Emmaus (Lukas 24)

Von Emmaus nach Jerusalem eilen
zwei Jünger, heilig beschwingt und hellwach.
Wer wollte vor Wundern im Hause verweilen,

die Wölbung der Nacht am himmlischen Dach,
Gestirne wie damals, geleiten die beiden –
als Gott erwählte die Welt als Gemach.

Drei Tage zurück liegt Sterben und Leiden.
Gekreuzigt ward Jesus, den Gottessohn.
Der Freund. Der Heiler. Erlöser der Heiden,

er hatte versprochen zu brechen die Fron.
Verzweifelt war man nach Hause gezogen.
Der Himmel verloren. Als Lohn blieb nur Hohn.

Doch plötzlich ist einer am Wegesbogen
zu ihnen gestoßen. Sagt freundlichen Gruß.
Und hatte zu wandern mit ihnen erwogen.

Belehrt auf dem Weg von Anfang und Schluss.
Redet von Rätseln des Himmels, der Erden.
Wie mächtig sein Wort, so stark als ein Kuss.

„Herr, bleibe doch hier. Denn Abend will werden.“
So bitten sie ihn mit Trauergebärden.

Da willigt er ein, sie sitzen bei Tische,
links dieser, rechts jener, er mittig als Gast.
Nimmt in die Hände ihr Brot und die Fische,

spricht auch Gebete: „Bereitet du hast,
o König, den Sinn für kommende Welten.
Segne uns hier schon, womit du dort labst.

Freuden und Leiden, ob oft oder selten,
Fremde und Freunde, Fisch, Wein und das Brot.
Gib in Palästen dem Frieden sein Zelten.

Sättigest Sehnsucht, gabst Kreuz und den Tod.
Schenkst uns die Schrift mit den heiligen Zeichen,
sendest das Schicksal, dem Leben als Lot,

und niemals wirst du vom Wege uns weichen.“
Als er das Brot brach, da schauten sie hin.
War das nicht der, den sie dachten bei Leichen?

Ein Ruck, ein Sprung! Wie sie griffen nach ihm!
Er aber, dass nur im Brot sie ihn fanden,
begann sich den beiden alsbald zu entzieh´n.

Zwei Jünger, denen die Herzen heiß brannten,
kündend zurück nach Jerusalem rannten.