Mose berichtet von Gott (Exodus 3)

„Wer meine Eltern sind, das weiß ich nicht.
Doch fand ich was auf meiner Lebenssuche!“
Tuthmosis heißt er, der so zu uns spricht

und trägt ein edles Kleid von Leinentuche.
Im Glanze kniet er da vor einem Zelt
und räuchert Weihrauch. Gott zum Wohlgeruche.

Im Zelt pulsiert das Zentrum aller Welt –
auf goldnen Säulen schwebt des Bundes Lade,
darin die Schrift, die jedes Ding erhält,

den Wüstenwandernden ward sie zur Habe.
Wir fragen Mose: „Wo ist dieses her?“
Und er: „Vom Sinai als Gottes Gabe.

Einst war der Tag mir fad und öd und leer.
Da trieb ich trotzig weit hinaus die Ziegen.
Bis wo die Wüste keine Grenze mehr …

Erschöpft und ratlos blieb ich draußen liegen.
Wohl sah ich plötzlich einen Baum, der brennt,
doch kann die Asche nicht den Brand besiegen.

Ich weiß nicht, wie das Wunder heut sich nennt,
doch läuft es noch, das Großexperiment …“

Wir lauschten ihm mit Herzen, welche schlugen,
als ob die Erde bebt im tiefsten Grund.
Er antwortete allem, was wir frugen,

von großen Dingen sprach sein alter Mund:
´Ich werde da sein’, bin ich euch gewesen.
Der ‚Ich bin da‘, gab dir den Namen kund.

‚Ich war stets da’, wird man von mir einst lesen.
Als ‚Sein des Seins‘ der Suchende mich kennt,
es kreisen um mich aller Denker Thesen.

‚Ich bin’ und ‚Ich bin nicht‘. Als Fundament
steh ich im Grund der tiefsten Gründe.
Zugleich bleib ich weit hinterm Firmament –

Ich bin der Heilige. So bin ich Sünde.
Für mich zerbrich der Worte altes Vlies,
erfinde mich ganz neu und dann verkünde!`

Indes es barfuß mich zur Erde stieß,
flammt noch das Bäumchen dort in hellem Brand.
„Das ist der Tag, da ich erfinden ließ

dich, Mose, mich. Dir sei dies weite Land.
Verstehe dich als den, der Gott erfand.´“