die Heilung der verkrümmten Frau (Lukas 13)

Und siehe, eine Frau schleppt sich nach vorne,
die litt an Schmerzen achtzehn Jahre lang.
Ihr hatten sich verhakt der Wirbel Dorne,

am Rücken war sie krumm und schief ihr Gang.
Der Geist der Krankheit wollte nimmer weichen,
darob ihr Blick zur Erde ging und bang.

Doch sah man um den Tempel sie oft streichen
Und darum rief sie Jesus her und spricht:
„Wem wollen wir das arme Weib vergleichen?“

Im Herzen tief empfand sie einen Stich!
Er legte seine Hände auf die Knochen
und drückte ihre Leiden nun an sich.

Der achtzehn Jahre lang die Zeit zerbrochen
das Wort des Heilers ändert nun das Ziel:
„Sei los vom Satan!“ Jesus hat´s gesprochen –

und also bald ihr Blick nimmt andres Spiel.
Weil nunmehr sie den Blick nach oben lenkte,
und Himmelslicht in ihre Augen fiel,

sie preist den Gott, der ihr die Heilung schenkte,
seit sich der Wirbel Ordnung wieder renkte.

Weil das geschah an einem Sabbattage,
unwillig brummt der Oberste voll Zorn:
„Am Sabbath heilen, das ist ohne Frage

der Sünden größte!“ Weiter bläst sein Horn:
„Sechs Tage darf der Mensch in Arbeit frönen,
der siebte Tag bleib aber frei geborn.

Es soll ein jeder sich daran gewöhnen!“
Vor allem Volk lehrt Jesus ihn: „Bedenke
den Heuchelschein! Lass dich, mein Freund, versöhnen!

Führst du nicht Ochs und Esel auch zur Tränke
am siebten Tag, wenn Gott vom Werke ruht?
Unmöglich ist, dass er nicht Gnade schenke

wie jener Frau, und Gutes heute tut?
Der Tochter Abrahams löst er die Bande,
die um sie schlang des Satans Übermut!

Und als er solches sagte, ward die Schande
den Zuhörenden plötzlich offenbar.
Sie schämten sich und drehten sich zum Rande.

Und allem Volk ward augenblicklich klar
die Herrlichkeit des HERRN, als das geschah …