Demnächst

 

6. SONNTAG NACH TRINITATIS 23. JULI 2017
Wittenberg 10.00 Uhr Gottesdienst (Dr. Johannes Block)

7. SONNTAG NACH TRINITATIS 30. JULI 2017
Schwabeck 8.30 Uhr Gottesdienst (Ilse Wilhelm)
Marzahna 10.00 Uhr Gottesdienst (Ilse Wilhelm)

MITTWOCH 02. AUGUST 2017
Zahna 21.00 Uhr Taizéandacht

8. SONNTAG NACH TRINITATIS 06. AUGUST 2017
Wittenberg 10.00 Uhr Gottesdienst (Alexander Garth)

9. SONNTAG NACH TRINITATIS 13. AUGUST 2017
Klebitz 10.00 Uhr (Matthias Schollmeyer)
Tag des Heiligen Laurentius (Patron der Kirche in Klebitz)

Leetza 17.00 Uhr Kammerkonzert

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URLAUB 22. Juli bis 12. August 2017
Vertretung: Pfarrer Hans-Jakob Schröter aus Dobien
Tel: 03491 / 613866

der reformierte Kirchenkreis …

… kam mit Bildern von ROCCO PAGEL (Berlin) nach Wittenberg in´s Bugenhagenhaus. Das Abenteuer zwischen Netzhaut und Leinwand im Medium des Lichts – immer wieder täglich neu.

„Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, und die sei ein Unterschied zwischen den Wassern. Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah also. Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der andere Tag.“

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Impression einer Ausstellung (5. – 10. Juli 2017 in Wittenberg/Bugenhagensaal)

… von der Kreuzigung auf dem Berge (Mat. 27)

 

Dann breitet er die Arme aus. Sie schlagen
dem Fleisch des Gottes Eisennägel ein.
Sind Menschen das, die solche Taten wagen?

Der Sonnenball vermindert seinen Schein.
Mit Schwung zieht man das Kreuz am Seil nach oben,
ihr Lachen einigt sich mit seinem Schrei´n.

Die Breite ward der Höhe fest verwoben,
verhindernd, dass der Weltenrachen schließt.
Zugleich umarmt sind nun in weitem Bogen

das Leben mit dem Tod im Paradies.
Fest steht das Kreuz inmitten aller Welten
und der dran hängt, der hält es, wie du siehst.

Er will die Peiniger dafür nicht schelten,
und bittet seinen Vater um Erlass.
Und was er betet, das ist sonderselten:

„Vergib, sie wissen nichts. Drum tun sie das.“
Zwei Mörder, neben Christus hangend, sterben.
Der eine lästert ihn, groß ist sein Hass …

Der andre aber möchte für sich werben
und bittet drum, noch heut das Heil zu erben.

Christ ruft „Mich dürstet“. Seine Worte hallen.
Mit einem Schwamme fährt man ihm zum Mund.
Darin ist Essigtrank vermischt mit Gallen,

des Weinstocks Frucht hier draußen kam zuhund.
Der Meister nimmt den Sud und flüstert Psalmen.
„Mein Vater, sag: Was ist des Opfers Grund?

Noch gestern brachten sie nur Öl und Palmen,
doch heute mir zum Spott Aceticum.
Wie Ährenlast im Juli bricht den Halmen

das Haupt, so neig ich meins. Denn ist es um.“
Die Erde tat sich auf mit dumpfem Grollen,
und Mumien aus der Gruft ziehn mit Gebrumm,

zum Tempel hin. Ins Heiligste sie wollen,
weil dort der schwere Vorhang grad zerriss.
Im Schreine springen auf der Schriften Rollen,

der Hauptmann unterm Kreuze ahnet dies:
Er kniet am Fuß des Folterkreuzes nieder,
bekennt: „Und das war Gottes Sohn gewiss!“

Dem Dornenkranze rinnen glänzend nieder
smaragdne Tropfen auf geschlossne Lider.

… von dem Orte Golgatha

Dass er sich nie mehr von der Erde reiße,
erwählte Gott sich einen Ankerplatz.
Befahl dem Geist: „Mein Freund, du beiße

tief in den Fels dich ein, und werde Schatz!
Sollst ewig hier dich treu und mir verketten
als Zentrum meines alten Zifferblatts.

Schau jene Grenze dort im Violetten!
Fest steht der Wald mitsammen. Baum um Baum.
So ähnlich sollst du dich ins Ganze betten

als Riesenzeichen für des Weltalls Raum.
Da fand der Geist der eignen Flucht zur Hürde
den Anker für die Fahrt im süßen Traum.

Geschaffen ward des Kreuzes schwere Bürde:
Zwei Latten grob und schwer und ungeschlacht.
Und trotzdem war´s ein Zeichen voller Würde,

das steht und hält und festigt Tag und Nacht.
Wer aber soll des Kreuzes Anker zerren?
Wer hat die Kraft, wer übernimmt die Fracht!

Durch ihre Schar schleift es der Herr der Herren
so überwindend Tod- und Teufelssperren.

Wo Gottes eigner Fuß gestanden hatte,
als er emporschwang erster Namen Last,
als er nach oben stemmt des Himmels Platte,

zu schaffen eine Welt sich selbst zur Rast.
Und wo der Grundstein jenes Babelturmes,
wo Abraham den Sohn geopfert fast –

und wo sich birgt das Nest des Höllenwurmes
zum Hades leitend mit dem bittern Tod,
wo stand die Wiege des Gewittersturmes,

der Hiob klärt im Lande Uz die Not.
Wo Mose seinen Busch in Flammen schaute –
sich Steine klaubte für das Urephod,

wo Salomo den alten Tempel baute,
die Leiter lehnt, als Jakob schlief!
Wo sich das Weib zu Endor Tränke braute

und gurgelnd nach der Welt der Tiefe rief:
Da war ein Loch kaum achtzig Zentimeter,
den Stumpf zu fassen von dem Urstativ.

Als Anker schleppt der große Stellvertreter
das Kreuzvisier hierher für alle Beter.

… ging heut Morgen

Ging heut Morgen übers Feld,
Tau noch auf den Gräsern hing;
Sprach zu mir der lust’ge Fink:
„Ei du! Gelt? Guten Morgen! Ei gelt?
Du! Wird’s nicht eine schöne Welt?
Zink! Zink! Schön und flink!
Wie mir doch die Welt gefällt!“

Auch die Glockenblum‘ am Feld
Hat mir lustig, guter Ding‘,
Mit den Glöckchen, klinge, kling,
Ihren Morgengruß geschellt:
„Wird’s nicht eine schöne Welt?
Kling, kling! Schönes Ding!
Wie mir doch die Welt gefällt! Heia!“

Und da fing im Sonnenschein
Gleich die Welt zu funkeln an;
Alles Ton und Farbe gewann
Im Sonnenschein!
Blum‘ und Vogel, groß und Klein!
„Guten Tag,
ist’s nicht eine schöne Welt?
Ei du, gelt? Schöne Welt!“

(F. Rückert)

… auf Patmos (Offenbarung 21,1ff)

Ich griff beherzt nach jenem kleinen Buche,
das mir gereicht in meine offne Hand.
Und schlug es auf. Er sprach zu mir: „Versuche,

zu machen dich dem A und O verwandt.“
Es waren Rätselbilder zu entdecken,
wie fabelhaft erschien der ganze Band.

Die neue Erde leuchtete, kein Schrecken,
denn andre Himmel wölbten sich darob.
Ganz ausgeleert erschien des Meeres Becken

und überall erscholl Gesang und Lob.
Sacht senkte sich aus fernen Himmelsräumen
Jerusalem. Die goldne Stadt verwob

aus Wirklichkeit sich selbst mit meinen Träumen.
Sie kam daher wie unsres HERREN Braut,
geschmückt mit Blüten wie von Lebensbäumen.

Vom Thron her wurde eine Stimme laut:
„Gewiss! Hier glänzt nun Gottes Zelt den Seinen!“
Aus reinem Leinen, schaut, ist es erbaut.

Wer drinnen wohnt, zu Ende kam sein Weinen
Denn draußen weht´s wie Wunder in den Hainen.

Man forderte mich auf, daselbst zu bleiben.
Ich darf auf ewig sein in ihrer Schar.
Sie baten mich, ich solle für sie schreiben,

dass sei ein Gott, der ist und wird und war.
Er will die Tränen aus den Augen wischen
in Glück verwandeln Trauer, Not, Gefahr.

Schon saß ich nieder dort bei vollen Tischen.
Die Trübsal war vergangen – alles neu.
Ich blicke auf und merke, dass inzwischen

ein Lämmlein nahte. Mit Papier und Blei.
Zur Schreiberin des Zeltes ward erhoben,
ich Arme nun und freue mich dabei.

„Der Dürstende darf hier die Quelle loben.
Wer überwindet, schaut den wahren Gott,
die Schrecken vor der Ohnmacht sind zerstoben,

betrogen stürzte in den Tod der Tod.“
Der Engel nahm mich bei der Hand zu zeigen
das Christusweib, die Braut im Morgenrot.

Und als ich´s sah, erkannte ich in beiden:
Er meinte mich – mit allen meinen Leiden …

… von dem sanften Sausen (1. Könige 19)

Wir glitten dicht am Ufer hin, die Fähre
entführte sacht uns beide und sodann
gelangten wir in jene andre Sphäre

und sichten einen sonderbaren Mann.
Erschöpft gelehnt an einem Holderbaume,
es sieht so aus, als ob er nicht mehr kann.

Inständig zupft ein Rabe ihm am Saume
des Reisemantels, reicht auch Brote dar.
Ein Engel Wasser bringt. Erwacht vom Traume

erhebt Elia sich – und ihm wird klar:
Sein Lebenszweck bestand bisher aus Suchen
nach der Idee, die ist und wird und war.

Doch muss er deshalb fremden Göttern fluchen
und morden der Isebel Priesterschaft?
Das wollte die ihm übel nun verbuchen

und jagt ihm nach zu setzen ihn in Haft.
Sie hetzen ihn mit Wut und wollen töten
Vernichtung gilt als große Meisterschaft.

Elias Blut soll nun den Rasen röten,
und darum schwebt der Mann in Angst und Nöten.

Was er da suchte, scheint zu ihm zu sprechen:
„Heraus Elia, warum bleibst du drin?
Du ließt des Baales Priesterschaft erstechen,

im Feuer branntest du sie alle hin.
Mit Zorn und große Kraft willst du besiegen?
Nun lerne heute, wer ich wirklich bin.

Bald macht sich auf von Karmels schroffen Stiegen
zum Horeb hin des Sturmwinds grimme Wucht.
Der HERR jedoch war nicht in diesem Kriegen.

Jetzt bebt die Erde noch, und Schlucht um Schlucht
reißt auf, um alles zu verschlingen.
Auch dort war nicht, was lange er gesucht.

Ein Feuer kam heran nach diesen Dingen:
Im Brande auch, in Asche nicht der HERR.
Doch nun erhob ein sanftes leises Singen

sich über alles andere – nicht mehr.
Da endlich wagt Elia sich nach draußen
und ahnt, dass Gott, der HERR im Stillen wär´.

Kaum wahrnehmbar wohnt Gott in sanftem Sausen –
kein Innen gibt es mehr getrennt vom Außen.

Jesus und die Ehebrecherin (Johannes 8)

Und als er lehrte in dem Heiligtume
da ward geschleppt vor ihn ein junges Weib.
Sehr schön war die, gleich einer Dotterblume,

doch hart gefesselt hatte man den Leib.
„Wir konnten sie beim Ehebruch erfassen.
Gesteinigt muss sie sein zum Schuldvertreib!

So hat uns Mose immer machen lassen.
Was sagst denn, Jesus, zu der Strafe du?“
Er spürt der Menge abgrundtiefes Hassen,

als Meister schweigt er und sagt nichts dazu.
Er nimmt sich Zeit, studiert die frechen Fressen,
und lässt sich nieder dann in Seelenruh.

Sie selber alle hätten gern besessen
das Weib für sich und sind erfüllt von Neid.
Der Meister sitzt, sie stehen unterdessen,

und in der Mitte kauert die im Kleid.
Da nimmt der Herr in seine heilgen Hände,
ob wohl ein Weg sich fände aus dem Leid,

ein Zweiglein, das vom Baume fiel als Spende,
und malte Zeichen dort in das Gesände.

„Was schmiert er hier, wo wir doch wissen müssen,
ob man zu Tode werfe sie noch diesen Tag?
Wo gibts denn so was, fremde Männer küssen!

Nun, großer Meister, rede du und sag,
wie wär in diesem Falle zu verfahren?“
Sie schreien laut und holen aus zum Schlag.

Er überschaut der blinden Eifrer Scharen
und spricht: „So hebe auf den ersten Stein,
wer schuldlos blieb bisher in seinen Jahren.“

Dann kniet er nieder dort im Sonnenschein
und zeichnet wieder in dem Staub des Sandes.
Die Schriftgelehrten aber schlichen heim.

Der HERR dem Weib, als jene außer Landes:
„Hat keiner einen Stein geworfen, Frau?“
„Wir sind“ meint die „des gleichen Sündenstandes!“

Und er zu ihr: „Du sagst es ganz genau!
Sie schlichen fort. Ich will dich auch nicht strafen.
Nun sündige hinfort nicht mehr. Doch schau,

was mit dem Zweig durch meine Hand geschehen.
Im Staub ein Bild, wer könnte es verwehen …“

die Lehre von der Leere – Finden und Erfinden

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(Taufschale in Bülzig / die zwei Kundschafter aus 4.Mose 13)

Das alte Bundesvolk führt im Schatze seiner vielen Geschichten, in denen allen vom kommenden Heil erzählt wird, einen sonderlichen Bericht zwölf Kundschafter betreffend, welche ausgesendet worden waren, das verheißene Land zu erforschen.
Wollten wir Heutigen nun selber sagen, was das für ein Land sein müsste, damit auch wir dasselbe für Wert hielten, Worte darüber zu verlieren, würden wir sofort einwerfen, es möge jenes Land sein, wo auch der Tod besiegt worden sein wird, dieser ärgste Feind all derer, die irgendwann einmal das Geschenk des Lebens empfangen haben, denen es aber durch den Tod wieder geraubt werden wird.

Nun wurden also, so geht die Sage, zwölf Kundschafter ausgeschickt. Zehn von ihnen kehrten bald zurück, und beklagten das, was sie gesehen hatten. Obwohl ihre Augen die Pracht kaum aushielten, ihren Ohren der Singsang ganz neuer Töne geschenkt wurde und ihre Gaumen völlig unbekannte Speisen und Spezereien kosten durften, lehnten sie die neue Welt ab und berichteten von ihr auf eine Weise, die den Zuhörenden Furcht und Schrecken einjagte, so dass sie sich solchen Berichts wegen nicht mehr getrauten, selber nach dem Lande aufzubrechen und zu ihm unterwegs zu sein.
Warum gaben sie solcher Art Bericht ab? Warum lassen sich auch die Wächter am Grabe Christi zu sagen verführen, der Leichnam des Auferstandenen sei von seinen Jüngern gestohlen worden? Ist es nur die Macht der Münzen, mit denen man sie bestochen hatte? Das sei ferne! Manche beantworten diese Frage, indem sie sagten, jene Kundschafter und Wächter schämten sich, so wie Adam und Eva sich beschämten, als sie gewahr wurden, wie lange sie nackt im Garten gespielt hatten. Andere wiederum meinen, sie gönnten ihren Gefährten die Freuden dieses Landes nicht, weil sie dachten, seine Herrlichkeit reiche nicht für alle aus. Wer will es wissen?

Was aber ist aus den beiden übrigen Kundschaftern geworden? Diese zwei Abenteurer kehrten gar nicht zurück, sondern erst nach langer Zeit ließen sie wieder etwas von sich hören, und erst, als man nach ihnen geforscht hatte. Es stellte sich dann aber heraus, dass die zwei gar nicht in dem bezeichneten Lande gewesen, sondern zu Hause geblieben waren. In ihrer Phantasie aber erfanden sie das Land; im Geiste sahen sie das, was es noch gar nicht gab. So fanden sie etwas, indem sie es erfanden. Denn, Geliebte im Herrn, ein Mensch kann nur das erfinden, was er zuvor gefunden hat. Und das Gefundene muss auffindbar gewesen sein, weil es sonst nicht hätte gefunden werden können. Über diese ihre Erfindungen gaben sie nun freiwillig und treuherzig Bericht. Nicht hatten sie etwas wirklich gesehen, so etwa, wie ihr den Rauch dort hinten am Gangesstrom seht, wo die Brahmanen die Leichname ihrer gestorbenen Brüder bekanntlich von Feuer verzehren lassen, sondern es hatte sich ihnen dauerhaft eingezeichnet, der Art gleich, wie ihr die Schatten der Grabeswächter in Jerusalem ja auch noch betrachten könnt, denn die Flamme des Engels, als dieser mit einem Blitz herabkam und jenen Stein wegwälzte, auf dem die erschrockenen Gestalten der Soldaten jäh abgeblendet worden waren – indem sie sich nämlich in die Netzhaut des Steines eingebrannt hatten, – genauso war den beiden Kundschaftern ihre Erfindung nunmehr unvergesslich geworden, hatte das Geschehene verewigt. Nichts mussten sie sofort sehen, sondern alles durften sie neu erfinden, denn das Gefundene wollte sich von ihrer Phantasie finden lassen.
Da saßen sie nun und kleideten alles in Bilder ein, denn was wir erkennen, will nicht nackt bleiben, sondern würdevoll in ein Größeres eingefügt werden. Und so erdachten sie also diese wunderbare Weintraube, welche man nur zu zweit tragen kann. Manche nun schenkten dieser Erzählung Glauben und sind deshalb unterwegs, hin zu dem Land ohne Tod. Das sind die Erfindenden und die Findenden, die alles aufspüren, was es gibt oder einmal geben könnte. Es sind die, welche zu suchen versuchen.
Jene zehn anderen aber, wo sind sie geblieben? Ihre Namen sind vergessen und keiner erinnert sich an ihren Weg.

Geliebte im Herrn! Die Geschichte vom leeren Grab ist erfunden worden, weil sie aufgefunden werden wollte. Wir finden uns in dieser Höhle alle von Zeit zu Zeit immer wieder ein, um die Schatten zu bewundern, die der Blitz des Engels auf der Netzhaut hinterließ. Schwankende und niederstürzende Wächter des Todes. Und diesen Befund tragen wir heute von dannen, wie eine große Traube, aus welcher die Hoffnung aller lebendigen Wesen gekeltert werden wird. Keiner kann uns diese Frucht rauben, denn wir haben von ihr gehört.

(Gregorius Thaumaturgos Sermone XIII, 4)

… noli me tangere (Johannes 20)

Zum Grab schlich sich Maria früh in Trauer,
am Horizont ging auf das Morgenrot.
Der Wind weht kühl und macht ihr tausend Schauer,

denn Jesus, den sie liebte, starb am Tod.
Drei Tage ist es her, dass sie ihn schlugen
ans Kreuz. Und beide litten große Not.

Am Freitagabend kamen welche. Trugen
den kalten Leichnam fort in einem Tuch,
nachdem sie ihn vom harten Holze huben,

nun ist sie heute hier wie auf Besuch …
Zum Grab hinab! Hinein, um ihn zu sehen,
zur alten Erde. Adams Ort verflucht.

Der Schreck ist groß. Es reißt wie wilde Wehen,
der, den sie liebte, er ist nicht mehr hier!
Wer stahl ihn fort? Sie kann es nicht verstehen.

Erstarrt steht sie, die Hand am Elixier.
Und wieder aus dem Grab empor geklommen,
hockt sie am Eingang wie ein scheues Tier.

Durch Tränen sieht sie, wie Gestalten kommen,
verschwommen nur hat sie es wahrgenommen.

Das ist der HERR, doch bleibt es noch verborgen.
Sie denkt sich wohl, dass der ein Gärtner wär …
Und sieht und sieht ihn nicht vor lauter Sorgen.

Im Wahne dichtet sich das Hirn die Mär:
„Wenn du ihn fort nahmst, sage mir die Stelle –
dann hole ich ihn wieder ungefähr.“

Da ruft er sie von seines Grabes Schwelle
Den Namen sagt er der aus Magdala.
Ihr Name hebt sie an wie eine Welle

und greift nach ihr. Und nun, weil sie ihn sah,
ruft sie erlöst: „Rabbuni, lass dich rühren!“
Wie dicht rückt hier das Weib dem Gotte nah.

„Du willst das Unbegreifbare berühren?
Dich ihm vereinigen mit holdem Tanz?
Weißt du denn auch, wohin dich das wird führen?

Vollende erst dein Erdenleben ganz.
Du darfst mit deiner Hand, der schönen blassen,
erst später greifen in der Sterne Glanz.“

So schieden beide denn an dieser Straßen,
auch ohne ihre Leiber zu umfassen.

Manifestation, Reformation, Transmutation, Christallisation

Der Gesamtprozess der internen Kraftflüsse, welche man der Kirche zusprechen könnte, lässt sich recht einfach mit vier Begriffen beschreiben. Sie lauten: Manifestation, Reformation, Transmutation und Christallisation. Im Folgenden soll das hinter diesen Begriffen stehende System kurz erläutert werden.Keiner der Begriff ist zu vernachlässigen, ein jeder ist nicht weniger wichtig als die anderen. Alle vier sind einander wie Quadranten eines Kreises zugeordnet, in dessen Mitte dadurch das Kreuz entsteht. 


Umkreisen wir die Außenlinie des Kreuzkreises, so entsteht eine Bewegung, die im Anfang zugleich ihr Ziel hat. Ganz gleich in welche Richtung wir den Zirkel schlagen, es ergeben sich auf diese Weise Kreisbögen – als Prozess einer graphischen Mundifikation (Weltwerdung im Sinne der Kreation). Zugleich ließe sich diese Art Schöpfungsvorgang auch als Säkularisation beschreiben. Mit dem Kunstbegriff der zu zu nennenden Christallisation soll zusätzlich verdeutlicht werden, dass es sinnvoll ist, verschiedene Zustände und Phasen (Aggregationszustände) im Lebensprozess der Kirche zu unterstellen, – feste und flüssige, den gasförmigen Zustand und den ionisierten (Plasma). Dabei beziehe ich mich auf die aristotelische Lehre von den vier causa. Es gibt nun im Verlauf des von Außen zu beobachtenden Durchgangs der Kraftflüsse in den genannten vier Feldern interessante Beobachtungen, die aber nie einzeln auf sich beschränkt bleiben dürfen, sondern immer im Zusammenhang mit dem Einen und Ganzen zu betrachten sind.

1. Quadrant – Die Manifestation könnte man zum Beispiel (wenn wir uns in das 16. und 17. Jahrhundert zurückversetzen wollen?) mit dem sichtbaren Reich der Mineralien vergleichen. Das ist die Kirche in ihrer bewährten und festen Art, eingegliedert ins Machtgefüge der Zeit. Das Papsttum – und später das Landeskirchentum der dagegen protestierenden Abweichler.
3. Quadrant – Der Quadrant der Reformation steht dem der Manifestation deshalb in unserer Graphik auch gegenüber. In der Reformation wird die feste Grundlage aufgeschmolzen, alles kommt in Fluss. Der flüssige Aggregatzustand. Revolution und Aufstand, Schwärmer und Rebellion, Täuferreich und Bildersturm, neue Bibelübersetzungen sind die Symptome.
2. Quadrant – Die Transmutation ihrerseits steht zwischen Manifestation und Reformation. Sie überführt die gärenden Zustände in den Bereich des gasförmigen Zustandes. Hier ist alles Geist und kann ohne Bindungen im Raum sich ausbreiten bis hin in die kleinsten Verästelungen des Realen. Der Philosoph, der sich vom Priester losgerissen hat, die Diskussionscircles der Salons. Und es erwachsen in kühnen Geistern, die dem Papst und dem Könige lachend abgeschworen haben, hier die Spiritualisten und dort die exakte Wissenschaft. Beide sind sich irgendwie spinnefeind – aber beide nehmen ein universal geltendes Weltgesetz zum Ausgangspunkt ihrer Werke innerhalb von Logen und Laboratorien. Das ist Transmutation.
4. Quadrant – Schließlich erschöpft sich der ewige Flug im haltlos Sphärischen und es geschieht eine Kristallisation an den Grenzen zum Nichts. Kristallisation ist wiederum dicht mit dem Reich des Manifesten Mineralischen verbunden, wie denn auch beider Quadranten benachbart sind. In der Kristallisation liegen die Partikel des Mineralischen als Ionen verbunden vor. Nun aber nicht mehr in trüber Modifikation, sondern im strahlenden Ionengitter, dem Christall. Die erneuerte Kirche, versprengt in tausend Splittern – invisible all over the world.
Summa – So ist die Reformation die Rückgängigmachung der Manifestation. Und die Manifestation ist das Erkalten der Reformation. Zugleich ist aber die Transmutation der Versuch, einen neuen Zustand zu erreichen, der zur Kristallisation führt. Und die Christallisation ist die Manifestation der Reformation mit den Mitteln der Transformation – auf diese Weise vollziehen sich die Mutation der Welt im Sinne der Kirchwerdung – und dieses als Werk des Heiligen Geistes.

Ostern – immer wieder neu …

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Der Auferstandene bahnt sich seinen Weg durch die am Boden verstreut umherliegenden Waffen der besinnungslos gewordenen Wächter. Es kam einiges zusammen. AR15 und M16, Glocks aller Kaliber und ein paar undefinierbare Gegenstände, was die Leute eben alles so haben. Es tat ihm ein bisschen leid, dass er als Auferstandener sie zu Tode erschreckt hatte. Das war eigentlich nicht sein Stil. Aber Resurrectio ist eben ein besonderer Akt – und die Extremisten jedweder Art, Linke und Rechte, sind enorm schreckhaft. Das ist bekannt …

Die Sonne war fast am Aufgehen und er rief den Engel aus dem Stein, der auch sofort heraustrat und ihn anlächelte. Es hatte lange gedauert, ihm den etwas antiquiert anmutenden Spruch „Was befiehlt mein Gebieter?“ abzugewöhnen. Aber Zeit spielte ja keine Rolle mehr, seit die Ewigkeit angebrochen ist. Was war nun zu tun? Der neue Leib jedenfalls fühlte sich gut an, man konnte damit feste Gegenstände durchdringen, es gab dann jedesmal einen sanften Widerstand. Irgendwas mit autointelligenter  Quantenfluktuation wird das wohl sein … Es fühlte sich so an, wie es ist, wenn man früher mit den Zwölfen bis zur Hüfte am Ufer des Genezareth im Wasser gelaufen war, – aus reiner Freude am Leben. Die Wunden waren noch da, aber bluteten nicht mehr. Es hatte sich am Wundrand so eine Art Perinäum gebildet, kein harter Schorf. Die Haut war jedoch sehr empfindlich. Man musste halt noch ein bisschen vorsichtig sein.

Die Dinge, die vorgestern (komisches Wort, da es nun keine Zeit mehr gab) noch geredet hatten, blieben jetzt weite Strecken schweigsam. Aber alles, was Ding war, verströmte irgendwie eine große Grundsympathie. Es hatte eben zu nieseln begonnen und ein Regenbogen war am Himmel schon zu ahnen. Denn jetzt ging die Sonne tatsächlich auf und der Auferstandene hörte das eiserne Pförtchen sich in den Angeln drehen – da waren sie. Genauso wie er es eben geträumt hatte, als er noch tot war. Die Frauen mit den Salbenbüchsen nahten sich.

Unter den Schleiern sah man verheulte Gesichter. Der Auferstandene nahm sofort die Gestalt eines an Engel erinnernden Jünglings an, kehrte rasch ins Grab zurück und setzte sich mit dem richtigen Engel auf den steinernen Grabkasten. Die Waffen wurden durch einen kurzen Blick in alles Mögliche verwandelt – meistens in Blumen oder Zweige. Nur die Heckler&Koch sträubte sich ein wenig, nahm dann aber doch Aststückchengestalt an. Dann waren die Frauen heran – und natürlich entsetzt.

Der Tote war verschwunden und dafür saßen quicklebendig zwei knabenhafte Jünglinge auf dem Steintrog. Der Auferstandene verstellte seine Stimme ein wenig in´s Predigthafte und redete begütigend auf die Frauen ein, während diese vor Furcht und Zittern fast in Ohnmacht fielen. Und das hätte gerade noch gefehlt …

„Fürchtet euch nicht. Er ist nicht hier. Er ist auferstanden und geht euch nach Galiläa voran. Erzählt es den anderen.“ Weit aufgerissene Augen. Aufgerissene Münder. Er muss es wiederholen: „Fürchtet euch nicht. Er ist nicht hier. Er ist auferstanden und geht euch nach Galiläa voran. Erzählt es den anderen.“ Sie sagen immer noch nichts, aber er spürt, dass sie fragen wollen, ob sie Engel wären? Er will es nicht kompliziert machen – und wiegt seinen Kopf, was beides bedeuten kann. Auf jeden Fall deuten die beiden Frauen die Bewegung als „Ja“, denn die Angst weicht etwas aus ihren Gesichtern. Nun fallen sie zu Boden, und er – das heißt eigentlich sie beide helfen ihnen wieder auf. Und dann können sie schon nicht mehr gesehen werden, denn ER hat die Gestalt frischer Morgenluft und goldenen Lichtglanzes angenommen, die nun die Grabeshöhle ausfüllen, und der Engel ist in den Stein zurückgetreten. Die Frauen sprechen bei alledem keine einziges Wort. Sie stürzen auf und davon. Ach, – diese Menschen.

Magdalena war nicht dabei? Sonderbar. Da merkt er, wie seine Gestalt wieder Formen annimmt und sichtbar wird für die Augen der Kreatur. Ein Vogel hat ihn bereits entdeckt, schüttelt in die Richtung des Auferstandenen buntes Gefieder und stimmt die Dur-Tonleitern an. Und da schreitet er aus dem Grab wieder hinaus, so wie Lazarus es ihm vorgemacht hatte – erfreut sich gleich an den Rhododendren. Ja – das ist hier so eine Art Friedhof, die Leute haben Blumen gepflanzt und alles schön geharkt. Das Passafest ist noch nicht vorüber – und jetzt kommt doch noch jemand angerannt? Das ist sie. Seine Magdalena. Allein. Er stellt sich abseits zu einem Häuschen, wo sie diese und jene Geräte verstauen und guckt, was nun wird. Die Frau betritt das Grab und kommt nach einer halben Minute unschlüssig hinaus und weint. Sie hat den Toten gesucht – und nicht gefunden. Aber jetzt sieht sie ihn plötzlich – und spricht ihn an. Mutig war sie schon immer, diese Magdalena. Aber die Erinnerungen an die schrecklichen letzten Tage bewirken, dass sie ihn nicht erkennt, obwohl sie mit ihm spricht. Das Hirn reimt sich ja immer irgendwas zusammen – und so denkt sie, dass er der Grünflächenverantwortliche sein muss. „Haben Sie ihn weggetragen, meinen Liebsten? Dann sagen Sie mir doch wo er liegt. Dass ich ihn noch einmal sehen kann.“

Jetzt also auch noch Sie … Deshalb sagt er (schon ein bisschen vorwurfsvoll): „Aber Maria!“ Und sie erkennt ihn!!! Wie er den Namen sagt, so kann ihn keiner sonst sagen. Sie stürzt auf ihn zu – und durch ihn hindurch. Sie kann ihn nicht haben, kann nicht seine Füße umfassen, und er kann sie nicht halten. Denn er ist zwar wirklich und kein Phantasma, aber sein Körper ist anders, er ist aus Licht und aus Geist. So ist das Ganze für Maria Magdalena zwar ein frohes Wiedersehen, aber zugleich auch ein trauriges. Sie kann ihn nicht haben, denn er ist auferstanden. Sie tut ihm leid, weil sie nun wieder weint. Er sieht ihre Haut an. Wie ist sie in diesen drei Tagen um Jahre gealtert! Er sieht die Falten, die Zähne. Die zitternden Finger mit dem Schmutz des Karfreitags noch unter den Nägeln, als sie sich abwechselnd die Haare raufte und die Erde damit durchgrub – vor Verzweiflung. Und obwohl es ihn schmerzt das zu sagen, sagt er jetzt die berühmten Worte: „Versuche nicht, mich zu berühren, denn du kannst es nicht mehr. Und bin noch nicht aufgefahren zu unserem Schöpfer. Du wirst hier bleiben. Aber berichte meinen Brüdern von unserer Begegnung. Auf diese Weise kannst du mich dann doch haben, – wenn du von heute erzählst!“ Und dann schiebt er sie sachte auf den Weg, den sie gehen muss. Berühren aber geht nicht. So lenkt er sie mit einem Lächeln seiner Augen. Und sie folgt ihm, indem sie geht – zurück in die Stadt.

Als er wieder allein im Garten ist, nimmt er sich vor, seinen Jüngern zu verbieten, von der Auferstehung genauer zu berichten. Das würde dann doch die ganze Welt durcheinander bringen. Man musste noch ein bisschen vorsichtig sein mit dieser Botschaft. Nur Anzeichen soll man geben, das reicht ja aus. Und ja keine Beweise vom ewigen Leben. Das wäre tödlich für den Glauben. Und ohne Glauben gibt es keine Auferstehung.

von Matthias Schollmeyer (Pfarrer in Zahna)
 

… es ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht auf das, was nicht ist … (Hebräer 11)

 

Die Engel aber schritten nach dem Beten
zu einem Tisch, drauf stand ein großer Krug.
Ich ward gerufen an den Tisch zu treten,

und hörte jedes Wort, das man uns frug.
In das Gefäß griff nun beherzt ein jeder
und holt hervor ein Los mit raschem Zug.

Beschrieben war das Los mit blauer Feder,
für jeden Engel eine Frage stand.
Man las sie laut und deutlich vom Katheder,

und ließ sie wandern dann von Hand zu Hand.
Mein Engel kam als Nächster an die Reihe,
und löste seines Loses festes Band.

Dass er den Spruch aus hartem Rund befreie,
rollt er den Zettel auf, sein Mund liest vor:
„QUID FIDES SIT“. Was Glaube ist … ich leihe

der Antwort auf die Frage wach mein Ohr.
Von seinem Platze aus mit langem Stabe
zeigt jemand auf ein Bild. Das dünne Rohr

weist in die Leere einer goldnen Wabe
und der sie hielt – was für ein schöner Knabe!

Weil Gott aus Nichts das weite All erdachte,
kann sich der Glaube halten nur am Schein.
Im klaren Nichts, da waltet heimlich sachte

ein Etwas, selber gänzlich ohne Sein.
„Nicht mehr“ und auch „Noch nicht“. Aus diesen beiden
schuf Gott sich seines Weltalls edlen Schrein.

Wer könnte zwischen beidem unterscheiden?
Der Glaube schon! Er nimmt das Rätselbild.
Und glaubt das Glück, trotz vorerst sieht nur Leiden

und Zweifel er, die zausen ihn wie wild.
Es blieben meistens unsichtbare Dinge,
doch Glaubende, sie sehn, was noch nicht gilt.

Zum Zweck, dass aus Nichts sich Etwas schwinge,
wirft tief im Herzen sich der Glaube auf –
er fleht so heiß, dass es einmal gelinge,

und damit nimmt die Sache ihren Lauf.
Obwohl real noch gar nichts ist zu schauen:
Die Hoffnung tätigt glaubend schon den Kauf.

Die Bienen stets an leeren Waben bauen,
gleichzeitig aber schon den Nektar kauen.

der Friede Gottes ist größer als alle Vernunft (Philipperbrief 4)

„Noch einmal, Freunde, eh ich weiterreise,
von Bord aus reiche ich euch jetzt die Hand.“
Wir küssten weinend ihm nach alter Weise

den Ring und segneten der Freundschaft Band.
Wie lange winkte Paulus, den wir ehrten,
vom Meer uns zu, bis dass sein Boot entschwand.

Er kam zu uns mit wenigen Gefährten.
Wir lauschten gerne seinem klugen Wort.
Er lehrte uns den Weg aus dem Verkehrten

und stärkte unsern Glauben immerfort.
Jerusalem, den Tempel zu besuchen,
ließ er Philippi sein und uns am Ort.

Die Frauen brachten noch zum Abschied Kuchen,
wir Männer taten so, als ob nichts wär …
trotz Wehmut wollte niemand grimmig fluchen,

doch wahrlich, dieser Abschied fiel uns schwer …
Er hatte uns gefangen mit Gedanken.
Und den sie alle liebten, das war er.

Nun aber galt für uns, nur nicht zu wanken!
Wir in der Stadt, er draußen auf den Planken …

„Freut euch. Freut euch. Und abermals. Ich sage,
trotz Schlägen, Folter und trotz Zwangsarbeit.
Bedenklich kann zwar sein des Menschen Lage,

doch ist der Christ von aller Last befreit.
Herr, weise mir den Weg, dass ich ihn gehe –
und wandle für die Wahrheit stets bereit.

Erhalt mein Herz bei dir – was auch geschehe,
in Ehrfurcht deinem Namen zugetan.
Und wenn ich es auch niemals ganz verstehe,

es wirft mich keine Macht aus deiner Bahn.
Denn immer höher waltet Gottes Frieden,
als je Vernunft sich selber trösten kann.

Bewahrt bleib Herz und Sinn bei ihm hienieden,
in Christus Jesus, das ist Gottes Sohn.“
So predigte, der nun von uns geschieden,

und auf den Wogen machte sich davon.
Doch immer, wenn des Meeres Wellen rühren
am Horizont bis an die Wolken schon,

erinnern wir in dieser Art Verführen
den, der uns öffnete mit Briefen Türen.

Christus erlöst die Götter

Das Leipziger „Museum für bildende Künste“ hat in mehreren Jahren und mit viel Geld Max Klingers Gemälde „Christus im Olymp“ restauriert. Seit dem 18.Dezember 2008 kann man nun endlich wieder betrachten, wie der mit einem goldenen Gewand bekleidete Christus den Olymp (Wohnsitz der alten Götter) besucht. Vier bekleidete schön und ernst blickende Frauen (die Kardinaltugenden) tragen ihm das Kreuz nach – das Kreuz als Zeichen eines durch Schicksal bezwungenen Leidens. Die Furien fliehen, die antiken Göttinnen Athene, Artemis und Aphrodite gehen nackt in den Hintergrund. Zeus (der Göttervater) scheint in den steinernen Thron zurückweichen zu wollen. Die ganze Gesellschaft scheint nicht wirklich erfreut zu sein – über den bekleideten Gast.

Nur eine einzige Gestalt scheint von der Gegenwart Christi zu profitieren: Psyche, die nackte Seele. Klinger hat sie so gemalt, wie es ihr oft ums Herz ist. Sie wirft sich nieder und fleht um Befreiung von der verfluchten Bindung. Eros alias Cupido alias Amor, dem sie ihr Leben weihen mußte. Ein blaues Band (wunderschön von Klinger in der Farbe getroffen) verbindet nicht nur, sondern fesselt die Seele an ihn – „Befreie mich“!

Christus kommt also zu den Göttern und befreit dort die Seele von ihren göttlichen Fesseln. Spätestens seit diesem Monumentalgemälde, dass als Dauerleihgabe aus dem katholischen Wien bei uns im sächsischen Leipzig zu sehen ist, hat sich die törichte Rede von den „religiös gebundenen Christen“ als Gedankenlosigkeit überlebt. Da ist ja niemand gebunden. Im Gegenteil: Die Gegenwart Christi befreit von Fesseln – besonders von den religiösen.

Ein anderes großartiges Bild ist, wie nun auch der Olymp seinerseits zu Christus kam. Und zwar in den Stall seiner Geburt. Von den alten Planetengöttern geleitet, die auf Klingers Altargemälde zu sehen sind, kommen mehrere astrologisch ambitionierte „Könige“ aus dem Kompetenzzentrum der Sternenmagie zu dem Jesusknaben. Und so kommen auch sie mit ihrer Seele von allen alten Bindungen los. Sie lassen Gold, Weihrauch und Myrrhe zurück. Die drei Weisen neigen sich vor dem nackten Gotteskind. Die beiden Szenen korrespondieren miteinander. Die Götter im Stall / Christus im Olymp.

„Ihr habt mich damals doch besuchen lassen, als ich geboren ward! Nun komme ich selber zu euch, da ich erwachsen bin, euch zu erlösen – wenn ihr es wollt!“ Es ist sehr anrührend, wie die alte Welt des suchenden Heidentums von Christus gefunden und dadurch gewürdigt wird. Und wie die greisen magischen Könige im Stall einer jüdischen Herberge ihre imaginäre Welt des Schönen wirklich realisiert finden – und den Schein stehen lassen. Ganz ohne Zwang, nicht durch einen Tag des Zorns, nicht durch List. Der Anblick des nackten Lebens bedeutet ihnen mehr als Macht (Gold), Priesterlichkeit (Weihrauch) und Heilkunst (Myrrhe). Sie werden von den Begierden nach großer Bedeutung frei. Ihre Seele löst die blaue Fessel. Und sie kehren nach dem Besuch anders wieder zurück. Das ist das Thema der Epiphanias-Zeit. Das Göttliche erscheint – und befreit von falschen Bindungen an Fesseln. Und es führt in die Passionen. 

von Abraham und Isaak, dem HERRN, von Gott und dem Versucher

Geliebte in dem Herrn, die Schrift mutet uns mit der Geschichte von Abraham und seinem Sohn Isaak etwas zu, was Eltern nur mit allergrößtem Zittern und Beben zu buchstabieren vermögen. Noch zumal, wenn sie diese Geschichte ihren lauschenden Kindlein vorlesen, fällt es besonders schwer und wird kaum unmöglich sein, ohne Tränen in den Augen und Schluchzen der Stimme bis zu jener Stelle vorzudringen, wo der Knabe Isaak seinen Vater nach dem Aufenthalt des Opfertier fragt, das er nicht sehen kann – aber selber sein soll …

Eine schlimme Geschichte? Ja und Nein. Denn es sind schon Generationen von Geschlechtern an dieser Geschichte nicht gescheitert, sondern im Gegenteil innerlich gewachsen und es hat sich der Begriff von dem Gotte der Juden und Christen recht eigentlich nur vermittels dieses unerhörten Berichts vom Berge Moria erst entwickeln können. Entfalten können bis hin zu jenen Höhen, auf deren Gipfeln der Begriff nun angekommen ist und hier auch seitdem hat verbleiben dürfen. Denn Petrus und die Donnersöhne durften damals auf Tabor keine Hütten errichten. Aber der kirchlichen Lehre, wo dieselbe von dem Gotte der wirklich Erlösten handelt, wurde gestattet, in den lichten Wolken knapp unter der Feste des Himmels ein ewigliches Zelt aufzuschlagen. Und von hieraus überschaut unsere Kirche seitdem die Fläche des gesamten Erdkreises und alle Theorien von Gott, Göttern und dem Höchsten, Wahren, dem Schönen und Guten.

Wir nun nahen uns von Zeit zu Zeit dieser bescheiden aussehenden Hütte, die doch aber den Palast des Sinns des Sinnes überhaupt darstellt – und wir knien gern vor und manches Mal auch zitternd in dem Zelte. Von hierher empfangen wir, nachdem uns Wissen und Kenntnis zugekommen ist, den Trost und Zuversicht, die aus dem Verständnis der heiligen Schriftdinge sich von selbst ableiten.

Richten wir nun aber unsere Aufmerksamkeit auf den Text jener unsäglichen Geschichte, die am Anfang so grausam anmutet, am Ziel jedoch ein gutes Ende hat, über das man sogar lachen kann, wie es ja auch der Bedeutung des namens Isaak voll und ganz zukommt. Gott, so heißt es da, hätte dem Abraham den Auftrag gegeben, seinen Sohn Isaak zu opfern. Wie gut, dass an dieser Stelle der Griffel nicht den Namen des HERRN als Auftraggeber verzeichnet, sondern den Namen der Elohim niederschreiben musste. Warum sage ich das, Geliebte in dem HERRN?Elohim ist ganz ohne Frage einer der großen Würdenamen, welcher Unendliches meint und Edles bezeichnet. Aber diesem Namen haftet doch auch das Schillern und Gleisnerische der Schlange an, jener nackten und deshalb listigen Kreatur, die der wirkliche und einzige Gott (den wir lieber den HERRN nennen wollen) kurz vor dem Menschen am sechsten Tage noch erschuf, so wie jedes Rad eine Nabe braucht, um die es kreist und jeder Brunnen ein tiefes Loch, in den der Eimer fällt, um das köstliche Nass emporzuschaffen. Der Text von den Opferung Isaaks und Abrahams kennt freilich auch das Tetragrammaton. Ganz am Schluss der Geschichte hören wir, wie der HERR Abraham dafür belobigt, dass er diesem schrecklichen Irrtum habe verfallen können. Der Irrtum war der, er, der HERR, könne tatsächlich das Liebste zu opfern fordern.

Was war geschehen? Antwort, Teuerste, will ich euch jetzt geben: Ihn, den HERRN, können wir Sterblichen nicht als den erkennen, der er ist. Wir vermögen allenfalls seiner Herrlichkeit hinterher zu blicken. Das bedeutet, um Gott als den HERRN zu erkennen, muss Gott uns selber als der HERR zu Hilfe kommen. So schickt er seinen Engel und lässt ihn zu Abraham sprechen. Dieser Engel ist nicht der Engel Gottes, sondern er ist der Engel des HERRN, der dem verzweifelten Vater in den Arm fällt. Und es war auch nicht der HERR aller Engel, der Abraham aufforderte, seinen Sohn zu schlachten und zu verbrennen, sondern es war jener andere eine Engel, der klüger blieb als alle anderen auf dem Felde. Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass Gott oft nur der als Gott verkleidete Satan in seiner zwingenden Pracht war, dem wir dachten folgen zu müssen. Der Böse vermag sich ja bekanntlich in alles zu verleiden – nur nicht in den HERRN. Oft ist also das, was Menschen als Gott benennen, nur eine neue und bisher unbekannte Verkleidung dieses Engels, der sein eigener Herr und Gott sein will. Das ist der Satan, kein anderer! Einer alten Tradition nach habe der Satan – denn kein anderer war es, der versuchte Abraham zum Kindesmord anzustiften – dem von ihm angestifteten blutigen Ereignis beiwohnen wollen und sich deshalb in einen Widder verwandelt. In unmittelbarer Nähe versteckte er sich in einem Gestrüppe, in einem Dornbusch. Es war derselbe Dornbusch, in dem sich später auch der Name des HERRN dem Mose offenbaren wollte. Daselbst nun möchte sich der Satan wohl verstecken? Dort, wo die Wahrheit wohnen wollen wird? Was ihm auch gelang – und dann doch nicht zum Guten ausschlug. Abraham nämlich, nach dem Ruf des rettenden Engels, und befreit von der großen Last der Sorge um sein gottgefälliges Handeln, Abraham also, noch im Banne der Ansicht, ein blutiges Opfer vollziehen zu müssen, entdeckte den Satan im Dornbusch der Offenbarung, die einst Mose sollte zuteil werden, der Gott in seinem ewigen Namen entdecken wird. Der Arm, der den Sohn Isaak hatte eben gerade fahren gelassen, griff sich, noch mit dem Schwung des Gehorsams versehen, griff jenen als Widder verkleideten gefallenen Engel und führte sauber den Schnitt durch die Kehle des Verführers und Imitator Gottes. So war Satan also Beobachter einer Opferhandlung, die dadurch gelang, dass der Beobachter selber jenes Opfer wurde, zu dem er Isaak hatte werden lassen wollen. Und auf diese Weise war Satan vorausschauend bereits Zeuge seiner später durch Christus endgültig bewirkten Niederlage.

Geliebte in dem HERRN. Ja, so will ich euch nennen. Nicht Geliebte Gottes, sondern Geliebte in dem HERRN. Denn in und unter dem Namen Gottes verbirgt sich oft, wie wir in dieser Geschichte vorgeführt bekommen, nichts anderes als der böse Feind des Menschen, welcher keine Gelegenheit auslässt, uns gerade mit und an demjenigen, was uns am meisten heilig ist, zu täuschen. Geliebte, Abraham lernte an jenem Tage oben auf dem Berge, dass der Herr nicht Gott ist. Aber der HERR ist der HERR, – er ist das SEIN und sein ist das Sein. Und der Begriff Gottes ist mit der Geschichte von Isaak, dem Widder, dem Engel, dem Berg, der Wüste und Gottes des HERRN für die nächsten Äonen neu definiert worden. Gott aber, wo er nicht der HERR (also nicht Gott) ist, hat sich herausgestellt als der Satan … So ist also doch noch alles gut geworden. Was der Text so ausdrückt, dass er uns den Berg vorstellt als Ort, wo der HERR sieht! Und wir wollen, wenn wir hören, dass da wieder ein Gott angeblich etwas gesagt oder gar gewollt und von uns gefordert hätte, abwarten, was der Engel des HERRN dazu sagen wird. Und wollen die Dornenhecken um uns herum dabei wohl in Acht nehmen …

(Pseudogregorius / de veritate omnium XIII)

von dem barmherzigen Samariter (Lukas 10)

Als aber einer von den Schriftgelehrten
den Meister fragte: „Rabbi, sage an,
was ist der höchste unter allen Werten?“

erwidert klug der HERR besagtem Mann:
„Was liest du im Gesetze aufgeschrieben?“
Er gleich: „Du sollst mit ganzem Herzen, dann

mit Seele und Gemüt Gott immer lieben.
Und deinen Nächsten, denn er ist wie du.“
Der Meister drauf: „Du hast nicht übertrieben.

Genau so tu, dann wirst du finden Ruh.“
Er aber gab nicht nach und bohrte weiter,
examinierend Jesus gradezu:

„Wer ist denn das, mein Nächster?“ tönt der Streiter.
„So viele Menschen hat die weite Welt!“
Der Meister lacht und bleibt trotz allem heiter,

dies Gleichnis hat er ihm zur Wahl gestellt:
„Ein Mann wollt bis Jerusalem einst wallen.
Von Jericho aus zog er übers Feld.

Doch ist er unter Mörder bald gefallen,
die schlugen ihn mit Peitschen und mit Knallen.

Der Handelsmann blieb nackt am Wege liegen,
des Eigentums beraubt und schon halb tot.
Nun wandert bald hinab des Weges Stiegen

ein Priester stracks und sah die Wunden rot.
Schnell eilt er weiter seine eignen Wege,
auch ein Levit. Sie scheuen fremde Not.

Ein Samariter endlich, dass er lege
den Armen auf sein treues Tier,
hielt an und nahm den Blutenden in Pflege,

die Wunden salbt er ihm mit Wein und Schmier.
Dann geht es bis zu einem Gasthaus weiter,
Und er befielt dem Wirt: ‚Gib ihm Quartier.

Du halt ihn frei von Blut und bösem Eiter,
ich werd´s begleichen, wenn ich kehr zurück.’“
Und Jesus schließt: „Es war ein Außenseiter

der jenem half, der fand in ihm das Glück.
Und welcher dient als Nächster uns zum Zeichen?“
Er antwortet: „Der tat dies Meisterstück!“

„So gehe hin und tue du desgleichen!
Und aus dem Sinn soll nie dies Beispiel weichen.“

die beiden Söhne (Lukas 15)

In fernem Lande lebt noch der alte Vater.
Zwei Söhne mit ihm auf dem großen Hof.
Doch eines Tages gibt es ein Theater:

Dem Jüngeren war alles das zu doof.
Er fordert laut, das Erbe auszuzahlen.
Man tut es und der Sohn reist ab zum Schwoof.

Bald bringt er alles durch im Maximalen –
verprasst mit Huren seines Vaters Gut.
Die Pleite naht, mit ihr des Hungers Qualen,

zum armen Knecht ward jetzt der Tunichtgut.
Man schickt ihn auf die Felder Säue hüten.
Das blieb ihm nun von seinem Übermut.

Um ihm die Dienste reichlich zu vergüten,
gab man ihm nur den Rest vom Schweinefraß
die faulen Trebern und die leeren Schüten.

Und wie er so in seinem Unglück saß,
spricht er zu sich: „Die vielen Tagelöhner
zu Hause werden satt, ich fresse Gras?

Ich will zurück, beim Vater ist es schöner.
Er kennt mich noch und wird mir sein Versöhner.“

Von Ferne schon sah ihn der Vater kommen.
Lief ihm entgegen rasch, mit einem Kuss
empfing er seinen Sohn wie einen Frommen.

Da beichtete der arme Filius:
„Ich stehe hier vor dir mit großen Sünden.
Ich brachte alles durch im Spiritus …

Noch größern Sünder wirst du wohl kaum finden,
dem Himmel gegenüber und vor dir.
Mach mich zu einem deiner Hofgesinden.“

Der Alte aber schlachtete ein Tier.
„Mein Sohn kam her. Ich will das Feinste geben!“
So aß man Braten und das beste Bier.

Der Ältere, vom Felde kam er eben,
ward zornig drum, verweigert sich dem Fest
Der Vater bat ihn sehr – bei seinem Leben.

Das gab dem Bruder aber noch den Rest.
„Nicht einen Bock hast du mir wollen schenken –
das Mastkalb aber opferst du der Pest?“

Der Vater bittet weiter einzulenken:
Die Liebe folgt nicht rechnenden Bedenken.