von der Stillung des Sturmes auf dem Meer

„Nun“ sagte er, „lasst uns hinüberfahren.
Der Sonne Rot vollendet bald die Bahn.“
Wir nahmen´s hin. So, wie wir eben waren,

bestiegen wir den alten Fischerkahn.
Das Volk bleibt stehen an des Ufers Klippen,
wir sahen auch, dass viele nach uns sahn.

Doch fing das Boot bald schrecklich an zu wippen.
Auch andre Schiffe plagt das wilde Meer.
Gefährlich wirft das Meer uns einzudippen,

in Seenot ächzt der Mast, bald hin und her.
Das Steuer wird uns mit Gewalt entrissen –
und Vorwärtsrudern geht schon längst nicht mehr.

Tief aus dem Abgrund starret mit Gebissen
der Hölle Rachen Jesu Jünger an.
Wer schlummert da noch friedlich in den Kissen?

Er selbst, der Blinde sehend machen kann.
„Im Sturmwind schlafen nenne ich Courage“,
schreit voller Angst den Meister Petrus an.

Der Wirbelwind brüllt in der Takelage
und Wellen wogen wütend und in Rage.

Doch Jesus schläft gelassen und bleibt liegen,
umbraust von arger Wogen feuchtem Schwall.
Die Sturmflut treibt die Boote an als Wiegen.

„Bekümmert dich nicht des Verderbens Fall?“
so brüllt der Mensch dem Gott in seine Träume.
„Wir kommen um, Herr. Der du schufst das All!“

Da wacht er auf und spricht mit dem Geschäume.
Er mahnt den Sturm und flüstert zu dem Meer:
„Schweig Tiamat! Und flieh in andre Räume.

Verängstige den Freund mir nicht so sehr!“
Weil sie gehorcht, verwandelt´s sich zum Spiegel.
Und Ruhe wird. Die Stille stellt sich her.

Er nun zu ihnen spricht: „Seht an das Siegel.
Wo ist denn euer glaubendes Vertrauen?
Zu wissen gab ich euch, dass jedes Übel

beginnt, wenn man es anspricht, abzuflauen.
Von heute an beherzigt meine Lehr:
Braucht gute Worte – wie zu schönen Frauen.“

Ihr Fragen schwirrt noch lange hin und her:
„Wer ist der Herr, dem Sturmwind folgt und Meer?“