Israelsonntag 31.7.2017



Jakob kämpft mit dem Engel Gottes am Ufer des Jabbok (Gustave Doré, 1855)

ZUM ISRAELSONNTAG
Von der Sowjetunion lernen – heißt siegen lernen. War ein alter DDR-Witz … „Von Israel lernen – heißt siegen lernen“. Dieser Satz wird ebenfalls nicht unwidersprochen bleiben. Obwohl – das kleine Land schlägt sich viele Jahrzehnte lang inmitten der arabischen Welt eigentlich gar nicht so schlecht. Vielleicht tut es wieder einmal gut, in den Brunnen unserer Väterundmüttergeschichten zu steigen: Am Grenzfluss die Urauseinandersetzung Mensch gegen Übermensch. Ein rätselhafter Fremder ringt mit Jakob. Ist es Gott selbst, oder nur sein Engel? Jedenfalls kann der Gotteskämpfer das menschliche Geschöpf, das einst als freies Wesen erschaffen ward, im Zweikampf nicht überwinden. Während des Kampfes folgendes Zwiegespräch (Genesis 32,26ff):

Er sprach: „Laß mich gehen, denn die Morgenröte bricht an.“ Aber er: „Ich lasse dich nicht, bevor du mich nicht gesegnet hast.“ Wieder er: „Wie heißt du?“ Er: „Jakob.“ Wieder er: „Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott wie mit Menschen gekämpft und hast es ausgehalten.“ Jetzt fragt Jakob ihn: „Sage mir noch, wie heißt denn du?“ Der: „Was fragst du, wie ich heiße?“ Und segnete ihn daselbst. 

Israel, der neue Name, hat viele Übertragungen aushalten müssen. Bibel als auch Historie legen jedoch nahe, dass der neue Name  am treffendsten übersetzt wird mit: „Der mit Gott gekämpft und das ausgehalten hat!“ Israel (ähnlich wie Hiob) ist das Alleinstellungsmerkmal aller gegen Gott um Gott mit Gott ringenden Leute. Menschen, die an Gott fast verzweifelt sind, kelterten aus dem verworrenen Wust orientalischer Gottesvorstellungen den kristallenen Begriff des Seins an sich. Das hält bisher auch kritischsten Fragen stand. Jesus vertraut diesem Wort sein Leben an. Ein Name, von und vor dem Christen singen, und der bis heute Grundlage alles qualifizierten Redens über Gott geblieben ist. Nicht „Gott ist groß“. Nicht „deus vult“ oder „Gott mit uns!“ Auch nicht arabische Varianten des militärischen Urschreis, der sich als rote Audiospur durch die Religionsgeschichte zieht. Israel heißt etwas anderes. An der Grenze des Denkbaren wird mit dem Geheimnis des Seins fragend gerungen. Und zwar solange, bis sich die Frage ohne Antwort in Segen verwandelt. „Wie ist dein Name?“ Mit dieser Frage kommt der Segen. Die immer schon genau wissen, was Gott ist, werden leicht selber zum Fluch. Sich und anderen. Von Israel siegen lernen, heißt fragend bleiben können.

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