Ezechiel 36,26 (der Prophet erzählt)

Ich war gestürzt, lag matt am Wegesrande
und spürte große Schmerzen in den Brust.
Es war, als schnitt das Eisen einer Bande

tief in das Herz. Da wurde mir bewusst,
es werde wohl sein Schlagen enden müssen –
und damit auch des ganzen Lebens Lust.

Grad, dass ich noch zum Himmel rufen konnte:
„Herr Gott, errette mich aus meiner Not!“
Doch schon versank die Welt im Horizonte,

die Sinne schwanden mir, ich war wie tot.
Gleichzeitig noch vernahm ich starkes Summen,
ein Rauschen kam in meiner Ohren Schlot,

und wandelt sich in sanftes, tiefes Brummen:
„Du, Menschenkind, steh auf. Tritt vor mich hin.“
Und einer kam und rührte an mich Stummen,

und legte mir den Finger unter´s Kinn.
Und so erhob er mir das Haupt zu schauen –
und was ich sah, das war ein Neubeginn:

Es landete auf wiedengrünen Auen
ein Ding mit tausend Augen wie von Pfauen.

Ich barg mein Antlitz scheu mit beiden Händen,
versuchte wegzudrehen mein Gesicht –
vermochte aber nicht, mich abzuwenden.

Zu hell erstrahlt des Riesenfahrzeugs Licht.
Vier Räder sah ich kunstvoll sich verflechten,
die drehten sich, wie ohne ein Gewicht.

Eins links herum, das andere zur Rechten.
Sie mussten sich nicht wenden, wenn es ging.
Hoch über ihnen wirbeln wie beim Fechten

drei Flügelpaare als der Vögel Schwing´.
Wohin der Geist die Räder trieb, da rollten
sie hin des Gottes Herrlichkeit als Ding.

Jetzt sangen sie, dass sie mich wollten heilen.
Und hoben mich auf einer Bahre Brett.
Und fuhren dann mit kupfergoldnen Beilen

tief in den Leib mir, drangen in sein Bett.
Sie hoben aus der Brust mir aus das Herze –
wie harter Stein lag es dort einsam am Tablett.

Dann setzten sie ein neues ein. Die Schmerze
entflohen gleich. Und neu entflammt die Kerze.