… von dem sanften Sausen (1. Könige 19)

Wir glitten dicht am Ufer hin, die Fähre
entführte sacht uns beide und sodann
gelangten wir in jene andre Sphäre

und sichten einen sonderbaren Mann.
Erschöpft gelehnt an einem Holderbaume,
es sieht so aus, als ob er nicht mehr kann.

Inständig zupft ein Rabe ihm am Saume
des Reisemantels, reicht auch Brote dar.
Ein Engel Wasser bringt. Erwacht vom Traume

erhebt Elia sich – und ihm wird klar:
Sein Lebenszweck bestand bisher aus Suchen
nach der Idee, die ist und wird und war.

Doch muss er deshalb fremden Göttern fluchen
und morden der Isebel Priesterschaft?
Das wollte die ihm übel nun verbuchen

und jagt ihm nach zu setzen ihn in Haft.
Sie hetzen ihn mit Wut und wollen töten
Vernichtung gilt als große Meisterschaft.

Elias Blut soll nun den Rasen röten,
und darum schwebt der Mann in Angst und Nöten.

Was er da suchte, scheint zu ihm zu sprechen:
„Heraus Elia, warum bleibst du drin?
Du ließt des Baales Priesterschaft erstechen,

im Feuer branntest du sie alle hin.
Mit Zorn und große Kraft willst du besiegen?
Nun lerne heute, wer ich wirklich bin.

Bald macht sich auf von Karmels schroffen Stiegen
zum Horeb hin des Sturmwinds grimme Wucht.
Der HERR jedoch war nicht in diesem Kriegen.

Jetzt bebt die Erde noch, und Schlucht um Schlucht
reißt auf, um alles zu verschlingen.
Auch dort war nicht, was lange er gesucht.

Ein Feuer kam heran nach diesen Dingen:
Im Brande auch, in Asche nicht der HERR.
Doch nun erhob ein sanftes leises Singen

sich über alles andere – nicht mehr.
Da endlich wagt Elia sich nach draußen
und ahnt, dass Gott, der HERR im Stillen wär´.

Kaum wahrnehmbar wohnt Gott in sanftem Sausen –
kein Innen gibt es mehr getrennt vom Außen.