Römer sieben und Paulus …

Bald trafen wir auf einen, der sich plagte.
Vor ihm lag Pergament, auf dem ein Kreis
mit vielen runden Zirkeln prangt. Er sagte:

„Lebt einer auf der Erde, welcher weiß,
wie das Quadrat ans Rund zu zeichnen wäre.
Ich schaff es nicht!“ Und stöhnte wie ein Greis.

„Wer das vermöchte, schuf damit die Lehre,
dass einigten sich Ecken mit dem Rund.
Die Sünde könnte erben höchste Ehre,

und Frost und Glut beschlössen neuen Bund!
Sie würden sich im Chaos nicht versenken.
Ich martre mir daran die Stirn noch wund!“

Und wieder hob der Irre an zu denken.
Wir lächelten uns an. Ich fragte dann:
„Der arme Mann mit seinem Geistverrenken

nur Saulus oder Paulus heißen kann.“
Wir traten dicht zu dem Beklagenswerten,
mein Engel nickt und räuspernd hob er an:

„Er plagt sich hilflos ab im Grundverkehrten,
Und stört den Sinn. Doch ohne es zu merken.“

Wir hörten, wie er flüstert: „Gute Werke!
Ich will sie tun, doch komm ich nicht dazu.
In mir ist eines Andern schlimme Stärke.

Die gibt und gibt und gibt und gibt nicht Ruh,
bestärkt vom Geist der alten Adamssünde.
Nun frag ich, Seele, dich! Wer bist denn du?

Erleb ich noch, dass Frieden sich verkünde?
Bisher droht nur das ewige Gesetz.
Ach, dass ich längst verklärt bei Christo stünde!

Dort wär ich rein und nicht mit Schmutz benetzt. 
Weh mir! Schon Wollen kann ich gar nicht wollen.
Und alles Mühen nur noch mehr verletzt.

Bin ich gar worden einer von den Tollen?
Ich schreib es so: ´Die Tauf ertränke mich!’
Tot bin ich nun, ersoff! Muss nichts mehr Sollen.

Dafür nun tief in mir birgt Christus sich!
Halléluja!1) Er zieht an meinem Zopfe,
der meiner ist – und nicht  – mich in das Licht.“

Dass er den Mund vor Lachen nicht verstopfe,
schwenkt seine Hand der Engel sich vorm Kopfe.

1) im Original: אשרי האיש – „Aschre ha Isch – Glücklich der Mann“ (Psalm 1,1)