das Buch Ruth

Und als wir weiter abwärts steigen wollen,
entdecken wir ein Weib, das Ähren las.
Sie ließ in ihre Hände Körner rollten,

und hortet die in einem kleinen Fass.
Die Frau singt bei der Arbeit. Alle hören
ein schönes Lied und staunen über das.

Es geht um Hunger, Liebe, Flucht, Zerstören,
des Schicksals Härte. Tod, Not, Glück und Gut.
Und von der Mutter, der sie Treue schwören

hat wollen, Nóemi. Ihr Name: Ruth.
Als Kinderlose ließ zurück der Gatte
die Arme, als der Tod ihn grausam lud.

Schon nahet sich auf seines Feldes Matte
der Knecht des Grundherrn. Boas nennt man den.
Die Ecken vier mit langer Meterlatte,

gut ausgezirkelt. Ähren bleiben steh´n.
So hat es Gott in sein Gesetz geschrieben,
und nichts darf diese Weisung je verdreh´n.

Am Abend ist genügend Korn geblieben.
Als Gnadengabe. Ruth und ihrer Lieben.

Noémi, die wie Ruth vom Tod geschlagen,
ermutigt nun beherzt die junge Frau:
„Er wird dich lösen. Wolle nun zu wagen!

Wenn bald der Mond steht, nutz die Stundenschau!
Gott hat den Mann in deine Hand gegeben.
Leg hin zu seinen Füßen dich genau.

Die Wege Gottes werden sich verweben,
dein Leben kam noch lange nicht zu End.
Er wird dich aus dem Dunkel zu sich heben.

Und wenn er dich dann später gar erkennt,
wird er dich lieben, deine Hand bewerben.
Es fügt zusammen Gott, auch wenn er trennt.

Als nun die Abendsterne diesen Tag beerben,
legt Boas sich ins Korn. Und Ruth, die Braut,
lässt nicht des Kairos Fügungen verderben.

Die Mondin durch das Tennenfenster schaut.
Da sagt sie: „Siehe, hier ist Ruth, die deine.
Ich bleibe da, bis dass der Morgen graut.

Zu wem du flehst, die Gottheit sei auch meine.
Wo du einst liegst, da ruhen Ruths Gebeine.