… es ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht auf das, was nicht ist … (Hebräer 11)

 

Die Engel aber schritten nach dem Beten
zu einem Tisch, drauf stand ein großer Krug.
Ich ward gerufen an den Tisch zu treten,

und hörte jedes Wort, das man uns frug.
In das Gefäß griff nun beherzt ein jeder
und holt hervor ein Los mit raschem Zug.

Beschrieben war das Los mit blauer Feder,
für jeden Engel eine Frage stand.
Man las sie laut und deutlich vom Katheder,

und ließ sie wandern dann von Hand zu Hand.
Mein Engel kam als Nächster an die Reihe,
und löste seines Loses festes Band.

Dass er den Spruch aus hartem Rund befreie,
rollt er den Zettel auf, sein Mund liest vor:
„QUID FIDES SIT“. Was Glaube ist … ich leihe

der Antwort auf die Frage wach mein Ohr.
Von seinem Platze aus mit langem Stabe
zeigt jemand auf ein Bild. Das dünne Rohr

weist in die Leere einer goldnen Wabe
und der sie hielt – was für ein schöner Knabe!

Weil Gott aus Nichts das weite All erdachte,
kann sich der Glaube halten nur am Schein.
Im klaren Nichts, da waltet heimlich sachte

ein Etwas, selber gänzlich ohne Sein.
„Nicht mehr“ und auch „Noch nicht“. Aus diesen beiden
schuf Gott sich seines Weltalls edlen Schrein.

Wer könnte zwischen beidem unterscheiden?
Der Glaube schon! Er nimmt das Rätselbild.
Und glaubt das Glück, trotz vorerst sieht nur Leiden

und Zweifel er, die zausen ihn wie wild.
Es blieben meistens unsichtbare Dinge,
doch Glaubende, sie sehn, was noch nicht gilt.

Zum Zweck, dass aus Nichts sich Etwas schwinge,
wirft tief im Herzen sich der Glaube auf –
er fleht so heiß, dass es einmal gelinge,

und damit nimmt die Sache ihren Lauf.
Obwohl real noch gar nichts ist zu schauen:
Die Hoffnung tätigt glaubend schon den Kauf.

Die Bienen stets an leeren Waben bauen,
gleichzeitig aber schon den Nektar kauen.