer alten Welt. Seltsames hatten wir erlebt, liebe Freunde – noch Seltsameres erlebt wohl Ihr im kommenden Jahr. Friede sei mit Euch!

Ihr Kommentar (Name, Mailadresse und Webseite können leer bleiben)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s