von dem Propheten und Diplomaten Elischa (2.Könige 6)

Das Großreich Syrien führt viele Kriege
und war den Kindern Israel meist feind.
Es hat, dass man den König klug besiege,

der Kreis der Offiziere sich geeint,
bei Dothan einen Hinterhalt zu legen.
Wenn einst des Königs Wagen hier erscheint,

soll´n Lanzen mit viel scharfen Spitzen fliegen.
Ein toter König? Flieht das ganze Heer!
Der Tote wird bei seinen Vätern liegen,

ein Sieg von selbst und ohne Gegenwehr.
Der König Joasch aber glaubt dem trauten
Propheten. „Gott als Helfer“ heißet der.

Elischa zeigt dem Freunde, wo sie bauten
an einer Falle für sein Zehnerreich.
So mied man klug die Stelle und bald schauten

die Syrer aus Verstecken zornesbleich:
„Es ist in unsrer Mitte ein Verräter,
der plaudert aus den Plan, welch böser Streich!“

Wer ist bei uns der frevelhafte Täter?
Den kriegen wir! Ob früher oder später …

Schon bald wird’s kund: Elischa, ein Prophete …
der weiß von fern, was aussinnt Ben Hadad.
Die Worte zieh´n zu ihm wie sonst Magnete,

durch Mauern dringt´s, trotz heimlich galt der Rat.
Elischa, der Mann Gottes ist der Täter!
Er hat zu Gottes Himmel einen Draht.

Im Bunde steht er mit der Kraft der Väter
und kann wohl machen, dass auch Eisen schwimmt.
Er ist Prophet und kennt, was kommt erst später,

und was er anfasst, glückt ihm und gelingt.
Die Syrer wollen ihn zu Tode bringen,
nach Dothan zieh´n sie, übler Tat gesinnt.

Im Schutz der Nacht kann ihnen das gelingen …
mit Rossen, Wagenkraft und großer Macht.
Doch soll man fürchten sich vor Eindringlingen,

wenn Engelscharen liegen auf der Wacht?
„Bei uns sind viel mehr als bei denen allen!“
Elischa seinem Diener sagt: „Gib Acht,

gleich wirst du hören meiner Stimme Hallen.
Die Augen auf, es wird dir sehr gefallen.“

Er sieht den Berg, erfüllt mit Ross und Wagen.
Schon rücken auch die Feinde schnell heran.
Elischa aber lacht und ohne Zagen

ruft er: „Mit Blindheit schlage jeden Mann!“
Und Gott? Er folgt dem Worte des Propheten:
Verschwunden ist, was sonst man sehen kann.

Ganz unerkannt zu ihnen ist getreten
Elischa. „Die ihr sucht den Weg zur Stadt,
ich leit´ euch gern. Folgt mir und meinem Beten.

Und als er alle an der Angel hat,
da führt er weit hinab sie in die Tiefe
Samarias. Hier wendet sich das Blatt.

Es war, als ob er wieder Gott beriefe:
„Nun öffne ihre Augen, HERR, zum Sehn!
Und er, der HERR, gehorchend diesem Briefe,

macht sie erwachen und sie seh´n sich steh´n
inmitten fremder Truppen. Gegenüber
der Feinde bunte Fahnen flatternd weh´n.

Zum Streit bereit erbebt sich jeder Krieger,
Elischa aber dämpft des Kampfes Fieber:

Es gibt, wo Heere aufeinander prallen,
stets tiefe Wunden, Blut und bittern Tod.
Das Schlimmste aber ist beim Krieg vor Allem,

versiegen können zwar die Wunden rot,
die Seele aber länger brüllt nach Rache.
Will Not, und will, dass neues Unheil droht.

Elischa weiß um diese alte Sache
drum gibt er seinem König einen Rat:
„Bewirte deine Feinde und so mache

zum frohen Feste ihre böse Tat.
Gefangene zu töten ist zwar üblich,
doch Schlimmes keimt dem Staat aus solcher Saat.

Ich sage dir, es endet nur betrüblich.
Leg ab der Waffen Last, greif zum Pokal.
So werden sie dich preisen lang und lieblich.

Bald laut erschallt dein Lob und überall.“
So hob man an mit frohem Opferschlachten,
es sank zu Boden Vieh in großer Zahl.

Beim Speisen hörte auf das böse Trachten,
beim Bechern ward gelobt, sich mehr zu achten.