Jakobs Kampf am Jabbok (Genesis 32,23ff)


Da er im Sicheren sie alle wusste,
ging er noch einmal zu dem großen Stein,
den er vor Jahren hier errichten musste,

als er sein Traumbild sah. Und ganz allein
dicht bei den Stufen zu dem Punkt am Himmel
Gott selbst, den Herren ahnte. Wahres Sein …

Dort auf der Engelsleiter im Getümmel
ward ausgerufen worden jenes Wort,
das vielen tausend Wörtern im Gewimmel

die große Mitte zeigt als stillen Ort.
Dort klafft der wunde Nabel allen Welten,
dort pocht und pocht des Rätsels Lösung fort.

Jetzt, weil er Abschied nahm von Labans Zelten
und floh – mit Frauen, Vieh, Besitz und Kind,
wird ihn der Bruder Esau nicht nur schelten:

Er wird ihn töten. So die Regeln sind.
Ach, – Finsternis bedeckt die kalte Wüste,
nichts hört er mehr, als nur den Wind.

Es dehnt die Brust sich bis zur Sternenküste,
und ahnt, dass er sein Leben ändern müsste.

Dann schlägt es zu. Und Jakob muss sich wehren.
Ein Übermächtiger ist da. Unendlich stark.
Die Wucht des Anderen scheint sich zu mehren,

es geht um Leib und Leben, Seele, Mark.
Ihr Ringen währt nun wohl schon bei drei Stunden,
sie dampfen beide aus den Lungen arg.

Und sind am Morgen ganz bedeckt von Wunden.
Zwei Leiber keuchen unter rotem Blut.
Schweiß, tiefe Narben, Schorf wird aufgefunden.

Der Engel ruft gebietend: „Nun ist´s gut.
Lass mich hier gehen, denn der Sonne Lichte
eilt schon herbei mit ihres Schimmers Flut.“

„Erst segne mich!“ ruft Jakob. „Nicht vernichte!
Ich halte fest, bis mir bekannt dein Name!“
Und greift ihm furchtlos tief in´s Angesichte:

„Der Listige bin ich, Isaaks Same!
Nun du, wie bist denn du bei Gott bekannt?“
„Was fragst du mich! Nimm diesen Schlag, erlahme!

Nicht mehr der Feind seist du im fremden Land,

Dein Name werde Israel genannt.“