Es erchien aber ein Engel am Himmel und tröstete ihn …

Lukas 22,20ff und 39ff: „Ebenso nahm er, nachdem sie gegessen hatten, einen Becher ´mit Wein `und gab ihn den Jüngern mit den Worten: »Dieser Becher ist der neue Bund, besiegelt mit meinem Blut, das für euch vergossen wird. – Doch seht, der, der mich verrät, sitzt hier mit mir am Tisch. « … Da fingen die Jünger an, einander zu fragen, wer von ihnen es wohl sei, der so etwas tun werde …. (Als sie gegessen hatten) … verließ Jesus die Stadt und ging wie gewohnt zum Ölberg; seine Jünger begleiteten ihn. Als er dort angekommen war, sagte er zu ihnen: »Betet darum, dass ihr nicht in der Versuchung fallt! « Hierauf trennte er sich von ihnen. Etwa einen Steinwurf weit entfernt kniete er nieder und betete: »Vater, wenn du willst, lass diesen bitteren Kelch an mir vorübergehen. Aber nicht mein Wille soll geschehen, sondern deiner. « Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und stärkte ihn.  … Als er vom Gebet aufstand und zu den Jüngern zurückkam, waren sie vor Kummer eingeschlafen. »Wie könnt ihr nur schlafen?«, sagte er zu ihnen …

„Es erschien aber ein Engel am Himmel und stärkte ihn!“ (Lukas 22,43) Von der Aufmerksamkeit ist zu reden. Gründonnerstagabend hat mit Aufmerksamkeit zu tun, wie auch das ganze Christentum immer mit dieser Haltung zu tun hatte und haben wird. Am Gründonnerstag beobachtet Jesus, und wir beobachten ihn dabei, wie der, der ihn gleich verraten wird, zum selben Zeitpunkt den Brotfladen in die Schüssel taucht wie der, der von dem Tauchenden verraten werden wird. Dichter geht es nicht. Denn so haben es die Erdichter dieser Geschichte gewollt. Und auch diese Nähe zwischen der Ortsbeschreibung „dicht, dichter, am dichtesten“ einerseits und dem Beruf des apostolischen Dichters Lukas andererseits fällt uns natürlich auf. Wir sind Aufmerksame. Das Dritte, was wir bemerken, ist, dass Jesus uns selber deutlich zur Aufmerksamkeit auffordert. Er sagt: „Betet, damit ihr nicht in der Versuchung fallt.“ Beten ist die höchste Form der Aufmerksamkeit. Nach diesen Worten bringt er zwischen uns und sich eine Distanz von einigen ´zig Metern. Ein Steinwurf. Wie weit musst man weggehen, damit es einen nicht mehr erwischt? Ja, das ist fast ein Experiment! Was passiert, wenn sie mich nicht mehr sehen und mein Stöhnen nicht mehr hören? Messung abgeschlossen: Sie schlafen schon. Denn es sind Menschen. Er, der Experimentator bleibt wach, denn er ist der erfinderische Gott, auf den alles ankommt.

Was macht ein Gott, der allein ist und dessen Freunde, die bisher noch sterbliche Menschen sind, tieftraurig schlafen? Nun – er erinnert sich, denn er ist allein. All-Ein erinnert man sich an Alles. Denn Alles hat dann mit einem zu tun. Und Alles, das ist das All, das aus dem Nichts geworden ist. So sieht er die Bäume des Gartens im Mondschein. Denn es ist Vollmond. Am 15. Nissan ist immer Vollmond. Dann feiern die Juden Passah. Oben steht der Glänzende, der unwandelbar immerdar sich Wandelnde. Zwischen den Sternen geht er dahin und daher – und schweigt mit ihren Bildern den großen Lobgesang über den vierten Tag, als der Vater aller ernsthaft Betenden und ernsthaft Nichtbetenden sie alle zusammen mit der Sonne schuf, die jetzt allerdings nicht zu sehen ist. Denn es ist „wohl zu der halben Nacht.“ Zu Mitternacht, das wissen wir schon, geschehen die unglaublichsten Dinge. Ein Gott wird ins Heu gelegt – ein Gott wird auf´s Kreuz gelegt.

Aber die Boten der Mitternacht, Mond und Sterne, trösten den leidenden Gott – auch wenn seine Freunde diesen großen Augenblick verschlafen. Sie sind ja Menschen, – die anderen sind Engel, fast Götter. Nur ER ist bisher Mensch und zugleich Gott. Er hat den wahnwitzigen Plan, die Schuld aller Atmenden, aller Lebewesen, mit Hilfe seines Todesexperiments abzutragen und aufzulösen. Die unglaubliche Last mit hinab zu nehmen, wenn er in einigen Stunden in das Todesnichts eintauchen wird. Dort würde sich die Last der Unendlichkeit auflösen wie Zucker in heißem Tee. Aber er selbst, und dann allein, würde, wenn es Gott gefällt, aus dem Nichts wieder auftauchen – ohne Schuldenlast. Auftauchen, so wie der Mond oben am Himmel nach drei Tagen bisher immer neugeworden ist, weil Gott alles, was kreist, wieder aufruft, wenn es dran ist – ein jegliches zu gewissem Zeitpunkt.

Ja, – die trösten ihn, seine Lichtfreunde oben im violetten Dunkelblau. Er lächelt und trocknet sich die Tränen ab. Und dann weckt er seine Jünger. Sanft. Um sie nicht zu erschrecken …

Ihr Kommentar (Name, Mailadresse und Webseite können leer bleiben)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s