von dem barmherzigen Samariter (Lukas 10)

Als aber einer von den Schriftgelehrten
den Meister fragte: „Rabbi, sage an,
was ist der höchste unter allen Werten?“

erwidert klug der HERR besagtem Mann:
„Was liest du im Gesetze aufgeschrieben?“
Er gleich: „Du sollst mit ganzem Herzen, dann

mit Seele und Gemüt Gott immer lieben.
Und deinen Nächsten, denn er ist wie du.“
Der Meister drauf: „Du hast nicht übertrieben.

Genau so tu, dann wirst du finden Ruh.“
Er aber gab nicht nach und bohrte weiter,
examinierend Jesus gradezu:

„Wer ist denn das, mein Nächster?“ tönt der Streiter.
„So viele Menschen hat die weite Welt!“
Der Meister lacht und bleibt trotz allem heiter,

dies Gleichnis hat er ihm zur Wahl gestellt:
„Ein Mann wollt bis Jerusalem einst wallen.
Von Jericho aus zog er übers Feld.

Doch ist er unter Mörder bald gefallen,
die schlugen ihn mit Peitschen und mit Knallen.

Der Handelsmann blieb nackt am Wege liegen,
des Eigentums beraubt und schon halb tot.
Nun wandert bald hinab des Weges Stiegen

ein Priester stracks und sah die Wunden rot.
Schnell eilt er weiter seine eignen Wege,
auch ein Levit. Sie scheuen fremde Not.

Ein Samariter endlich, dass er lege
den Armen auf sein treues Tier,
hielt an und nahm den Blutenden in Pflege,

die Wunden salbt er ihm mit Wein und Schmier.
Dann geht es bis zu einem Gasthaus weiter,
Und er befielt dem Wirt: ‚Gib ihm Quartier.

Du halt ihn frei von Blut und bösem Eiter,
ich werd´s begleichen, wenn ich kehr zurück.’“
Und Jesus schließt: „Es war ein Außenseiter

der jenem half, der fand in ihm das Glück.
Und welcher dient als Nächster uns zum Zeichen?“
Er antwortet: „Der tat dies Meisterstück!“

„So gehe hin und tue du desgleichen!
Und aus dem Sinn soll nie dies Beispiel weichen.“