Josephs Träume (Genesis 37)

Und einen seiner Söhne hat er lieber.
Er machte ihm aus buntem Stoff ein Kleid.
Der schöne Knabe zog es täglich über,

auch nachts hüllt es ihn ein – zum Traum bereit.
Kein Wunder, dass der Brüder Zorn sich regte,
kein größer Leid ist als Geschwisterneid.

Welch Hassgefühl die Elferschar bewegte!
Denn eines Tages, hört, geschah noch dies:
„Mir träumte“ sagte Joseph „als ich legte

zur Nacht mich an der Schwelle Paradies,
elf Sterne neigten sich vor meinem Zwölften,
die Namen lauten, wie der Tierkreis hieß.

Auch Sonnenball und Mond in beiden Hälften,
gelobten mir voll Freude laut von fern,
der Jungfrau hellstem Sterne gern zu helfen.

Und fielen nieder dann vor mir als ihrem Herrn.
Es mussten seine Brüder alle hören,
wie er erzählt von Spica, seinem Stern.

Noch größer da ward Wut und ihr Empören.
Und Rache fingen an sie ihm zu schwören.

Doch Joseph wandelt unter ihrem Wüten
im bunten Rocke, alle Leute schau´n.
Einst sollte er weit draußen Kleinvieh hüten,

da bittet er sie zu sich in den Raum.
Er heißt die Brüder lagern weit im Kreise.
Dann, als sie sitzen, folgt der zweite Traum:

„Wir banden Korn nach alter Väter Weise,
bald standen unsre Garben fett und feist.
Was ich nun sage, nehmt euch zum Beweise,

dass dieser Traum mich als besonders preist.
Denn Eure Garben mit der Eltern beiden
verneigten sich vor meiner allermeist.“

Sie mochten diese Schauung gar nicht leiden –
was er erzählt, das fachte an den Mut.
Sie fingen an zu hassen und zu neiden,

bis eines Nachts entflammt sie steh´n vor Wut.
Und hoben an, einander zuzuschwören
aus Zorn die böse Tat in heißer Glut.

So riesenhaft hinauf reicht ihr Empören,
dass sie beschlossen, Joseph zu zerstören.