Reformation.2017 – Projekt in Kropstädt (Visitation der Pfarrstelle 1528)

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Kropstädt lädt ein zur „Visitation“: Die Gemeinde bietet kostenlose Führungen und Raum für Andachten an.

Das Kropstädter Gotteshaus gehört zu den Kirchen, die die Reformatoren zwischen 1528 und 1533 im Auftrag des Kurfürsten untersuchten. Der Visitationsbericht von 1533, zu finden im digitalen Archiv der Reformation, vermerkt, dass der „itzige Pfarrer Conradt (…) wegen seines Alders und anderen bedenglich Ursachen der Seelsorge nicht tauglich“ sei. Die Recherche, ob Martin Luther selbst, oder einer seiner Kollegen Visitatoren – wie Johannes Bugenhagen, Justus Jonas -den Visitationsbericht geschrieben haben, ist noch nicht abgeschlossen. Sicher ist: Pfarrer Conradt durfte „Besitzung und Behausung“ sowie Einkommen behalten, aber sein Amt sollte künftig ein „Coadictor“, also ein anderer Pfarrer, ausüben.

Martin Luther Visitator

Rund 100 Jahre, bevor Kropstädts alte Feldsteinkirche dem 30jährigen Krieg zum Opfer fiel, kam der Reformator Martin Luther im Jahr 1533 zu einer seiner Visitationen. Damals und bis ins 19. Jahrhundert hinein hieß der Ort noch Ließnitz. Luther nennt in seinem Bericht 26 „Hufner“ (Bauern mit Grundbesitz) und drei „Cossaten“ (weniger wohlhabende, aber über ein Häuschen mit Garten verfügende Dorfbewohner). Luther nennt als „Kirchendiener“ den Pfarrer Conradt, „ein alt man von wegen seines Alders und anderen bedenglich Ursachen der Seelsorge nicht tauglich (…) Aber sein Leben lang soll er in der Güter Besitzung und Behausung auch bei allem Einkommen belassen werden.“ So hielt die Reformation auch in Kropstädt Einzug, das Abendmahl in beiderlei Gestalt – mit Brot und Wein – wurde zur Regel.
Die jetzige Kirche wurde 1830 auf den Trümmern der alten im klassizistischen Stil errichtet – ohne Turm, aber ergänzt um zweigeschossige Emporen. Beim täglichen Abendläuten um 19 Uhr kann man die große Glocken aus dem 12. Jahrhundert und ihre 1618 hinzugekommene „Schwester“ hören.

Ort der Stille – und der Berühmtheiten

Die Kropstädter Kirche, heute ein Ort der Stille und des Gebets, zeugt von der damaligen Umbruchzeit. Die ursprünglich als romanische Feldsteinkirche errichtete Kirche hat die ruhige Aura alter Zeiten bewahrt, obwohl aus dem 12. Jahrhundert nur noch die Apsis mit romanischem Fenster erhalten ist. Eine der Glocken stammt ebenfalls noch aus dieser Zeit. Der kleine Ort Kropstädt, seit 2010 ein Ortsteil der Lutherstadt Wittenberg, hat heute gut 750 Einwohner/innen. Ein berühmt gewordener Kropstädter ist der Mystiker und Kirchenlieddichter Martin Moller (1547-1606), dessen siebenstrophiger Choral „Nimm von uns, Herr, du treuer Gott“, in der Vertonung durch Johann Sebastian Bach als Kantate 1724 in Leipzig uraufgeführt wurde.
Der Liedermacher Hans-Eckardt Wenzel (* 1955) und die Schauspielerin Claudia Wenzel (*1959) zählen ebenso zu den Kindern Kropstädts wie der Maler Manfred Wenzel und der Rockmusiker Hans Wintoch alias „Hans die Geige“ (* 1954).

Kommen und schauen

Gäste sind herzlich eingeladen, sich für Besichtigung bzw. Führung etwas Zeit zu nehmen. Sehenswert ist nämlich auch das angrenzende Schloss Kropstädt, das sich bis 1945 im Besitz der Familie von Arnim befand. Deren Wappen ist auch in der Kirche noch zu sehen. Danach nutzte man das heutige Schlosshotel als Kurheim für Mütter und Kinder.

Kropstädt liegt am Jakobsweg, dessen Streckenabschnitt nach Wittenberg mit gut zwölf Kilometer Kurzzeitpilger gerne nutzen. Die Gemeinde freut sich über Besucherinnen und Besucher und bietet auch Gruppen an, eigene Andachten oder andere Veranstaltungen in der Kropstädter Kirche zu feiern. Interessierte mögen sich wenden an Michael Schicketanz, Mail: michael@schicketanz.com oder an Pfarrer Matthias Schollmeyer Kirchplatz 3 06895 Zahna-Elster Tel: 034924 20478, Mail: zahna@kirchenkreiswittenberg.de

(Text: Katharina Körting – Reformationsbeauftragte im Kirchenkreis Wittenberg)