vom Ende des Jubiläums

Seit Mittwoch ist das Jubiläum aus. Zehn lange Jahre hatte der Agon der Protestantenfeier gedauert. Genau solange wie der Trojanische Krieg. Jetzt aber ruhte die Stadt wieder still im Nachglanz des Reformationsfestes, von Halloween, Allerheiligen und Allerseelen.  Kam nun die Auferstehung? „Das  Bashing der Zeitungen hat bereits begonnen!“ meinte Peter. Jones nickte: „Yeah man!“ Sloterdijk nippte am Espresso, das Grappaglas von Tom war halbleer. Ich saß ihnen mit dem Rücken zugewandt, so dass die beiden mich nicht bemerkten. Sie schauten auf die Collegienstraße, mein Blick zur Eistheke. Ich bin gerne im Dolce Vita der Lutherstadt. Mein Liebling ist der Waldbecher. Über der Tür, die vom Eisparadies hinaus auf die Gassen der Wirklichkeit Wittenbergs führt, hängt ein Kruzifix. Die Italiener sind halt fromme Leute. Sloterdijk meinte: „Dein letztes Album hat mir gefallen, Tom. Besonders der Titel ‚I want to come home‘“. Tom Jones: „Und dein Buch vom NACHGOTT ist das Beste, was Du je geschrieben hast. Waffe gegen die Aftergottheiten der Welt.“ Sloterdijk: „Sag nicht Waffe. Sage Instrument. Und es kommt eben immer sehr auf die Präpositionen an. Nur der METAGOTT wird bleiben“. Pause. „Die Theologen müssten dein Buch direkt in Liturgie umwandeln“ sagte Tom. Der Mann aus Karlsruhe: „Deine Lieder helfen dabei!“ Dann: „Irgendwie ist hier Transzendenz im Raum.“ Und Tom Jones: „Klar, – in der Nacht fällt der unsichtbare Schatten der Stadtkirche direkt auf die leeren Eisbecher.“ Sloterdijk lachte. Zahlte für beide und meinte, als sie unter den gütigen Blicken des Gekreuzigten das Café verließen: „Die Neugeburt der Kirche aus dem Geiste des Nordlichts?“ Es war ein Lachen gewesen, wie alte Männer es hören lassen, wenn die Dinge am Scheideweg stehen.

Thomas und Peter waren als Pilgersleute um Allerheiligen also in Wittenberg gewesen. In der Provinz des Totalen. Wie Tom Jones singt: „For so long I was out in the cold / But it’s been to long / I wanna come home!“

Hubertus und die Kirche

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(aus den Sermonen des Kirchenvaters Pseudogregorius Thaumaturgos – über einen Vorläufer des Heiligen Hubertus)

Aktaion nun, Teuerste, ist nicht etwa nur irgendwer gewesen, sondern war ein Enkel des musenführenden Gottes Apollon und ein Vetter des großen Dionysos. Zuerst, wie wir alle noch ein unschuldiger Knabe, erleidet er am Ende seines Lebens trotzdem ein schlimmes Schicksal, – und dieses, ohne schuldig geworden zu sein. Denn welche Schuld lüde einer auf sich, der, um den Seinen Fleisch zu erjagen, mit Pfeil und Bogen oder der Armbrust durch die Wälder streift, wie Aktaion es eben tat. Keine Schuld trifft ihn seines Handwerks wegen, das die Jagd gewesen ist. Jedoch auf einen Umstand müssen wir doch unser Augenmerk legen: Denn Aktaion, der berühmte Jäger, jagte eigentlich nicht um der Erlegung des schmackhaften Wildbrets wegen, sondern um der Jagd selbst willen suchte er das Dickicht auf. So etwa, wie die Künstler der Götter halber ihre verschiedenen Tätigkeiten treiben, durch welche die selig Schreitenden dann dargestellt und vergegenwärtigt werden können, durch den Bildhauer etwa in hölzernen oder mehr noch steinernen Tempelstatuen, durch die Maler in trefflichen Ikonen, bei den Sängern mit unvergleichlichen Harmonien und im Reigen der Tänzerinnen vermittels deren überaus betrachtungswürdiger Anmut, – so also jagte Aktaion nach etwas, das sich vor dem Menschen, der die Wildnis verlassen musste, scheu verbirgt – das ist das Wild, jedes nach seiner Art. Er jagte um zu jagen. Und deshalb müssen wir sehen, wie Aktaion immer dann, wenn er jagte, in jenen tierhaften wilden Zustand zurückzufallen drohte, dem er als Mensch eigentlich doch bereits entronnen sein wollte. Dieser immer wieder geschehenden Rückkehr in etwas bereits Überwundenes wegen ist Aktaion dann selber zum Wild geworden. Auch hier wäre es falsch, von einem Fehler des Helden zu reden, – aber dass darüber geredet werden muss, ist den aufmerksam Lesenden sicherlich klar. Für solche gibt es eines Tages kein Halten mehr, – wie jeder von uns irgendwo und auf irgendeine Weise das verloren gegangene Paradies sucht, so auch unser unglücklicher Bruder Aktaion. Unglücklich deshalb, weil er zwar fand, was er in seinem dunklen Drang immer hatte finden wollen – nämlich die Göttin Artemis selbst, die bekanntlich dem Kreislauf von Zeugung, Geburt, Alter und Tod nicht unterworfen zu sein scheint, da sie doch, ewig jungfräulich bleibend, zusammen mit ihren Gespielinnen, hin und wieder auch in Gesellschaft treuer Hunde, durch die Fluren schweift, dabei mit Leoparden und Hindinnen spricht, mit Löwen und Hirschen Gemeinschaft hat – und sich beide, Gott und Tier nicht im mindesten Schaden zufügen, sondern sich aneinander stets erfreuen und gegenseitig achten. Diese Frau fand der Held, – was sage ich denn – diese Göttin fand er, – aber brachte es ihm Glück oder Unglück? Hört deshalb, Teuerste und Gefährten, welche Geschichte sich zutrug.
Als Aktaion auf der Suche nach der besonderen weißen Hirschin auf einer verschwiegenen Lichtung inmitten des Waldes anlangt, sieht er, wie dort unter einem gewaltigen Felsvorsprung sich im Laufe der Zeit ein Teich gebildet hat. Aber nicht nur das, sondern er sieht auch – “zufällig” wird man später einmal sagen, wir aber wissen, dass entweder ein missgünstiger Dämon oder aber der höhere Ratschluss der allesdurchwaltenden Moira unentrinnbar alles gefügt hat – sieht er also die im Teich badende Göttin Artemis, wie jene von ihm Verehrte ihren makellosen Leib im Schauer des über die Felsen wallenden Wasserfalls erfrischt. Da nun die Göttin ihrerseits den Jäger gewahrt, besprengt sie ihren unfreiwilligen Betrachter mit einigen Tropfen des Bergbaches und ruft ihm die geflügelten Worte zu: “Aktaion, lauf und erzähl den Gefährten, wen du gesehen. Wenn du es kannst!” Die weitere Geschichte ist allen bekannt, – noch im entsetzten Davonstürzen überzieht sich die Haut des Jünglings mit pelzigem Fell, aus der Stirn erwächst ihm das mächtige Geweih eines Waldbewohners, er sinkt auf die Hufe und eilt als jener Hirsch weiter, welchen er selber eben noch verfolgt hatte. Seine Hunde rufend, zwingt er den eigenen Untergang herbei, denn das bellende Rudel erkennt seinen Anführer schon nicht mehr, stürzt sich auf ihn, beißt und reißt. Und als der zum Tier Gewordene mit Hilfe der Sprache Einhalt gebieten und zur Ordnung rufen will, entrinnt sich der Kehle des Verwünschten kein einziges menschliches Wort mehr, nur das raue Brüllen eines Hirsches dringt daraus hervor und bringt die ehemaligen treuen vierpfotigen Begleiter nur noch mehr gegen sich auf. Aktaion stirbt.
Teuerste, warum wohl straft die Göttin ihren Verehrer dermaßen hart? Einige haben nun behauptet, das Aktaion die Göttin Diana gar nicht gesehen habe, sondern dass er, ermattet von der tagelangen rastlosen Jagd, wahnsinnig geworden und seinen Hunden befohlen habe, seinem rastlosen Treiben endlich, endlich ein Ende zu bereiten. Und jene vierbeinigen Freunde hätten ihrem Herrn gehorcht. Da dieser den Hirsch so überzeugend hatte nachahmen können, vermochten sie auch, ihn zu zerreißen. Viele ernstzunehmende Gelehrte der alten Zeit beachten diese Vermutung nun nicht sonderlich, sondern halten sie für Unfug. Trotzdem ist aber ein Fünkchen Wahrheit auch in jedem Unfug enthalten, wenn anders ja nichts existieren kann, ohne Anteil zu haben an der ewigen Wahrheit, am meisten aber der Unfug! Kann es nicht sein, so frage ich euch, Carissimi, dass unsere Leidenschaften, ohne die wir gar nicht sein können und auch nicht sein mögen, aus der Suche die Sucht werden lassen, und uns am Ende mehr oder weniger von der Erde fortnehmen heißen, indem sie den einen sanft entschweben lassen, den anderen grob dahinzufahren zwingen, wie Aktaion, wieder etliche einfach sich aus dem Gesichtskreis der Welt entfernen, ohne dass man sonderlich viel von ihnen noch erfährt? Aktaion jedenfalls ist nach seinem schauervollen Ende unter die Sterne entrückt worden, dafür sorgten seine göttlichen Verwandten. Von dort, dem Sternbild Canis Maioris, wo der helle Hundsstern Sirius erstrahlt, grüßt er alle diejenigen von uns, die ebenfalls wie er auf eine übermäßige Weise nach etwas suchen, forschen und jagen, indem er uns zuruft: “Seht zu, dass das, was ihr zu erjagen sucht, am Ende nicht euch selber überwindet!”
Einerlei, – lasst uns nunmehr, Teuerste, einen angenehmeren Schluss für die blutrote Szene dort draußen im wilden Walde ersinnen und sie in die Welt hinaus tragen. Ist doch die Antike von der freundlicheren Botschaft des Neuen Weges ihrerseits überwunden worden, aber nicht wie Aktaion von seinen Hunden, sondern wie der Tod von der Liebe Christi in seiner Auferstehung, die alles Mögliche zwar zulässt, nicht aber alles billigt, jedoch schließlich jedes auf ein Gutes zustreben lässt. Aktaion solle also, auf diese Weise würde sich alles ausgleichen, bei seiner rastlosen Suche nach dem weißen Hirsch denselben im Walde antreffen, so wie er plötzlich der Artemis gegenüberstand. Der Hirsch aber nähme dem Jäger nicht übel, von ihm betrachtet zu werden, er würde sich nämlich mit menschlicher Stimme gar bald an ihn wenden. Das Zusammentreffen zwischen dem rastlosen Jäger und dem göttlichen Tier wäre ein Anlass dafür, sich miteinander darüber zu verständigen, was angesichts der Tatsache, dass der eine noch wild ist (nämlich Aktaion), der andere aber nicht mehr nur wild zu sein braucht (der prächtige Hirsch), zu beginnen wäre. Etwa könnte eine Kapelle aus schimmerndem Marmorstein mitten im lichtgrünen Walde errichtet werden, in welchem Sakralbau die Suchenden Wichtiges fänden, indem sie zu sich selbst geführt würden. Was Aktaion dann übrigens auch ins Werk gesetzt hat, mit der Hilfe des Bildes vom herrlichen Hirsch, der ihm bei der Verrichtung des Opus voran schwebte wie ein Kreuz, das man auf die Stirne gezeichnet bekommen hat, welches Zeichen man zwar nicht sieht, aber es um so mehr immer spürt. Mit seinen Jagdgenossen und Gefährten kam Aktaion dann oft hierher in den kleinen Tempel und den ihn umgebenden Park, – um sich dort jene Geschichten zu erzählen, die nicht vergessen werden dürfen, weil sie uns bei aller Jagd nach so vielen Dingen, die wir brauchen, noch mehr aber eigentlich nicht brauchen, friedvoll stimmen und zugleich zum überlegten Handeln anstiften.

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Hubertusmesse 5.11.2017 10.00 Uhr Kirche Woltersdorf

Hubertusmesse

Gedanken zum Hubertustag (Gastbeitrag von Tamás Széchy)
Am 03. November dieses Jahres ist es wieder soweit – Hubertustag. Landauf landab gedenken wir Grünröcke, welche das edle Waidwerk pflegen, dieses Tages mit Hubertusmessen und Jagden.
Aber immer wieder kommt es vor, dass sich in lockerer, fröhlicher Runde der eine oder andere Waidgeselle äußert und fragt, was es überhaupt mit dem Hubertustag auf sich habe … Für mich, dessen Vorfahren seit Generationen dem frohen Waidwerk frönen, eine Selbstverständlichkeit – inne zu halten, des erlegten Wilds zu gedenken, der Natur und Schöpfung zu dankbar gegenüber zu treten.
Aber woher kommt nun der Hubertustag, den wir am 3. November jährlich begehen? Die Legende vom Heiligen Hubertus ist in verschiedener Weise überliefert. Im Großen Hausbuch der Heiligen wird sie folgendermaßen erzählt: „Als einst Hubert an einem Karfreitag mit seinem lauten Tross zur Jagd zog, warnte ihn seine Gattin und flehte ihn dringend an, den ernsten Todestag des Herrn nicht zu entweihen. Er schien von der liebevollen Warnung seiner frommen Gattin gerührt, dennoch siegte die Jagdlust. Mit seinem zahlreichen Gefolge sprengte er durch Wald und Busch, durch Wiesen und Gründe und verfolgte einen prächtigen Hirschen. Als er demselben nahe kam und schon den Bolzen nach dem Tiere abdrücken wollte, bleibt dasselbe plötzlich stehen, wendet sich nach dem Jäger, und mitten in seinem Geweih erscheint ein strahlendes Kreuz. Eine klagende Stimme ertönt: ‚Hubertus, ich erlöste dich und dennoch verfolgst du mich!‘ Hubertus erbebte, warf sein Geschoß von sich und flehte innig zu Gott um Erbarmen. Darauf baute er sich eine Hütte aus Baumzweigen und Schilf und führte, von der Welt geschieden, in stiller Waldeinsamkeit ein bußfertiges, abgetötetes Leben.“
Dieser Legende liegt ein ganz realer Hubertus zu Grunde. Hubertus von Lüttich um 655 in Toulouse geboren und am 30. Mai 727 bei Brüssel verstorben, war Bischof von Maastricht und Lüttich. In der Kirche wird er als Heiliger verehrt. Sein Gedenktag ist der 3. November.
Der historische Hubertus lebte als Pfalzgraf am Hofe Theoderichs III. in Paris und später in Metz am Hofe Pippins des Mittleren, mit diesem war er wohl verwandt. Nach dem Tode seiner Frau ging Hubertus als Einsiedler in die Wälder der Ardennen, wo er apostolisch tätig war. Im Jahre 705 wurde er Bischof von Tongern-Maastricht. Seinen Bischofssitz ließ er 716 nach Lüttich verlegen, wo er eine Kathedrale erbaute und als Wohltäter galt.
Die Reliquien des heiligen Hubertus wurden am 3. November 743 erhoben. 825 wurden sie nach Andagium, heute Saint-Hubert, in den Ardennen übertragen. Im Mittelalter war Saint-Hubert ein Wallfahrtsort, seit der Zeit der französischen Revolution sind die Reliquien des hl. Hubertus jedoch unauffindbar.
Neben dem Hubertustag, dessen Datum sich von dem der Erhebung der Reliquien ableitet, wird regional auch der Todestag des Heiligen, der 30. Mai, gefeiert. Hubertus gehört neben Antonius, Quirinus und Cornelius zu den sogenannten „vier heiligen Marschällen Gottes“ und wird mancherorts auch zu den vierzehn Nothelfern gerechnet, sein Attribut ist ein Hirsch mit einem Kruzifix im Geweih.

Uns ist aus dem Mittelalter die Hubertuslegende überliefert, wonach der Heilige auf der Jagd vom Anblick eines prächtigen Hirsches mit einem Kruzifix zwischen den Sprossen des Geweihs bekehrt wurde. Deshalb wird Hubertus als Schutzpatron der Jagd angesehen. Außerdem gilt er als Patron der Hunde und als Helfer gegen Tollwut, für Schützen und Schützenbruderschaften, Kürschner, Metzger, die Metallbearbeiter, Büchsenmacher, Optiker, Mathematiker und Hersteller von mathematischen Geräten ist er nicht ohne Wichtigkeit.
Am Hubertustag gesegnetes Salz, Brot und Wasser solle gegen Hundebisse schützen, außerdem sollten auch die Hunde selbst dadurch vor Tollwut geschützt werden. Es wurden Hubertusschlüssel zur Behandlung und Vorbeugung gegen Tollwut verwendet. Und vieles mehr …

Schon in vorchristlicher Zeit machten sich unsere Ahnen Gedanken, wem sie für eine erfolgreiche Jagd und Glück danken konnten. In der römischen Mythologie ist Diana die Göttin der Jagd, des Mondes und der Geburt, Beschützerin der Frauen und Mädchen. Ihr entspricht in der griechischen Mythologie Artemis und in der keltischen Mythologie die Göttin Artio.
Die ursprüngliche Bedeutung der Diana als Göttin der Frauen und Geburtshelferin belegen zahlreiche sich auf Geburt und Fruchtbarkeit beziehende Votivgaben. Aber es finden sich auch Votivgaben für Jagderfolge darunter. Von einem ursprünglichen Mythos der Diana – unabhängig von der griechischen Mythologie – ist uns nichts überliefert, da schon sehr früh und fast vollständig Diana mit der griechischen Gottheit Artemis identifiziert wurde. Die griechischen Mythen wurden unter Ersetzung der griechischen Gottheiten mit ihrem römischen Pendant übernommen. Demnach ist Diana einer Verbindung Jupiters mit Latona entsprungen, war die Schwester des Apollo, blieb Jungfrau, vermählte sich nie usw.
In der griechischen Mythologie ist Artemis die Göttin der Jagd, des Waldes, des Mondes und die Hüterin der Frauen und Kinder. Sie zählt zu den zwölf großen Göttern des Olymps und ist Tochter des Zeus und der Leto und Zwillingsschwester des Apollon.
Artemis wird meist als jungfräuliche Jägerin beschrieben, die allein oder von gleichfalls jungfräulichen Nymphen und Hunden begleitet durch die Wälder streift. Artemis hat den Ruf einer grausamen und strengen Göttin. Ihr Verhältnis zum männlichen Geschlecht ist gespannt, da sie Männer für die Geburtswehen der Frauen verantwortlich macht. Artemis war eine wilde, unzähmbare Göttin, die Leben nicht nur gibt, sondern auch nimmt.
Die bekannteste Erzählung über ein Zusammentreffen Artemis mit einem Mann ist die von Aktaion, einem Enkel des Apollon, dem Zwillingsbruder Artemis, und des Kadmos, des Königs von Theben, welcher ein Leidenschaftlicher Jäger war. Als er wieder einmal einem Hirsch nachjagte und sich in der Mittagshitze einen kühlen Platz im Walde suchte, gelangte er in ein schattiges Tal, welches Artemis geweiht war. In seinem Grund befand sich eine Grotte, wo die Göttin gerade badete. Als Aktaion sie dann nackt sah, verwandelte sie sich ihn in einen Hirsch, um zu verhindern, dass er von dieser verbotenen Begegnung erzähle. Die weitere Geschichte ist so überliefert, – noch im entsetzten Davonstürzen überzieht sich die Haut des Jünglings mit pelzigem Fell, aus der Stirn erwächst ihm das mächtige Geweih eines Waldbewohners, er sinkt auf die Hufe und eilt als jener Hirsch weiter, welchen er selber eben noch verfolgt hatte. Seine Hunde rufend, zwingt er den eigenen Untergang herbei, denn das bellende Rudel erkennt seinen Anführer schon nicht mehr, stürzt sich auf ihn, beißt und reißt. Und als der zum Tier Gewordene mit Hilfe der Sprache Einhalt gebieten und zur Ordnung rufen will, entrinnt sich der Kehle des Verwünschten kein einziges menschliches Wort mehr, nur das raue Brüllen eines Hirsches dringt daraus hervor und bringt die ehemaligen treuen vierpfotigen Begleiter nur noch mehr gegen sich auf. Aktaion stirbt.
Aktaion jedenfalls ist nach seinem schauervollen Ende unter die Sterne entrückt worden, dafür sorgten seine göttlichen Verwandten. Von dort, dem Sternbild Canis Maioris, wo der helle Hundsstern Sirius erstrahlt, grüßt er alle diejenigen von uns, die ebenfalls wie er auf eine übermäßige Weise nach etwas suchen, forschen und jagen, indem er uns zuruft: “Seht zu, dass das, was ihr zu erjagen sucht, am Ende nicht euch selber überwindet!”
In diesem Sinne liebe Grünröcke lasst uns innehalten, der Vergänglichkeit der Natur und des Lebens gedenken und uns maßvoll an ihrem Reichtum bedienen.

(c) mit freundlicher Genehmigung von Tamás Széchy