Karfreitag

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Am Karfreitag um fünfzehn Uhr stellten die Vögel ihren Gesang ein. Eine große Stille war zu hören. Alles hielt den Atem an. Denn eben war Gott gestorben. Er hatte die sündige Schuld der Menschen aller Zeiten auf sich genommen und sich zusammen mit dieser Last kreuzigen lassen. So, wie er dabei sein Leben hingab, büßte zugleich die Sünde ihre zerstörerische Kraft ein. Das war der Trick. Es hätte aber auch ganz schief gehen können. Wenn alle über den schmählichen Tod Gottes am Kreuz gelacht und gespottet hätten, wäre es aus gewesen. Aber es gibt, verteilt durch die Jahrtausende, immer ein paar Leute, die den stellvertretenden Tod Gottes nicht als alberne Erfindung abtun. Es gibt sie noch, die ernsthaften Menschen, denen die Sterbeleistung Gottes heilig bleibt. Am Karfreitag werden sie erkennbar. Sie gehören zu Jesus und verleugnen ihre Verwandtschaft nicht. In Gottesdiensten geben sie mit alten, schönen und traurigen Liedern dem Schmerz Ausdruck. Wer in Liedern seinem Schmerz Ausdruck schenkt, dem schenkt der ausgedrückte Schmerz Entlastung. Darüber lacht man nicht, denn es erfreut auf höhere Weise. Gott stirbt in Jesus Christus am Kreuz den Menschentod. Und kann sich doch am Leben halten, indem er den Menschen Jesus nach einer Drei-Tage-Ewigkeit von den Toten aufwachen lässt und ihn dadurch vergöttlicht. „Wer ist so dumm und nimmt die Schuld aller Menschen auf sich?“, lachen die einen. „Wir danken Dir, Herr Jesus Christ“ singen die anderen. Wer gehört wo hin? Steigen wir am Karfreitag drei große Treppenstufen nach Golgatha zu Christus hinauf. Sein Bild ist in den Kirchen. Der einsame Turner am Kreuz, der die Sünde der Welt duldend und bittend vor Gott trägt und verwandelt. Der Erlöser. Die Vögel hören jedes Jahr vor Ehrfurcht mit dem Gesang kurz auf. Und die Menschen stimmen  in den Kirchen Karfreitagslieder an. So soll es bleiben.

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