Manifestation, Reformation, Transmutation, Christallisation

Der Gesamtprozess der internen Kraftflüsse, welche man der Kirche zusprechen könnte, lässt sich recht einfach mit vier Begriffen beschreiben. Sie lauten: Manifestation, Reformation, Transmutation und Christallisation. Im Folgenden soll das hinter diesen Begriffen stehende System kurz erläutert werden.Keiner der Begriff ist zu vernachlässigen, ein jeder ist nicht weniger wichtig als die anderen. Alle vier sind einander wie Quadranten eines Kreises zugeordnet, in dessen Mitte dadurch das Kreuz entsteht. 


Umkreisen wir die Außenlinie des Kreuzkreises, so entsteht eine Bewegung, die im Anfang zugleich ihr Ziel hat. Ganz gleich in welche Richtung wir den Zirkel schlagen, es ergeben sich auf diese Weise Kreisbögen – als Prozess einer graphischen Mundifikation (Weltwerdung im Sinne der Kreation). Zugleich ließe sich diese Art Schöpfungsvorgang auch als Säkularisation beschreiben. Mit dem Kunstbegriff der zu zu nennenden Christallisation soll zusätzlich verdeutlicht werden, dass es sinnvoll ist, verschiedene Zustände und Phasen (Aggregationszustände) im Lebensprozess der Kirche zu unterstellen, – feste und flüssige, den gasförmigen Zustand und den ionisierten (Plasma). Dabei beziehe ich mich auf die aristotelische Lehre von den vier causa. Es gibt nun im Verlauf des von Außen zu beobachtenden Durchgangs der Kraftflüsse in den genannten vier Feldern interessante Beobachtungen, die aber nie einzeln auf sich beschränkt bleiben dürfen, sondern immer im Zusammenhang mit dem Einen und Ganzen zu betrachten sind.

1. Quadrant – Die Manifestation könnte man zum Beispiel (wenn wir uns in das 16. und 17. Jahrhundert zurückversetzen wollen?) mit dem sichtbaren Reich der Mineralien vergleichen. Das ist die Kirche in ihrer bewährten und festen Art, eingegliedert ins Machtgefüge der Zeit. Das Papsttum – und später das Landeskirchentum der dagegen protestierenden Abweichler.
3. Quadrant – Der Quadrant der Reformation steht dem der Manifestation deshalb in unserer Graphik auch gegenüber. In der Reformation wird die feste Grundlage aufgeschmolzen, alles kommt in Fluss. Der flüssige Aggregatzustand. Revolution und Aufstand, Schwärmer und Rebellion, Täuferreich und Bildersturm, neue Bibelübersetzungen sind die Symptome.
2. Quadrant – Die Transmutation ihrerseits steht zwischen Manifestation und Reformation. Sie überführt die gärenden Zustände in den Bereich des gasförmigen Zustandes. Hier ist alles Geist und kann ohne Bindungen im Raum sich ausbreiten bis hin in die kleinsten Verästelungen des Realen. Der Philosoph, der sich vom Priester losgerissen hat, die Diskussionscircles der Salons. Und es erwachsen in kühnen Geistern, die dem Papst und dem Könige lachend abgeschworen haben, hier die Spiritualisten und dort die exakte Wissenschaft. Beide sind sich irgendwie spinnefeind – aber beide nehmen ein universal geltendes Weltgesetz zum Ausgangspunkt ihrer Werke innerhalb von Logen und Laboratorien. Das ist Transmutation.
4. Quadrant – Schließlich erschöpft sich der ewige Flug im haltlos Sphärischen und es geschieht eine Kristallisation an den Grenzen zum Nichts. Kristallisation ist wiederum dicht mit dem Reich des Manifesten Mineralischen verbunden, wie denn auch beider Quadranten benachbart sind. In der Kristallisation liegen die Partikel des Mineralischen als Ionen verbunden vor. Nun aber nicht mehr in trüber Modifikation, sondern im strahlenden Ionengitter, dem Christall. Die erneuerte Kirche, versprengt in tausend Splittern – invisible all over the world.
Summa – So ist die Reformation die Rückgängigmachung der Manifestation. Und die Manifestation ist das Erkalten der Reformation. Zugleich ist aber die Transmutation der Versuch, einen neuen Zustand zu erreichen, der zur Kristallisation führt. Und die Christallisation ist die Manifestation der Reformation mit den Mitteln der Transformation – auf diese Weise vollziehen sich die Mutation der Welt im Sinne der Kirchwerdung – und dieses als Werk des Heiligen Geistes.

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