von den sechs Tagen und dem Siebenten (Genesis 1)

Am ersten Tag rief er aus Nichts das Leuchten,
Den Gegensatz danach als Unterschied.
Am dritten aber wollte er befeuchten

die trockne Erde, dass sie ferner mied
der weiten Wasserwellen nasse Fluten
und Festland steige aus der Teiche Ried.

Zum Vierten zündet er der Sterne Gluten
samt allem, was sich sonst am Himmel lohn.
Dann auch die Lichter, die man nennt die Guten,

ein jedes Kind besingt sie – Sonne, Mon´.
Die Gottheit warf zum Fünften in die Lüfte
das Ei der Null als aller Zahlen Hohn!

So drang aus deren unendlichen Klüfte
das Ur des Vogels und der Laich vom Fisch.
Der eine schweigt, der andre Lieder stifte –

doch beide aus dem runden Eierfrisch.
Sie müssen unten oder oben leben,
darf keiner diese fernen Orte mische.

Weil Hoch und Tief sich so in´s Beste weben,
kann alles sich nach Gottes Plan erheben …

Damit er selbst am Ziel der Schöpfung scheine,
bereitete sich Gott ein Ebenbild.
Nicht geh hervor das neue Ding alleine,

das Tier tritt vorher auf, friedfertig wild.
Aus Oceanos dunklen, tiefen Gründen
kämpft tapfer sich´s hinaus auf das Gefild.

Wurm, Assel, Krebs, die Biene in den Linden,
die Maus, die Ratte, Iltis, Marder, Hund,
Rind, Reh, Schaf, Hirsch und Ziegen wirst du finden,

Schwein, Löwe, Tiger und der Käfer Bund.
Den Weg ins Leben nimmt die ganze Bande
ein jegliches nach seiner Art und Stund.

Dann, bei des sechsten Tages rotem Rande,
haucht Gott dem Lehmkloß freies Atmen ein.
So schließlich kommt der kluge Mensch zustande.

„Auf, mehret euch! Denn ihr sollt Gärtner sein“
sprach Gott, der HERR, und ging erschöpft von dannen.
Sein Bildnis wob er unserm Ganzen ein.

Legt abends sich dann unter stille Tannen,
um von dem großen Werke zu entspannen.

Der siebte Tag dringt auf. Ein neuer Morgen.
Der Welten Pracht erglänzt in frischem Tau.
Gott rät dem Menschenkind: „Lass alles Sorgen!“

Sein Rat entfaltet sich als bunter Pfau.
„Wollt ihr von meinem Glänzen etwas nehmen,
Rot, Lila, Gelb, Orangen, Grün und Blau?

Des freien Spiels sollt ihr euch niemals schämen!
Die Arme breitet, nehmt der Farben Licht.
Nicht soll der Kummer eure Glieder lähmen.

Es sei glückselig froh das Angesicht.“
Wir sehen, wie die beiden Menschen wandeln,
die Sonne eben durch die Wolken bricht.

„Am Sabbat“, sagt mein Engel mir, „verwandeln
die Menschen Arbeit in ein großes Spiel.
Nicht Mühe darf den freien Tag verschandeln –

Betrachtung bleibt der Feier frohes Ziel.
Gott geht im Garten, redet zu den Tieren,
mit jeder Frucht, die aus den Bäumen fiel.“

Weil uns denn Gott erhob von allen Vieren
darfst in dem Garten aufrecht du spazieren.

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