die beiden Frauen … (Markus 5)

Im Dunkel tiefer Wälder wohnen Quellen –
als  unsichtbare Rätsel. Hörbar nur …
Weit draußen rinnen Bäche, deren Wellen

die Wiesen tränken, Weiden und die Flur.
Dann fallen diese Bäche in die Flüsse –
und weiter führt des Wassers alte Spur,

bis eines Tages alle nassen Güsse
sich einigen am blauen Ocean.
Dort heben alter Bäume Wurzelfüße

im Nebeldunst dem Himmel es hinan.
Im Leib der Pflanzen, Menschen und der Tiere
vollendet dann das Wasser seine Bahn.

Im Blute treibt es an die Kraft der Stiere,
dein Leben endet ohne seinen Saft.
Es strömt dir treu durch Lunge, Herz und Niere.

Wenn´s nicht mehr strömt, gilt man als hingerafft.
Nun hört, was einst geschah in unsern Tagen –
ein Weib war krank. Zwölf Jahre Dauerhaft.

Ihr Schoß litt viele tausend schlimme Plagen –
und war mit Blut und Ausfluss hart geschlagen.

Zwei Dinge hört sie. Jesus kommt zur Stätte,
ein Mädchen läg zu Tod, gerad zwölf Jahr …
Fast scheint ihr, dass sie die als Schwester hätte;

mit schwarzem noch, sie selbst schon graues Haar.
Das kleine Ding, es soll wohl nicht mehr leben.
Sie selbst will auch nicht mehr, das wird ihr klar …

Viel Hab und Gut an Ärzte fortgegeben,
und niemand teilt mit ihr das Schlafgemach.
Zum Meister hin sieht sie die Leute streben;

Erinnerungen werden in ihr wach.
Sie denkt, wenn ich nur wagte jetzt zu rühren …
mit meiner Hand an seine hellen Kleider, ach –

das würde doch mein Blut zum Ziele führen:
Vorbei soll gehn die Scham, vorbei der Tod.
Ganz offen stünden mir des Lebens Türen.

Und seht, sie geht zu ihm in großer Not.
Und wähnt von fern, er könnt es nicht bemerken,
Da wendet er sich um – und sie wird rot.

Die Gottheit rief sie her, in ihr zu werken?
Gebt acht, nun kennt des Leibes schlimme Stärken.

Als Jesus und das Weib dort im Gedränge
von Angesicht zu Angesicht sich sehn,
schwoll an zum Chor der Menschen große Menge,

und himmelwärts des Trubels Wogen gehn.
Der Meister ruft hinein in Lärm und Tosen:
„Wer griff mir an´s Gewand, was ist geschehn?“

Die Jünger tadeln: „Herr, man wird gestoßen,
zu viele drängten her, der Platz ist voll!
Denn schau, grad starb die Schönste aller Rosen,

wir wissen nicht, was deine Frage soll!“
Das Weib jedoch zu Boden ist gesunken –
und ihre Antwort öffentlich erscholl.

Inmitten einer Straße, wonnetrunken,
berichtet nun die Frau, was ihr geschah.
Vorbei die Scham, gezündet hat der Funken,

sie wird des Blutens Stillstand froh gewahr.
Dicht neben ihr setzt ab man hart die Bahre,
das Mädchen liegt darauf – so fern, so nah.

Der Meister sagt das einzig wirklich Wahre:
„Nur großes Glück löst aus des Todes Starre.“

Wie damals schon, als Gott am ersten Tage
mit dem „Es werde Licht!“ die Schöpfung rief,
legt Jesus beide Frauen auf die Waage,

die eine lebt, die andere entschlief.
Zwölf Jahre ist die Junge alt geworden,
zwölf Jahr das Blut der alten Frau zerlief.

Die beiden Zahlen eint er nun dem Orden
der vierundzwanzig Engel. Und ihr Heer,
mit sieben, fünf und drei und zwei Akkorden

gestaltend, schwebt es überm blauen Meer.
Der Drache muss das Mädchen wiedergeben:
„Talitha Kumi!“ lockte sie der gute HERR.

Da wacht sie auf – und in ein neues Leben,
zurück ließ sie der Krankheit leeres Bett.
Drauf Lobgesänge hört man sich erheben:

„O grauser Tod! Wo ist dein Bajonett?
Doch Jesus mahnt: „Gebt beiden was zu essen!“
Darauf begann für alle ein Bankett.

Ich habe zu berühren wohl vergessen
den Meister oft. Und litt infolgedessen …

von dem fallsüchtigen Knaben (Markus 9)

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Und als wir dann bei Tabor abwärts steigen,
gewahren wir Getümmel tief am Grund.
„Nicht, dass sie sich im Tanze wieder neigen

vor goldnem Kalb“ erinnert bang mein Mund.
Doch heute ist es anders. Keine Töne
der Freude hören wir. Denn nicht gesund

ist den sie diesmal brachten. Sein Gestöhne –
wie schlimm, ein Knabe etwa siebzehn Jahr.
Der Vater mit dem jüngsten seiner Söhne

kam her. Mit ihm der Mond, weil Abend war.
Alsbald tritt auch der HERR in ihre Mitte
und fragt, wie lange schon die Krankheit war.

Da fällt der Vater nieder mit der Bitte:
„HERR, heile meinen Knaben, wenn du kannst!
Es legt der böse Geist die schwarze Fitte

auf ihn von Anfang an. Du aber bannst
vielleicht Dämonen leicht mit deinen Worten.
So diesen auch und seinen schlimmen Tanz.“

Der Meister fragt den Mann, zu welchen Orten
der Geist ihn reißt an welche dunkle Pforten.

„Zum Feuer treibt er hin und in die Fluten!
Schon oft war kaum noch Rettung aus der Not.
Geschmettert auf den Boden bis zum Bluten

schlägt er sich dann und ringt mit seinem Tod.
Der Geist beweist zumeist sich im Obsiegen:
Der Knabe ist mir Tag und Nacht bedroht.

Und eines Tages wird er unterliegen.
Wenn du es kannst, so zaudre nicht und tu
ein Wunder hier, die Jünger wollten´s biegen,

doch brachten sie den Dämon nicht zur Ruh.“
„Mein Freund! Du musst den Glauben dir erlauben.
Wer wagt, kann viel. Vertraue deshalb du!“

Da schwebt es plötzlich her mit weißen Tauben:
Sie rufen: „Herr, der du die Wahrheit bist,
Wir trauen dir, gib Hilfe unserm Glauben.“

Nun brachten sie den Knaben mit dem Biest,
das riss ihn hin und her mit Wut und Schäumen,
und schließlich floh es doch vor Jesus Christ.

Der Knabe wachte auf aus bösen Träumen,
der Dämon muss das Feld für immer räumen.

Judas und Jesus

Sankt Marie-Madeleine (Vézelay)

Schon eilte Judas zu den Gartenbäumen,
die noch zur Nacht gehört, wie Jesus schrie.
Und steigt empor ins Astwerk ohne Säumen,

weil er sich den Verrat wohl nicht verzieh.
Ein kurzer Blick, die alten Sterne droben –
er springt und hängt verröchelnd wie ein Vieh.

Als früh den Tag die Sonnenstrahlen loben,
ward so, weil Christus starb am dürren Holz,
auch dem Verräter noch das Haupt erhoben,

des‘ Kummer groß, doch größer noch sein Stolz.
Auf ihrem Wege nun zu Hades´ Tiefen
begegnen sich die zwei – das Schicksal wollt´s.

Zwei Seelen reisen hin. Als Schatten liefen
ein Meister und der Schüler, der verriet.
Die Worte hört, die beide dabei riefen:

„Ich bitt´dich Meister, dich, der alles sieht:
Vergib mir meiner Torheit schlimme Taten,
vernimm mein Armesündersreuelied.“

Und Jesus sagt, als sie den Fluss durchwaten,
„Stets denen ich vergebe, die mich baten!“

Sie klopfen beide an vor schwarzem Throne,
des Totenwächter Plutons grausem Sitz.
Hier werden ausgezahlt die wahren Lohne,

Persephonai naht leichten Trippelschritts.
Ihr Hündchen Cerberus birgt sie am Mieder,
laut mault es aus des Rachens Dreierschlitz.

Christ zwingt dem Biest die frechen Blicke nieder
und spricht „Wir kamen in des Hades Raum,
weil uns des Todes Werke sind zuwider.

Zum Ende komme heut der böse Traum.
Freund Judas ist mein Jünger und wird bleiben.
Ich aber mach mich auf zum Lebensbaum.

Er mag den Leuten hier die Zeit vertreiben,
das Evangelium verkündend Wort für Wort.
Betrachtend tief hier unten euer Treiben,

zu spenden Hoffnung diesem düstren Ort.
Zum Vater in die Himmel muss ich fahren,
du, Judas, aber führe alles fort.

Doch vorher werd´ ich dir den Leib bewahren –
zur frohen Auferstehung einst in Jahren.

von einem Garten zu Gethsemane (Matthäus 25)

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Er nimmt den alten Becher in die Hände,
die letzten Tropfen wischt er noch vom Rand.
Und weiß, was morgen kommt – die bittre Wende.

Beim Garten wirft er sich in kühlen Sand.
Doch folgten ihm nicht alle, denn sie scheuten
den Gang hinaus in das, was unbekannt.

Drei Müde fragen: „Was will das bedeuten.“
Und schlafen schließlich ein im trocknen Gras.
Nur er bleibt wach und hört die Sterne läuten,

aus naher Ferne – rein und fein wie Glas.
Sein Engel naht mit starkem Trank zu trösten.
Und gießt und gießt, bis überläuft das Maß.

Christ betete wie einer von den Größten:
„Wenn möglich das, so lenke es vorbei.
Und lass mich sein nur einer der Erlösten,

mein Weg bleib ohne Leiden und Geschrei.
Doch nicht der eigne Wille soll geschehen,
ich bette mich in deine Litanei.“

Wir sehen ihn, um den die Sterne gehen,
im Garten knien vor Weltgeburtenwehen.

Schon dreimal schaute er nach den Gefährten.
Die Augen schlossen sie aus Trauer fest.
Er rät Gebete an, die sich bewährten …

und spürt den Schmerz und auch den ganzen Rest.
Dann weckt er sie aus schlimmen tiefen Träumen
und scheucht sie aus des Schlummers blindem Nest.

Denn schon naht es heran. Und ohne Säumen
umhalst ihn Judas mit dem falschen Kuss.
Kriegsknechte bargen sich dort bei den Bäumen,

sie eilen zu ihm hin. Und ganz am Schluss
schlägt Petrus noch mit scharfem Schwert dazwischen –
des Kaiphas´ Knecht ein Ohr ab, weil das muss!

Der Meister aber wird das Blut abwischen,
und setzt zurück die Muschel an das Haupt.
Dann spricht er sanft zu dem Aufrührerischen:

„Durchs Schwert stirbt oft, wer sehr dem Schwerte glaubt!
Im Tempel lehrte ich, wer hat´s begriffen?
Wie wird man hören, wenn das Ohr geraubt!“

Der Zug ruckt an. Und unter rohen Pfiffen
stößt man zur Stadt ihn hin mit harten Püffen.

… aber am vierten Tage …

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Maria, Jesus und Martha im Fenster
Das Chaos des Zufalls hatte auf der Fensterscheibe wochenlang sein großes Werk erstehen lassen. Entropie. Die Abbildung des Unendlichen im gläsernen Viereck dreißig mal dreißig. Millionen Regentropfen und die liebe Sonne, der schweifende Wind und der ewige Staub – also alle vier Elemente. Feuer, Wasser, Luft und Erde ließen die Zeichen ihrer ewigen Präsenz auf dem Glas zurück. „Es ist doch tröstlich“, dachte Maria, „dass wir nicht allein sind. Diese vier Großen sind immerdar bei uns.“ Und sie versuchte, in dem Gewimmel der Formen und Flecken die edlen Gestalten des Adlers, des Stierkalbes, des Löwen und des zeitlos guten Engels zu entdecken. Tatsächlich – da waren sie. Der Stier für die Erde und den Staub der Erde, der da an der Scheibe haftete. Der Adler, der sich über der Flut der Wassertropfen der Ozeane erhebt und von Zeit zu Zeit herabstößt, um den Fisch zu ergattern. Dann dieser Engel, der in den Lüften schwebt und die Sphären durchmisst – von oben nach unten und von unten nach oben. Und noch der Löwe, dessen Mähne blitzt wie das Licht der Sonne, das durch den Staub zu uns herein blinzelt.
So etwa oder noch ein bisschen mehr dachte Maria, als der Meister Jesus gerade eben von der Schöpfung erzählte, beim vierten Tage war er angekommen, wo Gott die Sonne und den Mond schuf und die Sterne, welche Zeichen geben vom Himmel auf die Erde.

In der Küche poltert es laut. Martha kannte diese Jesus-Geschichten alle schon. Sie hatte in der Schule im Religionsunterricht lauter Einser bekommen. Ja, sie kannte alle Geschichten in und auswendig, konnte sie hererzählen und hatte sogar welche zusätzlich noch dazu erfunden. Kennt ihr die, wo Jesus am Schluss die Maria Magdalena bekommt und sie miteinander Kinder haben. Nein? Fritz und Franz! Und wo sie sich ein Wüstenrothäuschen bauen und der Jesus die Gattin nicht betrügt, sondern ihr einen Roadster schenkt – zwar gebraucht, aber immerhin? Und wie sie im Hauskreis schöne Lobpreislieder singen. Zur Gitarre wie Martin Luther? Weil sie schon alles weiß, ist sie in der Küche. Es gibt gleich das Essen und sie hat es gekocht. Noch die Töpfe wegräumen, damit hinterher man gemütlich einen Kaffee trinken kann und nicht gleich wieder in die Küche muss. Martha ist eine große Strategin, das schätzen alle an ihr. Sie kommt in das Zimmerchen, wo Jesus erzählt und Maria träumt und das Licht durch die Scheiben fällt. Martha sieht nicht den Löwen, den Adler, den Stier und nicht den Engel. Sie sieht nur Dreck und eine ungeputzte Scheibe. Da schämt sie sich und holt einen Lappen. Aber wenn sie jetzt putzt, wird das Essen kalt. Ratlos wirft sie den Lappen der Träumenden in den Schoß und fährt dabei Jesus eine Idee zu scharf an – „Meister, sage ihr doch, dass sie endlich die Fenster putzt. Man kann ja gar nichts mehr sehen!“ Eine peinliche Stille entsteht und Jesus löst die Situation, indem er das Tuch nimmt und die Scheibe blank reibt. Genial. Erst innen und dann außen. Jetzt sagt er: „Diese Scheibe ist wie Martha und Maria. Man kann von dieser oder jener Seite hindurchschauen. Man sieht immer Martha, wenn man durch Marias Seite blickt. Und umgekehrt, – Maria, wenn man es von der Marthaseite aus betrachtet.“ Alle lachen, wenn auch nicht alle alles verstanden haben Man muss nicht immer alles wirklich gleich verstehen. Die Zeit tut Wunder. Nun wird gegessen. Der Kaffee schmeckt auch. Und als am Abend Jesus sich verabschiedet, da sind die beiden jungen Frauen zufrieden. Jede auf ihre Art. Denn Jesus hat beim Abschied beide umarmt. Und dabei die Maria, so sagen manche, sogar geküsst.

Übrigens – es ist völlig egal, dass es zur Zeit Jesu noch keine Verbundglasscheibenfenster gab, genauso wenig wie Espressomaschinen.

von dem Weltgericht (Matthäus 25)

„Der Menschensohn wird einmal wiederkommen,
und Urteil sagen über Schlecht und Gut.
Zum Himmel führt er dann die wirklich Frommen –

die andern geh´n hinab bis tief zur Glut.“
So meint mein Engel – und ich musste lachen,
doch ihn verdross mein kecker Übermut.

„Er wird die Völker sammeln aller Sprachen,
und wird sich setzen auf den goldnen Thron.
Man wird die Bücher bringen, die den Rachen

aufsperren weit zu spenden letzten Lohn. 
Dann wird man aller Menschen Taten lesen.
‚Das Reich euch Guten‘, sagt der Gottessohn. 

‚Denn hungrig und auch durstig bin gewesen
ich damals. Fremd, gefangen nackt und krank.
Ihr speistet, tränktet, kleidetet erlesen

mich ohne Furcht vor Zank und vor Gestank.
Ich sehe wohl, ihr könnt euch nicht erinnern?
Es war, als ich im Leben tief versank.

Denn aller armen Brüder leises Wimmern
ist Gottes eignes Echo und sein Schimmern.“

Ich staunte ob der Rede. Vor dem Engel
verharr´ ich in Gedanken. Es gab da
in meinem Leben auch so schlimme Mängel,

vor Augen ward mir schwarz, als ich sie sah.
Und jener fuhr im Ernste fort zu reden:
„Die Sache ist so klar wie Nein und Ja.

Was immer ihr getan habt einem jeden,
das habt ihr immer Christus auch getan.
Sieh´ diese dort, sie kehren um vor Eden.“

Ich sah sie traurig kommen Mann für Mann.
Was waren das für armselige Wesen:
Es wankt und kriecht verzweifelt zu mir an …

Der Engel ruft: „Vom Durst geplagt gewesen
war Gott. Auch nackt, Gefangener und krank.
Ihr speistet, tränktet, kleidetet erlesen,

ihn nicht und ekeltet euch vor Gestank. –
Und könnt euch nicht einmal darauf besinnen,
wie einer nur für euch in´s Schicksal sank?“

Und den Verfluchten eilte ich entgegen –
um Gnade bittend Gott um ihretwegen.

ars doloris

Und er ging
und kam nicht wieder.
Leiser klingen
unsre Lieder.

Einmal kommt,
und wird nicht gehn,
einer.
Hast Du ihn gesehn?

Bin ich’s selber,
ist’s ein Gott –
Nein. Es ist nichts.
Nichts ist dort.

Fasse Dich,
Du armes Herz!
trenne nicht
den Scherz vom Schmerz.

Mit der Zeit
wirst Du vergessen,
immer neu
die Qual zu messen.

Schicke mit den Vögeln schon
deine Düsternis davon.
Lass mit ihnen alles zieh’n. 
Nach des Frühlings Sonne hin.

von dem Wort am Anfang (Johannes 1,1-5)

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Wir traten ein und sahen viele Gipse,
aus Marmor schimmern Büsten mannigfach.
Der Raum war sonderbar, weil als Ellipse

bog er den Keller sich zu eignem Dach.
Die Köpfe und die Konterfeie waren
so recht und echt, dass Zweifel uns gebrach.

Lang schauten wir und stumm auf diese Scharen
und stellten gegenüber uns zum Kreis.
Nun finden ja Ellipsen auch nach Jahren

nie ihren Mittelpunkt, wie jeder weiß.
Da schlummerte ich ein mit offnen Augen,
und die Gedanken lösten sich vom Gleis:

Der Raum begann mich sachte aufzusaugen –
ganz leicht schien alles mir sodann.
Ich dachte noch, was wird´s am Ende taugen?

Da sprang mich plötzlich die Erkenntnis an:
Die beiden Punkten, da wir innen standen,
sind Raum und Zeit, die Fragen “Wo“ und „Wann“.

Und wir, die ihre Spären schief verbanden,
in einem Ei darum uns wiederfanden.

Einst waren die Ellipsen Ursprungswesen,
das Tönen ihrer Kreise dicht bei Gott.
Gott selber hat im Wort sich vorgelesen,

unhörbar zwar doch trotzdem polyglott.
Darein geschmiegt hat sich das All erworden,
Gestalten standen auf für Zebaoth.

Und, was entstand, klang weiter in Akkorden.
Aus Sang und Schein gebar sich sonderbar
des Wortes Kraft. Und schwang als Tat zum Norden,

die Finsternis wacht auf, ihr wurde klar,
sie will das warme Licht des Sinns umgreifen,
als Blütenpracht zwölf Monate im Jahr.

Erwachend schau ich sieben Farben schweifen,
in feinem Klingen sammelte das Wort
den Sinn des Sinns in tausend bunten Reifen 

und pflanzt ihn zeitlich fort von Ort zu Ort.
Das ist der Quellen Born. Mit seinem Leiten,
das strömt und rauscht und blieb sein eigner Port.

Wir lauschten lang im Kreise dieser Breiten
und ahnten große Dinge sich bereiten.

von dem Propheten und Diplomaten Elischa (2.Könige 6)

Das Großreich Syrien führt viele Kriege
und war den Kindern Israel meist feind.
Es hat, dass man den König klug besiege,

der Kreis der Offiziere sich geeint,
bei Dothan einen Hinterhalt zu legen.
Wenn einst des Königs Wagen hier erscheint,

soll´n Lanzen mit viel scharfen Spitzen fliegen.
Ein toter König? Flieht das ganze Heer!
Der Tote wird bei seinen Vätern liegen,

ein Sieg von selbst und ohne Gegenwehr.
Der König Joasch aber glaubt dem trauten
Propheten. „Gott als Helfer“ heißet der.

Elischa zeigt dem Freunde, wo sie bauten
an einer Falle für sein Zehnerreich.
So mied man klug die Stelle und bald schauten

die Syrer aus Verstecken zornesbleich:
„Es ist in unsrer Mitte ein Verräter,
der plaudert aus den Plan, welch böser Streich!“

Wer ist bei uns der frevelhafte Täter?
Den kriegen wir! Ob früher oder später …

Schon bald wird’s kund: Elischa, ein Prophete …
der weiß von fern, was aussinnt Ben Hadad.
Die Worte zieh´n zu ihm wie sonst Magnete,

durch Mauern dringt´s, trotz heimlich galt der Rat.
Elischa, der Mann Gottes ist der Täter!
Er hat zu Gottes Himmel einen Draht.

Im Bunde steht er mit der Kraft der Väter
und kann wohl machen, dass auch Eisen schwimmt.
Er ist Prophet und kennt, was kommt erst später,

und was er anfasst, glückt ihm und gelingt.
Die Syrer wollen ihn zu Tode bringen,
nach Dothan zieh´n sie, übler Tat gesinnt.

Im Schutz der Nacht kann ihnen das gelingen …
mit Rossen, Wagenkraft und großer Macht.
Doch soll man fürchten sich vor Eindringlingen,

wenn Engelscharen liegen auf der Wacht?
„Bei uns sind viel mehr als bei denen allen!“
Elischa seinem Diener sagt: „Gib Acht,

gleich wirst du hören meiner Stimme Hallen.
Die Augen auf, es wird dir sehr gefallen.“

Er sieht den Berg, erfüllt mit Ross und Wagen.
Schon rücken auch die Feinde schnell heran.
Elischa aber lacht und ohne Zagen

ruft er: „Mit Blindheit schlage jeden Mann!“
Und Gott? Er folgt dem Worte des Propheten:
Verschwunden ist, was sonst man sehen kann.

Ganz unerkannt zu ihnen ist getreten
Elischa. „Die ihr sucht den Weg zur Stadt,
ich leit´ euch gern. Folgt mir und meinem Beten.

Und als er alle an der Angel hat,
da führt er weit hinab sie in die Tiefe
Samarias. Hier wendet sich das Blatt.

Es war, als ob er wieder Gott beriefe:
„Nun öffne ihre Augen, HERR, zum Sehn!
Und er, der HERR, gehorchend diesem Briefe,

macht sie erwachen und sie seh´n sich steh´n
inmitten fremder Truppen. Gegenüber
der Feinde bunte Fahnen flatternd weh´n.

Zum Streit bereit erbebt sich jeder Krieger,
Elischa aber dämpft des Kampfes Fieber:

Es gibt, wo Heere aufeinander prallen,
stets tiefe Wunden, Blut und bittern Tod.
Das Schlimmste aber ist beim Krieg vor Allem,

versiegen können zwar die Wunden rot,
die Seele aber länger brüllt nach Rache.
Will Not, und will, dass neues Unheil droht.

Elischa weiß um diese alte Sache
drum gibt er seinem König einen Rat:
„Bewirte deine Feinde und so mache

zum frohen Feste ihre böse Tat.
Gefangene zu töten ist zwar üblich,
doch Schlimmes keimt dem Staat aus solcher Saat.

Ich sage dir, es endet nur betrüblich.
Leg ab der Waffen Last, greif zum Pokal.
So werden sie dich preisen lang und lieblich.

Bald laut erschallt dein Lob und überall.“
So hob man an mit frohem Opferschlachten,
es sank zu Boden Vieh in großer Zahl.

Beim Speisen hörte auf das böse Trachten,
beim Bechern ward gelobt, sich mehr zu achten.

von dem Arbeiten im Weinberg (Matthäus 20,1-16)

Es wollte Jesus einst die Jünger lehren
und rief: „Herbei, versammelt euch um mich!“
Sie mochten ihm das Lehren nicht verwehren,

bald hat er Zwölfe sitzen rings um sich.
So fängt er an: „Ich will euch was erzählen:
Ein Mann hat einen Weinberg wunderlich.

Es sollte keiner bei der Ernte fehlen.
Zu seinen süßen Trauben schickt er hin,
für eine Münze Silber mag sich quälen,

wem noch nach Lohn und Brot stehn Herz und Sinn.
Ganz früh die Leute schon am Marktplatz stehen,
gleich sind sie Knechte und Arbeiterin.

Und stündlich wird der Herr der Kelter gehen,
zu werben Leute in der Trauben Amt. 
„Ihr könnt im Weinberg eure Runden drehen“

sagt er zu welchen, die zum Steh´n verdammt,
nichtsnutzig noch am Marktplatz dösen.
Ein Groschen, Leute, heute allesamt!

Sie gehen hin, den Hunger, jenen bösen,
mit einer Silbermünze abzulösen.

Und immer wieder geht er aus zu werben.
Den ganzen Tag lang ruft er. Mann um Mann.
Die einen fast schon schufteten zum Sterben,

als erst die Letzten draußen kamen an. 
„Sagt mir, warum sah ich euch nicht beizeiten?“ –
„Weil keiner sich bisher auf uns besann!“

Der Abend kam, man will zur Zahlung schreiten.
Der Herr zum Schaffner spricht: „Nun kommt das Glück.
Reich dar den Taler diesen guten Leuten.

Fang hinten an und geh bis vor zurück.“
Und so begann man mit dem großen Löhnen,
der Letzte nimmt das erste Silberstück.

Der Erste auch nicht mehr? Was für ein Stöhnen!
Geschimpfe, Wut und Zorn – es wird sehr laut …
Mit Neid und Hass in allen Untertönen

zankt man den Herrn des Weinbergs, dass uns graut:
„Ich müsste mehr bekommen, Herr. Bedenke,
die Stunde gegen zehn auf meiner Haut?“

„Wenn ich dem Letzten wie dem Ersten schenke,
nicht böse deinen Blick zu Boden senke!“

von dem Gesetz und der Gnade (Galater 3,19-29)

Solang du lebst, solange willst du kämpfen?
Es ist die Sünde, gegen die man ficht!
Und deren Macht kann keine Waffe dämpfen;

denn Kraft gab ihr, der einst erschuf das Licht.
Doch freilich wirkt sie nur begrenzt im Rahmen,
den Gott, der HERR, ihr weise zugericht´.

Er prägte ein der Welt ewige Rechte.
Darinnen lebt nun jedes Menschenkind.
Der gute Mann genauso wie der schlechte,

so lauten die Bedingungen. Es sind
aus Stein die beiden Tafeln für die Meute,
und früh beizeiten lernt sie jedes Kind.

Doch schließlich auch erkennen alle Leute,
dass stärker noch der Sünden Messer sind.
Du hast wohl gestern nicht, wirst auch nicht heute,

noch morgen früh so leichte steh´n im Wind.
Die Riesenmacht der Sünde zu besiegen,
ein andrer eilt zur Hilfe dir geschwind.

Die Sünde wird dich immer wieder kriegen,
dass du es merkst, soll das Gesetz dich biegen.

Denk nie, du kannst der Sünde schlau entfliehen,
wenn du des Gottes Weisung treu erfüllst.
Noch mehr in ihre Arme wird´s dich ziehen,

wenn du in gute Werke dich einhüllst.
Hieraus kann nur die Gnade echt befreien,
wenn du im Glauben sie empfangen willst:

Dass Glauben möglich ist, wird dich schon feien!
Damit du glauben willst, kam das Gesetz –
Mit Bitten kann der Mensch sich Glauben leihen.

Der Sklave, der dich zur Erkenntnis hetzt,
ist das Gesetz. Dass wir in Christus seien,
verwandelte die Taufe uns zuletzt.

Wer Christus glaubt, den wird dies Wort befreien:
Denn Freien lehnt der Stock nur an der Wand.
Ob wir von Juden oder Griechen seien,

wir zogen an das leuchtende Gewand.
Zuchtmeister warn uns lange die Gesetze,
nun lockerte sich aber dieses Band.

Die Gnade weist die Strenge auf die Plätze.
O, Freund, dass dich die Taufe bald benetze!

von dem guten Hirten (Psalm 23)

Wie aber könnte ich den Gott beschreiben,
an den wir glauben wollen ganz und gar?
In welchem Bilde soll er bei uns bleiben,

solang das Leben währt, von Jahr zu Jahr?
Einst wollte ich durch grüne Auen wandern,
lang ist es her – ich trug noch blondes Haar.

An diesem Tage kam nun eins zum andern:
Das Wetter wechselt plötzlich: Saus und Braus.
Es regnete mit Feuersalamandern,

schnell rette ich mich in ein fremdes Haus.
Dort drinnen tausend bunte Bilder schimmern,
ich ging umher und freute mich des Baus.

Im größten von den abertausend Zimmern
verharrte ich vor einem kleinen Bild.
Es zeigte einer Landschaft Mittagsflimmern,

mit einer Herde Schafe im Gefild.
Die grasten friedlich, kannten keine Mängel.
Ein Hirte stand dabei und blickte mild.

Er hielt in Händen einen langen Stengel
und war den Tieren, was den Menschen Engel.

Am Bache spielten Mädchen und auch Knaben.
Der Hirte lenkt ein Schaf in ihre Näh.
Ob Tiere Seelen haben und sich laben

an guten Kindern? Frag ich mich und seh,
ihn rechter Straße zu den Kindern leiten.
Ich frage mich, wer malt denn so, und steh

dabei. Gemalt sind auch ganz finstre Breiten,
und ich entziffere: „Der gute Hirt!“
der Name jenes Größten aller Zeiten …

Wie leicht der Kreuzstab wirkt – ich bin verwirrt.
Welch einfachste aus allen scharfen Waffen,
es kniet zu Tisch das Schaf, das sich verirrt.

Geheul von fern zeugt von der Wölfe Schaffen,
Der Hüter aber seine Tiere mild,
liebkost, schenkt ein zu trinken aus Karaffen,

barmherzig gut wird alle Not gestillt.
In dieses Haus werd ich zurück einst kehren,
denn folgen will ich lebenslang dem Bild.

Gott als ein Hirte – kostbarste der Lehren.
Er führet mich – und davon werd ich zehren.

von dem Hören und vom Tun (Jakobus 1, 19-25)

Es stellte sich der Mann vor diesen Spiegel
und holte mit der Rechten aus zum Schlag.
Zerschmettert kühn sein Bildnis mit dem Ziegel,

und als zuschlug war sein Namenstag.
Die Scheibe ging zu Bruch mit lautem Krachen
und jedermann im ganzen Haus erschrak.

Man eilt herbei und gafft mit offnem Rachen:
Was trieb zur Wahnsinnstat den armen Mann?
Er ordnet aber ruhig seine Sachen,

und was er sagt, das schlägt uns doch in Bann:
„Ein Jeglicher sei eifrig zuzuhören –
zu reden selber aber langsam dann.

Noch langsamer in Wut sich zu verschwören.
Denn blinder Zorn kann nicht, was gut und recht.
Lasst nicht von Schmutz und Bosheit euch zerstören,

nehmt an das Wort in Sanftmut. Und gerecht
wird es die Seele endlich selig machen.
Was ich euch heute sage, das ist echt.

Mit diesem Spiegel brachte ich zum Lachen
mich selbst und euch. Es ging um das Erwachen!

Seid nicht nur Hörer eines Wortes. Sondern Täter.
Nicht, dass ihr euch am Morgen schon betrügt …
So sagten schon die grauen alten Väter:

Wer hört und redet, doch nicht tut, der lügt.
Ich war ein Mann, und schaute in den Spiegel.
Und sah, wie sich darin mein Antlitz fügt.

Und nahm es immer hin, als sei´s ein Siegel
der ganzen Wahrheit. Froh trat ich bald ab …
Jedoch dies Fortgeh´n schuf ein neues Übel:

Wo ist das Bild? Sein Schimmer sank in´s Grab.
Was nunmehr folgte? Immer mehr Vergessen.
Was nicht getan ward, es auch niemals gab.

Erst wenn du tust, befreist du dich. Indessen
wenn du nur hörst, bleibst du ein Bild im Glas.
Die Wahrheit meines Bildes hab gemessen

vorhin mit einem Steine ich – das war´s!
Nur unser Tun wird mit dem Wort verbinden.
Das Hören bloß allein – bleibt meistens Spaß.

Ihr werdet nur zur Freiheit wirklich finden,
wenn ihr Gehörtes tut. Und überwinden!

von dem Ernste im Leben (Matthäus 10, 28-3)

Er blickte auf – und sah nun, wie sie saßen –
da jammerte das Volk den Meister sehr.
Sie waren satt, weil sie die Brote aßen.

Er schaut hinaus auf Galiläas Meer.
Und bittet seinen Jünger Patrus: „Lenke
mit deinem Kahn ein wenig hin und her.“

Der Fischer folgt dem Ruf, dass er nicht kränke
den Mann, der sie seit vielen Wochen lehrt
und treibt sein Schiff bis an des Ufers Senke,

wo Jesus dann das Wort sagt unbeschwert:
„Habt keine Furcht vor denen, die nur töten
den Leib, die Seele bleibt ja unversehrt.

Doch fürchten solltet ihr euch vor den Nöten
des Bösen, der das Wesen stört und bricht:
Der Höllen Herr und Freund von Gift und Kröten …

Ihr kennt, wen hier beschreibt, der zu euch spricht.
Lasst euch durch diesen Lumpen nicht verderben!
Und haltet euern Glauben sorgsam dicht.

Ihr könnt das Reich der Himmlischen ererben,
auch wenn der böse Feind euch schreckt mit Sterben.

Zwei Sperling kauft man sich um einen Heller.
Und keiner stürzt vom Himmel ohne IHN,
den EINZIGEN der Spähren. Er ist schneller –

und fängt den Vogel auf, sonst wär er hin.
Nun aber sind auch eures Hauptes Haare
gezählt. So wahr ihr glaubt an einen Sinn:

Ihr seid ihm noch um viele Male besser,
als Tausende von denen – Spatz um Spatz.
Gebt doch der Furcht nicht Raum! Sie ist Erpresser …

Bei mir steht ihr am allerhöchsten Platz.
Wer mich bekennt vor diesen fremden Meuten,
den will ich auch bekennen. Hört den Satz!

Vor Gott im Himmel als von meinen Leuten.
Wer mich jedoch vor Menschen höhnt und lacht,
der wird vor Gott mir auch nicht viel bedeuten.

Bedenk das jeder recht in seinem Fach.“
Das Boot fing wieder an zurückzuschwimmen.
Er sagte noch viel anderes mit Macht.

Wir hörten seine Stimme laut erklingen.
und priesen ihn mit Worten und mit Singen.

von der Gewissheit (Römer 8,28-38)

Seht, ein Geheimnis webt in unserm Leben:
Wer Gott liebt, dem wird alles schließlich gut.
Das gilt für die von ihm Erwählten eben,

weil er sie greift und rettet aus der Flut.
Wen Gott ersah, dem Sohne gleich zu werden,
dem schenkt Gemeinschaft er und Leidensmut.

Befreit von Schuld geht man dann auf der Erden,
hat Anteil an des Glaubens Herrlichkeit
und kündet davon freundlicher Gebärden:

„Wenn Gott für uns ist, kann doch in der Zeit
nichts und auch niemand Schädliches bewirken.
sein Sohn wacht mitten in der Sterblichkeit!

Wer stünde noch aus aller Welt Bezirken
zur Klage auf? Wir sind von Gott erwählt!
Befreit von Schuld – was zittertet jetzt ihr denn?

Ward nicht für uns Herr Christ zu Tod gequält?
Er starb für mich und dich, ist auferstanden –
nur diese Wahrheit ist es, die noch zählt.

Es ist der Herr in Gottes Reich vorhanden,
dort tritt er ein für uns und unsre Schanden.

Was also könnte uns von Christus trennen?
Angst, Leiden, Hunger, Armut, Folter, Tod?
Gefahren, in die arme Schafe rennen,

wenn du als Schächter nahst im Morgenrot?
Sie werden trotz des Leidens triumphieren,
vor ihm, der sagte, er sei Lebensbrot.

‚Der uns geliebt‘, klingt unser Jubilieren
‚ist Gottes Sohn, der Herre Jesus Christ.‘
Kein Engel, Dämon, Bestie von Tieren

raubt uns den Himmel, wo er König ist.
Kein Etwas aus der Zukunft großem Kommen
wird schaden uns zu irgendeiner Frist.

Es liebt der Herr die Seinen und die Frommen,
darum bewahrt er treulich vor Gewalt
in Tiefen und auf Höhen sie besonnen

beim Streiten mit des Bösen Ungestalt.
Es kann uns nichts von Gottes Liebe trennen,
er schenkt sie uns zum Lebensunterhalt.“

Lasst Christus eure Herzen weiter brennen,
dann wird man uns als seine Jünger kennen.

Sein und Haben (Matthäus 6,25-32)

Und wahrlich, wahrlich lasst euch von mir sagen:
Sorgt nicht um Essen, Trinken und den Leib.
Nicht dass ihr anfangt, Kleidern nachzujagen,

das Leben ist viel mehr als Zeitvertreib.
Seht an der Vögel Schwarm am Himmel fliegen.
Die säen nicht, doch ernten jederzeit –

und finden´s vor den Scheunen reichlich liegen,
ein guter Vater gibt es ihnen doch!
Ihr werdet reichlicher als diese Vögel kriegen,

die schlimmste Plage bleibt der Sorge Joch.
Betrachtet heut die Lilien auf dem Felde,
sie spinnen nicht und wachsen trotzdem hoch.

Ich sage euch, daß Salomo im Gelde,
nicht herrlich aussah wie von ihnen eins.
Wenn Gott das grüne Gras, das doch in Bälde

ins Feuer fällt, so prächtig kleidet, scheint´s:
Dass er euch Hosen schenken wird, ihr Toren!
Woher kommt er, der Grund des Unwohlseins?

Sie hörten Jesus zu mit heißen Ohren
und fühlten sich dabei wie neu geboren.

Darum, ihr sollt nicht sorgen oder sagen:
„Woher kommt heute Speise, woher Trank?“
Und nicht nach Kleidung müsst ihr immer fragen.

Nur Heiden handeln so. Welch übler Schwank!
Gott weiß, dass ihr des Nötigen bedürfet.
Dem Wissen Gottes gelte euer Dank.

Gerechtigkeit des Himmels, danach schürfet!
So fällt euch zu das andere gleich auch.
Mit Suppe, die ihr morgen erst einschlürfet,

wird Gott nicht füllen heute schon den Bauch.
Es ist genug, daß jeder Tag an Plage
das seine hat zum richtigen Verbrauch.

Wie viele Menschen trachten nur nach Habe.
Doch wisset, es geht immer um das Sein!
Wenn einmal dann der Rabe an dem Grabe

sein nunc finito krächzt mit lautem Schrein,
was hilft ein Übermaß gefüllter Konten?
Den Habenden ergreift die Höllenpein,

des Himmels Lichter Seiende besonnten!
Ich hoffe, dass ihr wisst um diese Fronten!

das Gleichnis vom viererlei Acker

Es hatten sich die Leute miteinander
versammelt einst. Man kam aus Stadt und Land.
Sie schauten Jesus bittend an, da wand er

sich um und Stille schuf das Winken seiner Hand.
Sie warten still – man sehnt sich zu vernehmen
ein Gleichnis. Alle lauschen und gespannt.

„Ein Sämann musste sich heut früh bequemen,
zu streuen edle Körner auf das Feld.
Indem er säte, kam es zu Problemen,

wie überall in der verrückten Welt.
Manch Korn fiel auf den Weg und ward zertreten,
die Vögel fraßen´s unterm Himmelszelt.

Auf Felsengrund fiel etwas ungebeten.
Ging auf und ist vertrocknet ohne Brot,
nicht Wurzel fand es hier auf dem Planeten.

Ein andres stürzt in wilder Hecken Not.
Wie quält es sich, die Dorne triumphierte,
das Korn jedoch verdarb vom Tod bedroht.“

Ach, wie der Hörer Menge es berührte,
als Jesus sie ins Reich des Landbaus führte.

Dann aber holt er aus zum letzten Schlage:
„Vernehmet auch, es gibt das gute Land.
Ein Samkorn, was dort wächst, ganz ohne Frage,

geht auf und bringt die gute Frucht zum Stand,
wird hundertfältig uns in Ähren tragen.
Vier Äcker gibt es: Feld, Weg, Fels und Rand.

Benutzt die Ohren. Merket auf mein Sagen!
Der Same nämlich, – das ist Gottes Wort.
Beton jedoch kann niemals Ähren tragen.

Fällt´s auf den Weg, nimmt Satan es sofort.
Auch ist ihm bei den Dornen kein Gedeihen
verkümmern wird es unter ihnen dort,

bedauernd müssen wir ihm das verzeihen …
Die Körner aber auf dem guten Beet,
sind jene, die mir ihre Ohren leihen!

Wer hört, vernimmt, behält es und versteht.
Und dann, in einem feinen guten Herzen,
wächst auf die Frucht. Geduldig im Gebet.

Ich mein es ernst und täusche nicht mit Scherzen!“
Da jubeln sie ihm zu. Trotz aller Schmerzen.

Josephs Träume (Genesis 37)

Und einen seiner Söhne hat er lieber.
Er machte ihm aus buntem Stoff ein Kleid.
Der schöne Knabe zog es täglich über,

auch nachts hüllt es ihn ein – zum Traum bereit.
Kein Wunder, dass der Brüder Zorn sich regte,
kein größer Leid ist als Geschwisterneid.

Welch Hassgefühl die Elferschar bewegte!
Denn eines Tages, hört, geschah noch dies:
„Mir träumte“ sagte Joseph „als ich legte

zur Nacht mich an der Schwelle Paradies,
elf Sterne neigten sich vor meinem Zwölften,
die Namen lauten, wie der Tierkreis hieß.

Auch Sonnenball und Mond in beiden Hälften,
gelobten mir voll Freude laut von fern,
der Jungfrau hellstem Sterne gern zu helfen.

Und fielen nieder dann vor mir als ihrem Herrn.
Es mussten seine Brüder alle hören,
wie er erzählt von Spica, seinem Stern.

Noch größer da ward Wut und ihr Empören.
Und Rache fingen an sie ihm zu schwören.

Doch Joseph wandelt unter ihrem Wüten
im bunten Rocke, alle Leute schau´n.
Einst sollte er weit draußen Kleinvieh hüten,

da bittet er sie zu sich in den Raum.
Er heißt die Brüder lagern weit im Kreise.
Dann, als sie sitzen, folgt der zweite Traum:

„Wir banden Korn nach alter Väter Weise,
bald standen unsre Garben fett und feist.
Was ich nun sage, nehmt euch zum Beweise,

dass dieser Traum mich als besonders preist.
Denn Eure Garben mit der Eltern beiden
verneigten sich vor meiner allermeist.“

Sie mochten diese Schauung gar nicht leiden –
was er erzählt, das fachte an den Mut.
Sie fingen an zu hassen und zu neiden,

bis eines Nachts entflammt sie steh´n vor Wut.
Und hoben an, einander zuzuschwören
aus Zorn die böse Tat in heißer Glut.

So riesenhaft hinauf reicht ihr Empören,
dass sie beschlossen, Joseph zu zerstören.

Ezechiel 36,26 (der Prophet erzählt)

Ich war gestürzt, lag matt am Wegesrande
und spürte große Schmerzen in den Brust.
Es war, als schnitt das Eisen einer Bande

tief in das Herz. Da wurde mir bewusst,
es werde wohl sein Schlagen enden müssen –
und damit auch des ganzen Lebens Lust.

Grad, dass ich noch zum Himmel rufen konnte:
„Herr Gott, errette mich aus meiner Not!“
Doch schon versank die Welt im Horizonte,

die Sinne schwanden mir, ich war wie tot.
Gleichzeitig noch vernahm ich starkes Summen,
ein Rauschen kam in meiner Ohren Schlot,

und wandelt sich in sanftes, tiefes Brummen:
„Du, Menschenkind, steh auf. Tritt vor mich hin.“
Und einer kam und rührte an mich Stummen,

und legte mir den Finger unter´s Kinn.
Und so erhob er mir das Haupt zu schauen –
und was ich sah, das war ein Neubeginn:

Es landete auf wiedengrünen Auen
ein Ding mit tausend Augen wie von Pfauen.

Ich barg mein Antlitz scheu mit beiden Händen,
versuchte wegzudrehen mein Gesicht –
vermochte aber nicht, mich abzuwenden.

Zu hell erstrahlt des Riesenfahrzeugs Licht.
Vier Räder sah ich kunstvoll sich verflechten,
die drehten sich, wie ohne ein Gewicht.

Eins links herum, das andere zur Rechten.
Sie mussten sich nicht wenden, wenn es ging.
Hoch über ihnen wirbeln wie beim Fechten

drei Flügelpaare als der Vögel Schwing´.
Wohin der Geist die Räder trieb, da rollten
sie hin des Gottes Herrlichkeit als Ding.

Jetzt sangen sie, dass sie mich wollten heilen.
Und hoben mich auf einer Bahre Brett.
Und fuhren dann mit kupfergoldnen Beilen

tief in den Leib mir, drangen in sein Bett.
Sie hoben aus der Brust mir aus das Herze –
wie harter Stein lag es dort einsam am Tablett.

Dann setzten sie ein neues ein. Die Schmerze
entflohen gleich. Und neu entflammt die Kerze.

Psalm 121 „Ich hebe meine Augen auf“

Da nach dem Gipfelkreuz wir beide reisten,
heb ich die Augen zu den Bergen auf.
Sah rosa schimmern sie, die weiß vereisten,

schau auch des steilen Weges grauen Lauf.
Bang ahnend frag ich mich, ist das zu schaffen –
mein Leben selbst als Preis, welch strenger Kauf!

Doch wo die  Felsenspalten ewig klaffen,
entbietet sich ein Blick in´s weite Rund.
langst du dort an, so endet das Erschlaffen,

die Luft ist klar, tut gut und macht gesund.
Da oben wohnt das Sein in vollster Stärke.
Dort oben schließt ein Gott mit dir den Bund!

Es kräftigt dich zu eignem guten Werke,
der einst erschuf den Himmel und die Erd.
Dein Hüter schlummert niemals. Das bemerke,

du, meine Seele, bist ihm tausendwert.
Beschützt vom Ätherreich der blauer Sphären
bleibst du in seiner Obacht unversehrt.

Drum weiterwandernd will das Lob ich mehren
und glaube an ein Ewigwiederkehren.

Die Wallfahrt zu dem Gipfel währet lange.
Und mancher deshalb leider blieb zurück.
Mir aber sage ich bei meinem Gange:

„Das Wort des HERRN wird hilfreich sein zum Glück.
Mein Fuß bleibt auf der Bahn und wird nicht gleiten,
schau nur voraus und blicke nicht zurück!“

So, wie des Adlers Schatten in den Weiten
sich formt an Federn und durch helles Licht,
wird dich auch Gottes Nähe alle Zeiten

bedecken und von dir entweichen nicht.
Am Tage wird die Sonne dich nicht stechen,
zur Mitternacht auch nicht des Mondes Licht.

Weil Gottes Bund mit mir wird nie zerbrechen,
und auch behüten vor dem Übel mich,
so will ich dir für alle Zeit versprechen,

dass er vor Unheil auch behütet dich.
Wir gehen beide auf dem Wege nicht verloren.
Ein Zweifeln daran wäre abwegig.

Am Ausgang und am Eingang zu den Toren,
steht der, der dort schon stand, als wir geboren.