von dem Weltgericht (Matthäus 25)

„Der Menschensohn wird aber wiederkommen,
und Urteil sagen über Schlecht und Gut.
Zum Himmel führt er dann die wirklich Frommen,

die andern gehn hinab bis tief zur Glut.“
So meint mein Engel – und ich musste lachen,
doch ihn verdross mein kecker Übermut.

„Er wird die Völker sammeln aller Sprachen,
und wird sich setzen auf den goldnen Thron.
Man wird die Bücher bringen, die den Rachen

aufsperren weit zu spenden letzten Lohn. 
Dann wird man aller Menschen Taten lesen.
‚Das Reich euch Guten‘, sagt der Gottessohn. 

‚Denn hungrig und auch durstig bin gewesen
ich damals. Fremd, gefangen nackt und krank.
Ihr speistet, tränktet, kleidetet erlesen

mich ohne Furcht vor Zank und vor Gestank.
Ich sehe wohl, ihr könnt euch nicht erinnern?
Es war, als ich im Leben tief versank.

Denn aller armen Brüder leises Wimmern
ist Gottes Echo und sein fernes Schimmern.“

Ich staunte ob der Rede. Vor dem Engel
verharr´ ich in Gedanken. Es gab da
in meinem Leben viele schlimme Mängel,

vor Augen ward mir schwarz, als ich sie sah.
Und jener fuhr im Ernste fort zu reden:
„Die Sache ist so klar wie Nein und Ja.

Was immer ihr getan habt einem jeden,
das habt ihr immer Christus auch getan.
Sieh´ diese dort, sie kehren um vor Eden.“

Ich sah sie traurig kommen Mann für Mann.
Was waren das für armselige Wesen:
Es wankt und kriecht verzweifelt zu mir an …

Der Engel ruft: „Vom Durst geplagt gewesen
war Gott. Auch nackt, Gefangener und krank.
Ihr speistet, tränktet, kleidetet erlesen,

ihn nicht und ekelt euch vor dem Gestank. –
und könnt euch nicht einmal darauf besinnen,
wie nur für euch er in das Schicksal sank!“

Und den Verfluchten eilte ich entgegen –
um Gnade bittend Gott um ihretwegen.

ars doloris

Und er ging
und kam nicht wieder.
Leiser klingen
unsre Lieder.

Einmal kommt,
und wird nicht gehn,
einer.
Hast Du ihn gesehn?

Bin ich’s selber,
ist’s ein Gott –
Nein. Es ist nichts.
Nichts ist dort.

Fasse Dich,
Du armes Herz!
trenne nicht
den Scherz vom Schmerz.

Mit der Zeit
wirst Du vergessen,
immer neu
die Qual zu messen.

Schicke mit den Vögeln schon
deine Düsternis davon.
Lass mit ihnen alles zieh’n. 
Nach des Frühlings Sonne hin.

von dem Wort am Anfang (Johannes 1,1-5)

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Wir traten ein und sahen viele Gipse,
aus Marmor schimmern Büsten mannigfach.
Der Raum war sonderbar, weil als Ellipse

bog er den Keller sich zu eignem Dach.
Die Köpfe und die Konterfeie waren
so recht und echt, dass Zweifeln uns gebrach.

Lang schauten wir und stumm auf diese Scharen
und stellten gegenüber uns im Kreis.
Nun finden ja Ellipsen auch in Jahren

nicht einen Mittelpunkt, wie jeder weiß.
Ich schlummerte wohl ein mit offnen Augen,
und die Gedanken lösten sich vom Gleis:

Der Raum begann mich sachte aufzusaugen –
ganz zart und leicht schien alles mir sodann.
Ich dachte noch, was wird´s am Ende taugen?

Da sprang mich plötzlich die Erkenntnis an:
Die beiden Punkten, da wir innen standen,
sind Raum und Zeit als Fragen “Wo“ und „Wann“.

Und wir, die ihre Kreise schief verbanden,
drum uns in einem Ei nun wiederfanden.

Es blieb wohl die Ellipse Ursprungswesen,
und Kreisen eines Wortes dicht bei Gott.
Gott selber hat ihr Wort sich angelesen,

unhörbar noch und trotzdem polyglott.
Darein geschmiegt ist bald das All erworden,
Gestalten standen auf für Zebaoth.

Und was entstand klang weiter in Akkorden,
Aus Sang und Schein gebar sich sonderbar
des Wortes Tat schwang aus bis hin zum Norden,

die Finsternis wacht auf und ihr wird klar,
sie will das warme Licht des Sinns umgreifen,
als Blütenpracht zwölf Monate im Jahr.

Erwachend schaute ich die Farben schweifen,
in feinem Klingen sammelte das Wort
den Sinn des Sinns in abertausend Reifen 

und pflanzt ihn zeitlich fort von Ort zu Ort.
Das ist der Quellen Born seit allen Zeiten,
der strömt und rauscht und blieb sein eigner Port.

Wir lauschten lang im Kreise dieser Breiten
und sahen große Dinge sich bereiten.

von dem Propheten und Diplomaten Elischa (2.Könige 6)

Das Großreich Syrien führt viele Kriege
und war den Kindern Israel meist feind.
Es hat, dass man den König klug besiege,

der Kreis der Offiziere sich geeint,
bei Dothan einen Hinterhalt zu legen.
Wenn einst des Königs Wagen hier erscheint,

soll´n Lanzen mit viel scharfen Spitzen fliegen.
Ein toter König? Flieht das ganze Heer!
Der Tote wird bei seinen Vätern liegen,

ein Sieg von selbst und ohne Gegenwehr.
Der König Joasch aber glaubt dem trauten
Propheten. „Gott als Helfer“ heißet der.

Elischa zeigt dem Freunde, wo sie bauten
an einer Falle für sein Zehnerreich.
So mied man klug die Stelle und bald schauten

die Syrer aus Verstecken zornesbleich:
„Es ist in unsrer Mitte ein Verräter,
der plaudert aus den Plan, welch böser Streich!“

Wer ist bei uns der frevelhafte Täter?
Den kriegen wir! Ob früher oder später …

Schon bald wird’s kund: Elisa, ein Prophete …
Er weiß von fern, was aussinnt Ben Hadad.
Die Worte zieh´n zu ihm als wie Magnete,

durch Mauern dringt´s, trotz heimlich galt der Rat.
Elischa, der Mann Gottes ist der Täter!
Er hat zum fernen Himmel einen Draht.

Im Bunde steht er mit der Kraft der Väter
und kann wohl machen, dass auch Eisen schwimmt.
Er ist Prophet und kennt, was kommt erst später,

und was er anfasst, glückt ihm und gelingt.
Die Syrer wollen ihn zu Tode bringen,
nach Dothan zieh´n sie, übler Tat gesinnt.

Im Schutz der Nacht kann ihnen das gelingen …
mit Rossen, Wagenkraft und großer Macht.
Doch soll man fürchten sich vor Eindringlingen,

wenn Engelscharen liegen auf der Wacht?
„Bei uns sind viel mehr als bei denen allen!“
Elischa seinem Diener sagt: „Gib Acht,

gleich wirst du hören meiner Stimme Hallen.
Die Augen auf, es wird dir sehr gefallen.“

Er sieht den Berg, erfüllt mit Ross und Wagen.
Schon rücken auch die Feinde schnell heran.
Elischa aber lacht und ohne Zagen

ruft er: „Mit Blindheit schlage jeden Mann!“
Und Gott? Er folgt dem Worte des Propheten:
Verschwunden ist, was sonst man sehen kann.

Ganz unerkannt zu ihnen ist getreten
Elischa. „Die ihr sucht den Weg zur Stadt,
ich leit´ euch gern. Folgt mir und meinem Beten.

Und als er alle an der Angel hat,
da führt er weit hinab sie in die Tiefe
Samarias. Hier wendet sich das Blatt.

Es war, als ob er wieder Gott beriefe:
„Nun, Herr, eröffne ihre Augen, daß sie sehn!
Und er, der Herr, gehorchend seinem Briefe,

macht sie erwachen und sie seh´n sich steh´n
inmitten fremder Truppen. Gegenüber
der Feinde bunte Fahnen flatternd weh´n.

Zum Streit bereit erbebt sich jeder Krieger,
Elischa aber dämpft des Kampfes Fieber:

Es gibt, wo Heere aufeinander prallen
stets tiefe Wunden, Blut und bittern Tod.
Das Schlimmste aber ist beim Krieg vor Allem,

versiegen können zwar die Wunden rot,
die Seele aber länger brüllt nach Rache.
Sie will fie Not, dass neues Unheil droht.

Elischa weiß um diese alte Sache
drum gibt er seinem König einen Rat:
„Bewirte deine Feinde und so mache

zum frohen Feste dir die böse Tat.
Gefangene zu töten ist zwar üblich,
doch schlimme Zukunft keimt aus solcher Saat.

Ich sage dir, es endet nur betrüblich.
Leg ab der Waffen Last, greif zum Pokal.
So werden sie dich preisen lang und lieblich.

Bald schon erschallt dein Lob laut überall.“
So hob man an mit frohem Opferschlachten,
und sank zu Boden Vieh in großer Zahl.

Beim Speisen hörte auf das böse Trachten,
beim Bechern ward gelobt, sich mehr zu achten.

von dem Arbeiten im Weinberg (Matthäus 20,1-16)

Es wollte Jesus einst die Jünger lehren
und rief: „Herbei, versammelt euch um mich!“
Sie mochten ihm das Lehren nicht verwehren,

bald hat er Zwölfe sitzen rings um sich.
So fängt er an: „Ich will euch was erzählen:
Ein Mann hat einen Weinberg wunderlich.

Es sollte keiner bei der Ernte fehlen.
Zu seinen süßen Trauben schickt er hin,
für eine Münze Silber kann sich quälen,

wem noch nach Lohn und Brot stehn Herz und Sinn.
Ganz früh schon Leute, die am Marktplatz stehen,
gleich sind sie Knechte und Arbeiterin.

Tagsüber wird der Herr des Weinbergs  gehen,
zu werben Leute in der Trauben Amt. 
„Ihr könnt im Garten eure Runden drehen“

sagt er zu welchen, die zum Steh´n verdammt,
nichtsnutzig noch am Marktplatz dösen.
‚Ein Groschen heut für jeden allesamt!‘

Sie ziehen hin, den Hunger, jenen bösen,
mit einer Silbermünze abzulösen.

Und immer wieder geht er aus zu werben.
Den ganzen Tag lang ruft er. Mann um Mann.
Die ersten schufteten fast bis zum Sterben,

als nun die Letzten draußen kamen an. 
„Sagt mir, warum sah ich euch nicht beizeiten?
Weil keiner sich bisher auf euch besann?“

Als Abend  ward, will man zur Zahlung schreiten.
Der Herr zum Schaffner spricht: „Nun kommt das Glück.
Reich meinen Taler dar den guten Leuten.

Fang hinten an und geh bis vor zurück.“
Und so begann man mit dem großen Löhnen,
der Letzte nimmt das erste Silberstück.

Der Erste auch nicht mehr? O, welches Stöhnen!
Geschimpfe, Wut und Zorn – es wird sehr laut …
Mit Neid und Hass in allen Untertönen

zankt man den Herrn des Weinbergs, dass uns graut:
„Ich müsste mehr bekommen, Herr. Bedenke,
die Stunde gegen zehn auf meiner Haut?“

„Wenn ich dem Letzten wie dem Ersten schenke,
nicht böse deinen Blick zu Boden senke!“

von dem Gesetz und der Gnade (Galater 3,19-29)

Solang du lebst, solange willst du kämpfen?
Es ist die Sünde, gegen die man ficht!
Und deren Macht kann keine Waffe dämpfen;

denn Kraft gab ihr, der einst erschuf das Licht.
Doch freilich wirkt sie nur begrenzt im Rahmen,
den Gott, der HERR, ihr weise zugericht.

Er prägte ein der Welt ewige Rechte.
Darinnen lebt nun jedes Menschenkind.
Der gute Mann genauso wie der schlechte,

so lauten die Bedingungen. Es sind
aus Stein die beiden Tafeln für die Meute,
und früh beizeiten lernt sie jedes Kind.

Doch bald erkennen schließlich alle Leute,
wie stärker doch der Sünden Messer sind.
Du hast nicht gestern, wirst nicht heute,

auch morgen früh so leicht nicht steh´n im Wind,
die Riesenmacht der Sünde zu besiegen.
Ein andrer muss zur Hilfe her geschwind.

Die Sünde wird dich immer wieder kriegen,
dass du das merkst, soll das Gesetz dich biegen.

Drum denke nie, du könntest ihm entfliehen,
wenn du des Gottes Weisung treu erfüllst.
Je mehr in seine Arme wird´s dich ziehen,

der du in gute Werke dich einhüllst.
Hiervon kann nur die Gnade echt befreien,
wenn du im Glauben sie empfangen willst:

Dass Glauben möglich ist, wird dich schon feien!
Damit du glauben willst, kam das Gesetz –
Mit Bitten kann der Mensch sich Glauben leihen.

Der Sklave, der zu solch Erkenntnis hetzt,
ist das Gesetz. Dass wir in Christus seien,
verwandelte die Taufe uns zuletzt.

Wer Christus glaubt, den wird dies Wort befreien:
Denn Freien lehnt der Stock nur an der Wand.
Ob wir von Juden oder Griechen seien,

wir zogen an das leuchtende Gewand.
Zuchtmeister warn uns lange die Gesetze,
nun aber lockert sich das strenge Band.

Die Gnade weist die Strenge auf die Plätze.
O, dass dich, Freund, die Taufe bald benetze!

von dem guten Hirten (Psalm 23)

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Wie aber könnte ich den Gott beschreiben,
an den wir glauben wollen ganz und gar?
In welchem Bilde soll er bei uns bleiben,

solang das Leben währt, von Jahr zu Jahr?
Einst wollte ich durch grüne Auen wandern,
lang ist es her – ich trug noch volles Haar.

An diesem Tage kam nun eins zum andern:
Das Wetter wechselt plötzlich: Saus und Braus.
Es regnete mit Feuersalamandern,

schnell rette ich mich in ein fremdes Haus.
Dort drinnen tausend bunte Bilder schimmern,
ich ging umher und freute mich des Baus.

Im größten von den abertausend Zimmern
verharrte ich vor einem kleinen Bild.
Es zeigte einer Landschaft Mittagsflimmern,

mit einer Herde Schafe im Gefild.
Die grasten friedlich, kannten keine Mängel.
Ein Hirte stand dabei und blickte mild.

Er hielt in Händen einen langen Stengel
und war den Tieren, was den Menschen Engel.

Am Bache spielten Mädchen und auch Knaben.
Der Hirte lenkt ein Schaf in ihrer Näh.
Ob Tiere Seelen haben und sich laben

an guten Kindern? Frag ich mich und seh,
es rechter Straße zu den Kindern leiten.
Ich frage mich, wer malt denn so, und steh

dabei. Gemalt sind auch ganz finstre Breiten,
und ich entziffere: „Der gute Hirt!“
der Name jenes Größten aller Zeiten …

Wie leicht der Kreuzstab wirkt – ich bin verwirrt.
Welch einfachste aus allen scharfen Waffen,
es kniet zu Tisch das Schaf, das sich verirrt.

Geheul von fern zeugt von der Wölfe Schaffen,
Der Hüter aber aber seine Tiere mild,
liebkost, schenkt ein zu trinken aus Karaffen,

gut und barmherzig wird die Not gestillt.
In dieses Haus werd einst zurück ich kehren,
denn folgen will ich lebenslang dem Bild.

Gott als ein Hirte – kostbarste der Lehren.
Er führet mich – und davon werd ich zehren.

von dem Hören und vom Tun (Jakobus 1, 19-25)

Dann stellte er sich vor den hohen Spiegel
und holte mit der Rechten aus zum Schlag.
Zerschmettert kühn sein Bildnis mit dem Ziegel,

und als zuschlug war sein Namenstag.
Die Scheibe ging zu Bruch mit lautem Krachen
und jedermann im ganzen Haus erschrak.

Man eilt herbei und gafft mit offnem Rachen:
Was trieb zur Wahnsinnstat den armen Mann?
Er ordnet ruhig seine Siebensachen,

und was er sagt, das schlägt uns arg in Bann:
„Ein Jeglicher sei eifrig zuzuhören –
zu reden selber aber langsam dann.

Noch langsamer mit Zorn sich zu verschwören.
Denn blinder Zorn kann nicht, was gut und recht.
Lasst nicht von Schmutz und Bosheit euch zerstören,

nehmt an das Wort in Sanftmut und gerecht
wird es die Seele endlich selig machen.
Was ich euch sage, glaubt mir, das ist echt.

Mit diesem Spiegel brachte ich zum Lachen
mich selbst und euch. Es ging um das Erwachen!

Seid nicht nur Hörer seines Wortes. Sondern Täter.
Nicht, dass ihr euch am Morgen schon betrügt.
So sagten schon die alten grauen Väter:

Wer hört und redet doch nicht tut, der lügt.
Es war ein Mann, der schaute in den Spiegel
und sieht, wie sich darin sein Antlitz fügt.

Er nimmt er hin und denkt, das sei ein Siegel
der ganzen Wahrheit. Froh trat er denn ab …
Jedoch sein Fortgeh´n schuf ein neues Übel:

Wo ist das Bild? Sein Licht sank hin in´s Grab.
Was nunmehr folgte? Immer mehr Vergessen.
Was nicht getan ward, es auch niemals gab.

Erst wenn du tust, befreist du dich. Indessen
wenn du nur hörst, bleibst du ein Bild im Glas.
Die Wahrheit meines Bildes hab gemessen

vorhin mit einem Steine ich – das war´s!
Nur solches Tun wird uns dem Wort verbinden
das Hören blos allein bleibt meistens Spaß.

Ihr werdet nur zur Freiheit wirklich finden,
wenn ihr Gehörtes tut auch überwinden!

von dem Ernste im Leben (Matthäus 10, 28-3)

Und als er sie nun sah, wie sie dort saßen –
ach, jammerte das Volk den Meister sehr.
Er hatte sie gespeist und da sie aßen,

schaut er hinaus auf Galiläas Meer.
Er bittet seinen Jünger Patrus: „Lenke
mit deinem Kahn ein wenig hin und her.“

Der Fischer folgt dem Ruf, dass er nicht kränke
den, der sie nun seit vielen Wochen lehrt. 
Er treibt sein Schiff bis an des Ufers Senke.

Und Jesus spricht das Wort ganz unbeschwert:
„Habt keine Furcht vor denen, die nur töten
die Körper – doch die Seelen unversehrt.

Wohl fürchten solltet ihr euch vor den Nöten
des Bösen, der die Seelen stört und bricht:
Der Höllen Herr und Freund von Gift und Kröten …

Ihr wisst, wen hier beschreibt, der zu euch spricht.
Lasst euch durch diesen Lumpen nicht verderben!
Und haltet euern Glauben sorgsam dicht.

Ihr könnt das Reich der Himmlischen ererben,
auch wenn der böse Feind euch schreckt mit Sterben.

Zwei Sperlinge kauft man um einen Heller.
Doch keiner stürzt vom Himmel ohne IHN,
den EINZIGEN der Spähren. Er ist schneller –

und fängt den Vogel auf, sonst wär er hin.
Nun aber sind auch eures Hauptes Haare
gezählt. So wahr ihr glaubt an einen Sinn:

Ihr seid ihm noch um viele Male besser,
als Tausende von denen – Spatz um Spatz.
Gebt doch der Furcht nicht Raum! Sie ist Erpresser …

Bei mir steht ihr am allerhöchsten Platz.
Wer mich bekennt vor diesen fremden Meuten,
den will ich such bekennen. Hört den Satz!

Vor Gott im Himmel als von meinen Leuten.
Wer mich jedoch vor Menschen höhnt und lacht,
der wird bei Gott mir auch nicht viel bedeuten.

Bedenk das jeder recht in seinem Fach.“
Das Boot fing wieder an zurückzuschwimmen.
Er sagte noch viel andres mit Macht.

Wir hörten seine Stimme laut erklingen.
und priesen ihn mit Worten und mit Singen.

von der Gewissheit (Römer 8,28-38)

Seht, ein Geheimnis webt in unserm Leben:
Wer Gott liebt, dem wird alles schließlich gut.
Das gilt für die von ihm Erwählten eben,

die er ergreift und rettet aus der Flut.
Wen Gott ersah, dem Sohne gleich zu werden,
dem schenkt Gemeinschaft er und Leidensmut.

Befreit von Schuld geht man dann auf der Erden,
hat Anteil an des Glaubens Herrlichkeit
und kündet davon freundlicher Gebärden:

„Wenn Gott für uns ist, kann doch in der Zeit
nichts und auch niemand Schädliches bewirken.
sein Sohn wacht mitten in der Sterblichkeit!

Wer stünde noch aus aller Welt Bezirken
zur Klage auf? Wir sind von Gott erwählt!
Befreit von Schuld – was zittertet jetzt ihr denn?

Ward nicht für uns Herr Christ zu Tod gequält?
Er starb für mich und dich, ist auferstanden –
nur diese Wahrheit ist es, die noch zählt.

Jetzt ist in Gottes Reich der Herr vorhanden,
dort tritt er ein für uns und unsre Schanden.

Was also könnte uns von Christus trennen?
Angst, Leiden, Hunger, Armut, Folter, Tod?
Gefahren, in die arme Schafe rennen,

wenn du als Schächter nahst im Morgenrot?
Sie werden trotz des Leidens triumphieren,
dem, welcher sagte, er sei Lebensbrot.

‚Der uns geliebt‘, klingt unser Jubilieren
‚ist Gottes Sohn, der Herre Jesus Christ.‘
Kein Engel, Dämon, Bestie von Tieren

raubt uns den Himmel, wo er König ist.
Kein Etwas aus der Zukunft großem Kommen
wird schaden uns zu irgendeiner Frist.

Es liebt der Herr die Seinen und die Frommen,
darum bewahrt er treulich vor Gewalt
in Tiefen und auf Höhen sie besonnen

beim Streiten mit des Bösen Ungestalt.
Es kann uns nichts von Gottes Liebe trennen,
er schenkt sie uns zum Lebensunterhalt.“

Lasst eure Herzen weiter Jesus brennen,
dann kann man uns als seine Jünger kennen.

Sein und Haben (Matthäus 6,25-32)

Painted in Waterlogue
Von den Lilien auf dem Felde

Und wahrlich, wahrlich lasst euch von mir sagen:
„Sorgt nicht um Essen, Trinken und den Leib.
Nicht dass ihr anfangt, Kleidern nachzujagen,

das Leben ist viel mehr als Zeitvertreib.
Seht an der Vögel Schwarm im Himmel fliegen.
Die säen nicht, doch ernten jederzeit –

und finden´s vor den Scheunen reichlich liegen,
ihr guter Vater gibt es ihnen doch!
Ihr werdet reichlicher als alle Vögel kriegen,

die schlimmste Plage ist der Sorgen Joch.
Betrachtet heut die Lilien auf dem Felde,
sie spinnen nicht und wachsen trotzdem hoch.

Ich sage euch, daß Salomo im Gelde,
nicht herrlich aussah wie von ihnen eins.
Wenn Gott das grüne Gras, das doch in Bälde

ins Feuer fällt, so prächtig kleidet, scheint´s:
Dass er euch Hosen schenken wird, ihr Toren!
Woher kommt er, der Grund des Unwohlseins?“

Sie hörten Jesus zu mit heißen Ohren
und fühlten sich dabei wie neu geboren.

„Darum, ihr sollt nicht sorgen oder sagen:
Woher kommt heute Speise, woher Trank?
Und nicht nach Kleidung müsst ihr immer fragen.

Die Heiden handeln so. Welch übler Schwank!
Gott weiß, dass ihr des Nötigen bedürfet.
Dem Wissen Gottes gelte unser Dank.

Gerechtigkeit des Himmels, danach schürfet!
So fällt euch zu das andere gleich auch.
Mit Suppe, die ihr morgen erst einschlürfet.

wird Gott nicht füllen heute schon den Bauch.
Es ist genug, daß jeder Tag an Plage
das seine hat zum richtigen Verbrauch.

Wie viele Menschen trachten nur nach Habe.
Doch wisset, es geht immer nur um Sein!
Wenn einmal dann der Rabe an dem Grabe

sein nunc finito krächzt mit lautem Schrein,
was hilft ein Übermaß gefüllter Konten?
Den Habenden ergreift die Höllenpein,

des Himmels Lichter Seiende besonnten!
Ich hoffe, dass ihr wisst um beide Fronten!“

das Gleichnis vom viererlei Acker

Es hatte dort die Menge zueinander
gefunden einst. Man kam aus Stadt und Land.
Sie schauten Jesus bittend an, da wand er

sich um und Stille schuf das Winken seiner Hand.
Man wartet still und sehnt sich zu vernehmen
ein Gleichnis. Darum lauschen sie gespannt.

„Ein Sämann musste sich heut früh bequemen,
zu säen edle Körner auf das Feld.
Indem er säte, kam es zu Problemen,

wie überall in der verrückten Welt.
Manch Korn fiel auf den Weg und ward zertreten,
die Vögel fraßen´s unterm Himmelszelt.

Auf Felsengrund fiel etwas ungebeten.
Ging auf und ist vertrocknet ohne Brot,
weil es nicht Wurzel fand auf dem Planeten. 

Ein andres stürzt in wilder Hecken Not.
Wie quält es sich, die Dorne triumphierte,
das Korn jedoch verdarb vom Tod bedroht.“

Ach, wie der Hörer Menge es berührte,
als Jesus sie ins Reich des Landbaus führte.

Dann aber holt er aus zum letzten Schlage:
„Vernehmet auch, es gibt das gute Land.
Ein Samkorn, was dort wächst, ganz ohne Frage,

geht auf und bringt die gute Frucht zustand,
wird hundertfältig uns in Ähren tragen.
Vier Äcker gibt es: Feld, Weg, Fels und Rand.

Benutzt die Ohren. Merket auf mein Sagen!
Der Same nämlich, – das ist Gottes Wort.
Doch auf Beton kann es nicht viel ertragen.

Fällt´s auf den Weg, nimmt Satan es sofort.
Auch ist ihm bri den Dornen kein Gedeihen
verkümmern wird es unter ihnen dort,

bedauernd müssen wir ihm das verzeihen …
Die Körner aber auf dem guten Beet,
sind jene, die mir ihre Ohren leihen!

Wer hört, vernimmt, behält es und versteht.
Und dann, in einem feinen guten Herzen,
wächst auf die Frucht. Geduldig im Gebet.

Ich mein es ernst und täusche nicht mit Scherzen!“
Da jubeln sie ihm zu. Trotz aller Schmerzen.

Josephs Träume (Genesis 37)

Doch einen seiner Söhne hat er lieber
und machte ihm aus buntem Stoff ein Kleid.
Der schöne Knabe zog es täglich über,

auch nachts hüllt es ihn ein – zum Traum bereit.
Kein Wunder, dass der Brüder Zorn sich regte,
kein größer Leid ist als Geschwisterneid.

Welch Hassgefühl die Elferschar bewegte!
Denn eines Tages, hört, geschah noch dies:
„Mir träumte“ sagte Joseph „als ich legte

zur Nacht mich an der Schwelle Paradies,
elf Sterne neigten sich vor meinem Zwölften,
die Namen lauten, wie der Tierkreis hieß.

Auch Sonnenball und Mond in beiden Hälften,
gelobten mir voll Freude laut von fern,
der Jungfrau hellstem Sterne gern zu helfen.

Und fielen nieder dann vor mir als ihrem Herrn.
Das mussten seine Brüder alle hören,
wie er erzählt von Spica, seinem Stern.

Nur größer wurde Wut und ihr Empören.
Und Rache fingen an sie ihm zu schwören.

Doch Joseph wandelt, unter ihrem Wüten,
im bunten Rocke, alle Leute schau´n.
Einst sollte er weit draußen Kleinvieh hüten,

da bittet er sie zu sich in den Raum.
Er heißt die Brüder sitzen weit im Kreise.
Dann, als sie sitzen, folgt der zweite Traum:

„Wir waren Korn zu binden nach der Väter Weise,
bald standen unsre Garben fett und feist.
Was ich nun sage, nehmt euch zum Beweise,

dass jeder Traum mich als besonders preist.
Denn Eure Garben und der Eltern beiden
verneigten sich vor meiner allermeist.“

Sie mochten diese Schauung gar nicht leiden –
was er erzählt, das fachte an den Mut.
Und sie begannen ihn zu hassen und zu meiden,

bis eines Nachts entflammt sie stehn vor Wut.
Und fingen an, einander zuzuschwören
aus Zorn die böse Tat in heißer Glut.

So riesenhaft hinauf reicht ihr Empören,
dass sie beschlossen, Joseph zu zerstören.

Ezechiel 36,26 (der Prophet erzählt)

Ich war gestürzt, lag matt am Wegesrande
und spürte große Schmerzen in den Brust.
Es war, als schnitt das Eisen einer Bande

tief in das Herz. Da wurde mir bewusst,
es werde nun sein Schlagen enden müssen –
und damit auch des ganzen Lebens Lust.

Grad, dass ich noch zum Himmel rufen konnte:
„Herr Gott, errette mich aus meiner Not!“
Doch schon versank die Welt im Horizonte,

die Sinne schwanden mir, ich war wie tot.
Gleichzeitig noch vernahm ich starkes Summen,
ein Rauschen kam in meiner Ohren Schlot,

und wandelt sich in sanftes, tiefes Brummen:
„Du, Menschenkind, steh auf. Tritt vor mich hin.“
Und einer kam und rührte an mich Stummen,

und legte mir den Finger unter´s Kinn.
Und so erhob er mir das Haupt zu schauen –
und was ich sah, das war ein Neubeginn:

Es landete auf einer grünen Auen
das Ding mit tausend Augen wie von Pfauen.

Ich barg mein Antlitz scheu mit beiden Händen,
versuchte wegzudrehen mein Gesicht –
vermochte aber nicht, mich abzuwenden.

Zu hell erstrahlt des Riesenfahrzeugs Licht.
Vier Räder sah ich kunstvoll sich verflechten,
die drehten sich, wie ohne ein Gewicht.

Eins links herum, das andere zur Rechten.
Sie mussten sich nicht wenden, wenn es ging.
Hoch über ihnen wirbeln wie beim Fechten

drei Flügelpaare als der Vögel Schwing´.
Wohin der Geist die Räder trieb, da rollten
sie hin des Gottes Herrlichkeit als Ding.

Jetzt sangen sie, dass sie mich wollten heilen.
Und hoben mich auf einer Bahre Brett.
Und fuhren dann mit kupfergoldnen Beilen

tief in den Leib mir, drangen in sein Bett.
Sie hoben aus der Brust mir aus das Herze –
wie harter Stein lag es dort einsam am Tablett.

Dann setzten sie ein neues ein. Die Schmerze
entflohen gleich. Und neu entflammt die Kerze.

Psalm 121 „Ich hebe meine Augen auf“

Da nach dem Gipfelkreuz wir beide reisten,
heb ich die Augen zu den Bergen auf.
Sah rosa schimmern sie, die weiß vereisten,

schau auch des steilen Weges grauen Lauf.
Bang ahnend frag ich mich, ist das zu schaffen –
mein Leben selbst als Preis, welch strenger Kauf!

Doch wo die  Felsenspalten ewig klaffen,
entbietet sich ein Blick in´s weite Rund.
langst du dort an, so endet das Erschlaffen,

die Luft ist klar, tut gut und macht gesund.
Da oben wohnt das Sein in vollster Stärke.
Dort oben schließt ein Gott mit dir den Bund!

Es kräftigt dich zu eignem guten Werke,
der einst erschuf den Himmel und die Erd.
Dein Hüter schlummert niemals. Das bemerke,

du, meine Seele, bist ihm tausendwert.
Beschützt vom Ätherreich der blauer Sphären
bleibst du in seiner Obacht unversehrt.

Drum weiterwandernd will das Lob ich mehren
und glaube an ein Ewigwiederkehren.

Die Wallfahrt zu dem Gipfel währet lange.
Und mancher deshalb leider blieb zurück.
Mir aber sage ich bei meinem Gange:

„Das Wort des HERRN wird hilfreich sein zum Glück.
Mein Fuß bleibt auf der Bahn und wird nicht gleiten,
schau nur voraus und blicke nicht zurück!“

So, wie des Adlers Schatten in den Weiten
sich formt an Federn und durch helles Licht,
wird dich auch Gottes Nähe alle Zeiten

bedecken und von dir entweichen nicht.
Am Tage wird die Sonne dich nicht stechen,
zur Mitternacht auch nicht des Mondes Licht.

Weil Gottes Bund mit mir wird nie zerbrechen,
und auch behüten vor dem Übel mich,
so will ich dir für alle Zeit versprechen,

dass er vor Unheil auch behütet dich.
Wir gehen beide auf dem Wege nicht verloren.
Ein Zweifeln daran wäre abwegig.

Am Ausgang und am Eingang zu den Toren,
steht der, der dort schon stand, als wir geboren.

die Versuchung in der Wüste

Da ist der Drang, sich vor der Welt zu zeigen,
nicht nur die jungen Leute trifft die Qual …
Wer könnte denn sein Königreich verschweigen?

Der Berg ruft laut – und man verlässt das Tal.
Dem Jesus ist es ebenso ergangen,
Die Schlange stellt ihn dreimal vor die Wahl.

Auch dich kann einst der wüste Ort empfangen,
seitdem du stiegest aus der Taufe Flut.
Es führt zwar Gottes Geist direkt zu Schlangen,

doch vierzig Tage Fasten weckt den Mut.
Dem großen Anderen wirst du begegnen,
der an dir reißen darf mit List und Wut.

Schon naht er sich und fädelt ein verwegen
den Plan: „Schau, Gottessohn. Dort liegt ein Stein.
Willst du den Brocken nicht als Brotlaib segnen?

Sprich, iss und stähle uns auch Mark und Bein.
Gabst du dem Volk, wonach sie hungrig streben,
wirst du in Kürze auch ihr König sein.“

Doch er: „Nur Brot allein stärkt nie dein Leben.
Das Wort ernährt uns – wenn von Gott gegeben!“

Du fragst mich nach dem Namen dieses Fremden?
Es ist der Überfeind, der sich mit List
und Täuschung hüllt in tausend bunte Hemden,

betrügt und Suchenden zuwider ist.
Schon schleppt er Jesus auf des Tempels Zinne,
und fordernd raunt ihm dort der Bösewicht:

„Wirf dich hinab, o lieber Bruder! Minne
der guten Engel Hilfetat. Vertrau!
Des Weges ihres Lieblingssohnes inne,

steh´n sie hab acht zu fangen dich im Blau.“
Er aber rügt: „‚Nicht wolle kühn erproben
die Wunder Gottes!‘ rät die Schrift genau!“

Da packt er ihn und nach den Gipfeln droben
reißt ihn der Arge jetzt bis hin zum Pass.
Und zeigt die Macht der Möglichkeiten oben:

„Tu, was du willst! Dein sei das Übermaß!
Mich bete an – dann kann ich dir auch dienen!“
Doch Jesus nur: „Verschwinde, Satanas!“

Sogleich erschienen Gottes Seraphinen,
Wir spürten sie bereits jenseits der Tür …
Jedoch der Böse floh und fluchte ihnen,

Drum, lieber Meister, immer bitten wir:
„Nicht führe in Versuchung uns dafür!“

dicht bei Endor (1.Samuel 28,4-25)

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„Wir müssen nun“, so sagte bang mein Bote,
„zur Ebene, die Sterblichen meist fremd.
Du lernst sie kennen als Bereich, wo Tote

inständig hoffen, dass man sie noch kennt.
Hier ist der Lagerplatz für jene, die schon waren,
und die das Sein noch ungeboren nennt.“

Ich blickte auf und sah unendlich Scharen
von Wesen, angetan mit langem Kleid.
Die wandelten und oben schwebten Aaren,

und einer wacht für jeden allezeit.
„Das sind wir Engel“ sagte mir mein Führer,
„auch ich bin einer. Der für dich bereit!

Wir sind Geleitende und wache Spührer.
Bewahren eure Seelen vor dem Geist.
Tritt jemand an des Lebens offne Tür, er

sieht niemals gleich, dass auch von uns zumeist
sich einer aufmacht in die Weltensphären,
geleitend durch das Leben. Das beweist:

Wir werden allen Wandernden gewähren,
Trost, Hilfe auch in ihres Seins Gefähren.

Genau das aber bleibt den Allermeisten
verhüllt. Doch ist auch Möglichkeit zu schaun.
Diejenigen, die mutig hierher reisten,

sie blieben oft gefangen wie im Traum.
Es gibt dort eine Spalte in den Mauern,
wer durchblickt, kann dem Sehen nicht mehr trau´n.

Ich warne dich, durchaus auch mit Bedauern:
Vor einem Weib im fernen Land Endor.
Sie hat die Unglücklichen aufzulauern,

und sie ist klug, mit List zieht sie hervor,
was uns verborgen blieb dank Gottes Gnade:
Das Wissen von der Zukunft offnem Tor.

Da, schau! Schon nahet sich auf krummen Pfaden
ein Suchender. Kennst du den König Saul?
Sie wird ihm helfen! Doch zum großen Schaden.

Schon schreckensbleich erschlafft dem Mann das Maul.
Denn sieh, ihn traf der Größte von den Sehern.
Er stürzt vor Samuel hin mit Gejaul.

So geht´s nicht selten neugierigen Spähern,
der Hexe wegen, der wir uns jetzt nähern.

Wir steigen über den Bedauernswerten,
ich frage, wo das Weib zu Endor sei?
Er schaut mich an, wie einer der Gelehrten,

ein buntes Büchlein hat er mit dabei.
Drin wies er mir viel krause Charaktere.
Und spricht mit angenehmer Stimme zweierlei:

„Der Ort Endor liegt jenseits aller Meere
und birgt in jedes Menschen Seele schief
sich ein. Dass er das Leben nicht beschwere,

der Schöpfer selbst den Ort zur Ordnung rief.
Damit er aber noch im Sein verbliebe,
fügt Gott der Zeit ihn ein als Wunde tief.

Die Wunde schließt er zu mit sanftem Hiebe –
das Weib zu Endor reißt sie wieder auf.
Sie zwingt die Ewigkeit in wilder Liebe,

und zerrt das Niegeschehene herauf.“
Ich rief: „Lass uns den Spalt alsbald verschließen!“
So bat den Engel ich leicht obenauf.

Er aber gab mir Antwort zum Verdrießen:
Ein Festmahl ist mit Salz nur zu genießen …

Endor bedeutet ‚ohne alle Zeiten‘.
EN das ist ’nicht‘ und DOR ‚Generation‘.
Es gibt dort nicht ein Nacheinanderschreiten,

der Vater ist der Enkel, ist der Sohn.
Die Frau ist Mann, die Menschen sind die Tiere –
und wer was sagt, vergisst es dadurch schon.

Der, wer vergisst, wird aber zum Scharniere,
denn alles Wissen kommt ihm gleich sofort.
Und keiner ist, der dieses Ding blockiere,

nun, Katharina, fürchte nicht den Ort.
Betrachte ihn durchaus im rechten Lichte.
Schau durch das Glas aus Christi gutem Wort.

Und als er´s sagte, führt er zum Gesichte
mir eine Linse, wie in Rohren sind,
dass man auf Schiffen sie zu Fernen richte,

und Kurs gehalten werden kann im Wind.
Ich aber geb nicht nach mit vielem Fragen.
Da sagt er sanft zu mir: „Kind, bist du blind?

Du selbst musst sein das Weib in diesen Tagen.
Doch Christi Wort das Glas. Drum lass dein Zagen.

Lazarus (Johannes 11)

Martha, Maria und Lazarus waren
Geschwister im schönen Betania.
Jesus besuchte die drei schon seit Jahren

und freute sich immer, wenn er sie sah.
Maria, die Hörende, Martha die Magd –
besonders steht Jesus Lazaro nah.

Nun ging in den Tagen der Tod auf die Jagd.
Wird rasten im Haus der lieben Geschwister,
da mäht er den Bruder dahin – ungefragt.

Dann zieht er weiter mit seinem Tornister.
Wo geht er denn hin? Und wen wählt er aus?
Meist ungebeten kommt er und ist er.

Verzweifelt läuft Martha zum Dorfe hinaus.
Sie ahnt wohl sein Nahen? Ihr göttlicher Meister:
„Lazarus ruht in der Höhle, – o Graus.

Wie bitter der Tod, der böse Erdreister!“
Jesus getröstet: „Er wird auferstehn!“
Die Schwester lauscht dem Gebieter der Geister.

Laut weint sie und sagt: „Wie wäre es schön,
wenn wirklich es gäbe solch Wiedersehn!“

Nun war da ein Garten in jener Gegend,
da hatte es Höhlen wohl ohne Zahl.
In eine derselben legte man segnend

Lazarus’ Leib, als geendet die Qual.
Da gehen sie hin, betrachten die Stätte
laut klagend eins um das andere Mal.

Doch Jesus zerreißt der Trauernden Kette,
und stellt sich gegen den wütenden Tod.
Wohl niemand glaubt an des Wagenden Wette,

es liegt seit vier Tagen, man riecht schon die Not!
Doch Jesus ergrimmt im Herzen vor Jammer
er weiß, den er liebt, bedroht nun der Kot.

Drum ruft er: „Tut fort den Stein von der Kammer.“
Und als es geschehen, beugt er sich vor.
Und seine Stimme als waltender Hammer

ruft ihn: „Nun Lazarus, komme hervor.“
Da wankt es heraus, in leinenen Rinden.
Laut lobend erhebt sich der Staunenden Chor:

„Befreit den Erstandnen von diesen Binden,
der Tod darf nicht mehr den Lebenden schinden.“

Tabor

Am sechsten Tage sollten sie nun kommen
mit ihm zu eines hohen Berges Grat.
Sankt Jakob, Petrus, Johann sind die Frommen

aus seiner Schar. Obwohl der Rest ihn bat,
zu gönnen allen zwölfen diese Reise,
sagt er den Neun: „Ihr bleibt hier in der Stadt!“

Vier ziehen los. Sie wandern die Geleise,
auf denen sich die Gipfel nähern an.
Dort oben ist noch etwas von dem Eise

des Winters, was man deutlich spüren kann.
Der Berg heißt Tabor. Fern wird hier zur Nähe,
denn lichte Kräfte rühren jedermann.

Im Namen TABOR einen sich zur Ehe
TOB, das ist GUT – und OR, ein Wort für LICHT.
Dass in dem Glanze man das Andre sehe,

ist von dem Meister so beabsichtigt.
Am Mittag zeigt sich schon des Pfades Ende –
den Blicken ringsum herrlich klare Sicht.

Die Sonne schenkt ihr Licht in voller Spende,
und stieg bis zum Zenit, wo ihre Wende.

Verklärt vor ihnen strahlt sein Angesichte
und auch das Kleid, wie sonst der Schnee nur gleißt.
Dann nahen zwei heran als zum Gerichte:

der Wüstemann, und der zum Himmel reißt.
Bereden sich mit Jesus, dem Verklärten,
was Zukunft meint und was vergangen heißt.

Seht, Mose steht zur Linken des Verehrten.
Elia fand zur Rechten einen Platz.
Und als Belehrte neigen sich dem werten

Sohn Gottes beide tief bei jedem Satz,
der heilig strömt herab vom seinem Munde,
sich preisgibt als der Weisheit höchster Schatz.

Da! Petrus meldet sich mit andrer Kunde:
Er stammelt ratlos ein „Hier ist gut Sein!
Willst du, bau ich drei Hütten eurer Runde.“

Da wurde plötzlich alles grau und klein.
Und abwärts müssen sie, hinab zu Tale.
Der Herr befielt den Dreien Stillesein:

„Wenn ihr bestaunt einst meine Nägelmale,
erst dann zerbrecht des Schweigens harte Quale.“

Petrus auf den Wogen

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Hinaus in´s Einsame hat sich entzogen
einst Jesus seiner Jünger Zwölferschar.
Vom See zum Strande wandern sacht die Wogen,

er aber zum Gebirge hin. Es war
schon Abend. Draußen ist er ganz alleine,
im Glanz von Berenikes Sternenhaar.

Dort droben ist die Klarheit, ist die Reine.
Und Stille ward. Nur manchmal ruft ein Tier.
Es redet Gott zu ihm beim Ölbaumhaine,

im Hauch des Windes, lieblicher Zephyr.
Die Jünger steigen unten in die Boote,
er nimmt sie oben sorglich ins Visier.

Der Wind schlägt um. Schnell kommt man aus dem Lote:
Und rudert wild verzweifelt. Hört ihr Schrein!
Schon viele riss das Meer sich zu – als Tote.

Der starke Sturm holt sie gewaltig ein.
Da steigt er zu den Freunden auf die Wellen,
und schreitet drauf, als wär es fester Stein.

Er wandelt einfach über alle Dellen,
und wird den Freunden sich als Helfer stellen.

Am Festland schütteln Hähne das Gefieder,
die Sonne rüstet sich zu rollen ihre Bahn.
Den Jüngern fährt ein Schrecken in die Glieder,

Gestalten kommen, glauben sie, heran.
Die Nacht ist aus, zur vierten Wache wendet
die Finsternis den Tag, als sie ihn sah´n,

am Horizont, dort wo das Wasser endet,
seltsames Schreiten auf die Rudrer zu.
„Gespenster!“ schreit man. Jesus aber sendet

die frohe Botschaft ihnen: „Gebet Ruh.
Ich bin es, Freunde. Lasset das Gezitter.
„Du, Herr?“ ruft Petrus „Wirklich bist das du?

Der Unheil enden kann, sogar Gewitter?
So heiß mich zu dir kommen auf dem Braus.“
„Dann komme!“ sagt Herr Jesus seinem Ritter.

Und Petrus springt mit Mut zum Boot hinaus.
Doch als er spürt der Wasserstrudel Schrauben,
da reißt des Helden Mut und Angst wird draus.

„Ich sinke, Herr! Das Meer will mich dir rauben!“
„Nimm meine Hand. Zum Anker wird dein Glauben!“