Theaterkirche Woltersdorf

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Unter der Regie von Eberhard Schulz spielt das Ambulante Kirchen-Theater Halle/S. in der Theater-Kirche Woltersdorf am 31. Juli 2016, 16.00 Uhr „Verwandlung und wahres Gesicht“. Texte und Musik aus Ovids Metamorphosen. Eine Reise in antike Götterwelten mit der Verwandlung von lateinischer Dichtung in deutsche Erzählung und Musik für Oboe von Benjamin Britten. Großartig, muss man erlebt haben. Denn wer von uns wäre nicht schon mindestens einmal verwandelt worden – wünschte sich dieses – oder gerade eben nicht?

Eintritt frei – Kollekte erbeten

Sechs Metamorphosen nach Ovid – Was für Musik ist das?
Benjamin Britten, gestorben vor 40 Jahren, schrieb die „Metamorphosen“ für die Oboerin Joy Boughton, die sie vor 65 Jahren am 14. Juni 1951 uraufführte. Bei den Stücken han- delt es sich um Programm-Musik, das heißt, die Musik steht nicht einfach für sich, sondern zeichnet Geschichten nach. Der Zuhörer kann die Klagen von Pan und Niobe hören, sich die rasende Fahrt des Phaëthon vorstellen, die Trunkenheit bacchischer Feierlichkeiten erleben, den unerfüllten Dialog des Narcissus mit ansehen und bei der Verfolgungsjagd der Arethusa selbst atemlos werden, wenn – ja, wenn er die Geschichten dazu kennt.

Moderne trifft Antike – Musik trifft Text – Latein trifft Deutsch
Die 65 Jahre alte und immer noch als modern wahrzunehmende Musik ist nur zu erschlie- ßen, indem die noch viel älteren Texte, nach denen sie komponiert ist, bekannt gemacht werden, was hier geschehen soll. Dabei erklingt zunächst eine andere „Musik“: Die antike Versform des Hexameters, in der Ovid (gest. 17 n. Chr.) vor über 2000 Jahren seine Dich- tung gesetzt hat, wird ausschnittsweise auf Lateinisch vorgetragen. Wenn die Sagen der menschlich-allzu-menschlichen Götterwelt dann in unserer Sprache nacherzählt werden, wird deutlich: Die darin behandelten Themen sind keineswegs veraltet.
Was kann der Mensch in seiner Hybris? Womit übernimmt er sich und zerstört sich selbst und die Welt? Wann ist Klage berechtigt? Ist Gott zu fürchten? Darf man ausgelassen feiern? Wer bin ich? Wen kann ich lieben? Wer ist wie ich? Ist, was Liebe sein soll, eigent- lich nur Besitzergreifung? Kann ich entkommen? – Solche Fragen treiben den Menschen auch heute noch um und lassen ihn mitunter Verwandlungen und ein hilfreiches Eingreifen des Himmels ersehnen und erhoffen.

Göttersagen aus vorchristlicher Zeit in der Kirche – geht denn das?
Natürlich wird im Rahmen dieses musikalischen Erzählnachmittags nicht die griechisch- römische Götterwelt als eine Alternative zum christlichen Glauben beworben. Das Kennen- lernen uralter Texte und das Entdecken der darin enthaltenen Lebensweisheit kann aber gleichwohl bereichern. Sowohl frühe Kirchenväter als auch die späteren Reformatoren wussten das und setzten sich z.B. mit den Lehren des Aristoteles auseinander. Als Martin Luther während der Aushandlung des Augsburger Religionsfriedens auf der Veste Coburg ausharren musste, vertrieb er sich die Zeit unter anderem damit, die Fabeln des Äsop zu übersetzen. Dem Bibelkundigen mögen sich zudem Assoziationen aufdrängen, etwa von Phaëthons Hybris, den Sonnenwagen zu lenken, zum Turmbau zu Babel, von Niobes unerhörter Klage nach ihrer Gotteslästerung zu Hiobs erhörter Klage in seiner Gottesfurcht, von der Vertei- digung des Weingottes Bacchus zum Weinwunder von Kana. Und da Christen aufgefordert sind: „Strebt nach der Liebe!“ (1. Kor. 14, 1), kann auch die dreimalige Reflexion der Liebe bei Pan, Narcissus und Arethusa in der Kirche nicht fehl am Platz sein.

Das Ensemble
Das Ambulante Kirchen-Theater erarbeitet projektweise mit unterschiedlich besetztem Ensemble Inszenierungen, die an wechselnden Orten aufgeführt werden. Das Ensemble für „Verwandlungen und wahres Gesicht“ besteht mit Judith Bader, Laurenz Balzarek und Eberhard Schulz aus einer Logopädin, einem Germanistik-Studenten sowie einem Theater- pädagogen und Amateur des Oboenspiels.

Dank
sagen wir der Diakonie Mitteldeutschland, der Laurentiusgemeinde und der Heilig-Kreuz- Gemeinde in Halle, in deren Räumen wir unentgeltlich proben durften, sowie allen Perso- nen, die unser Proben unterstützt haben.

Text: Eberhard Schulz, Kontakt: Schulz9988@aol.com

AKT
das
Ambulante Kirchen-Theater
spielt
Versuchung und Verdacht
Drei Einakter von Curt Goetz

1. Tobby
Harry, der Herr………………………………..Eberhard Schulz

Fanny, die Frau…………………………………….Irene Schulz

Bobby, der Freund……………………………….Hugo Metzner

Tobby, der Knecht …………………………Anna Tzschichhold

Mary, die Magd……………………………………..Linda Engel

2. Das Märchen – Eine kitschige Begebenheit
Herr Charly ……………………………………….Jakob Thinius

Styx ……………………………………………….Hugo Metzner

Der Lord ……………………………………….Eberhard Schulz

Advokatin Hastings……………………………….Judith Bader

Nadja …………………………………………..Mareike Metzner

3. Minna Magdalena
Die Frau Professor………………………………Andrea Köhler

Der Herr Professor……………………………….Jakob Thinius

Herr Martin Sack ……………………………..Eberhard Schulz

Minna …………………………………………..Paula Engel

Für Alles …
Bühnenbild, Requisite, Kostüme, Regieassistenz:…..Alle Ensemble-Mitglieder

Zeichnungen für Plakat:……………………………………………….Maria Thinius

Regie und Organisation:…………………………………………….Eberhard Schulz

Das Ambulante Kirchen-Theater erhält keine öffentlichen oder kirchlichen Förder- mittel, sondern wird aus persönlichem Engagement betrieben und aus privaten Mitteln vorfinanziert. Kontakt: Schulz9988@aol.com

Eine Theatervorstellung mit drei einaktigen Stücken, deren jedes seine in sich abgeschlossene Handlung hat, ist wie eine Sinfonie: Auch deren Sätze haben alle ihren je eigenen Charakter und sind doch in einer Tonart oder durch einen Titel, unter dem sie komponiert wurde, mitein- ander verbunden. Der Titel unserer heutigen „Sinfonie“ ist „Versuchung und Verdacht“, denn unabhängig von der einzelnen Handlung geht es in jedem Stück um die Frage: Wer weiß eigentlich was von wem? Die Satzbezeichnungen könnten sein: Für „Tobby“ Moderato ma subito accelerando, für „Das Märchen“ Andante quasi adagio ma non tanto und für „Minna Magdalena“ Vivace furioso.
Den Titel „Versuchung und Verdacht“ gibt es bei Curt Goetz nicht, denn die Stücke stammen aus zwei verschiedenen Einakter-Zyklen. Das erste und das dritte Stück gehören zu „Nachtbe- leuchtung“, einer Sammlung von fünf Einaktern, die 1918 entstand. Das mittlere Stück gehört zu drei Einaktern, die Goetz unter dem Titel „Die Tote Tante und andere Begebenheiten“ 1924 verfasste und denen er voranstellte: „Valérie von Martens, meiner angetrauten Geliebten, sind diese Geschichten vom Lieben und Lachen gewidmet“. Es war das erste Werk, das er nach seiner Hochzeit mit seiner zweiten Frau schrieb.
In „Tobby“ greift Goetz das traditionelle Muster der klassischen Komödie auf, in der es immer ein Bediensteter ist, der die Fäden zieht, dem Schicksal nachhilft und so meist das Liebespaar trotz aller Widrigkeiten zusammenbringt; aber Goetz bricht bzw. variiert dieses alte Prinzip: Wohl ist es der Stall- und Hausknecht Tobby, über den die Handlung in Gang kommt, jedoch ist er hier durchaus nicht derjenige, der die Fäden zieht. Aber mehr zu verraten hieße, dem Vergnügen des Zuschauers vorzugreifen…
Im „Märchen“ hat Goetz zum Ausdruck gebracht, was es für ihn bedeutete, nach seiner ersten, gescheiterten Ehe in Valérie von Martens noch einmal eine Geliebte gefunden zu haben, mit der sich trauen zu lassen er sich erneut trauen konnte, weshalb er sie „meine angetraute Geliebte“ nannte. Tatsächlich finden sich im Stücktext autobiographische Teile wie Sätze aus Liebesbriefen des Paares wieder. – Wenn einem die Liebe begegnet ist, die große, die das ganze Leben verändert, und das auch noch zu einem Zeitpunkt und an einer Stelle, da nicht mehr damit zu rechnen war, dann ist von so Märchenhaftem schwer zu reden, ohne dass es dem Außenstehenden kitschig erscheinen könnte. So gibt Goetz diesem Stück vorsorglich den Untertitel „Eine kitschige Begebenheit“. – Er lässt es hier beinahe ernst werden und man ist erinnert an seine Worte, ein Komödienschreiber müsse seinen Zuschauer immer an mindestens einer Stelle an der Gurgel packen und ihn fühlen lassen: „Merkst du’s? Wenn ich jetzt zudrü- cke, dann ist es eine Tragödie.“ Der stumme Servierdiener trägt den Namen Styx – das ist in der Vorstellungswelt der Antike der Name des Flusses, der die Lebenden von den Toten trennt. Der Fährmann, der die Verstorbenen übersetzt, heißt Charon – kann es da ein Zufall sein, dass der andere Diener Herr Charly heißt? – Was für ein Märchen wird sich diese Nacht ereignen auf der Besitzung des Lords?
Mit dem Titel „Minna Magdalena“ nimmt Goetz Bezug auf Friedrich Hebbels Tragödie „Maria Magdalena“, an deren Ende der Selbstmord der ledigen Schwangeren steht. Ähnlich wie 1919 in seinem „Hund im Hirn“ greift Goetz hier den Stoff eines älteren Dramas auf und wendet ihn von der Tragödie zur Komödie. Der Anklang an die biblische „Maria von Magdala“ ist natürlich schon bei Hebbel gewollt. Die Bibel bezeugt von dieser allerdings nur, dass Jesus sie von sieben bösen Geistern befreit habe (Lukas 8, 2). Wegen der Namensgleichheit wird sie aber oft mit der Maria identifiziert, die Jesus vor seinem Leiden die Füße salbt (Johannes 12, 3); in dem Parallelbericht dazu (Lukas 7, 36 – 47) wird die Frau gar nicht mit Namen genannt, sondern nur davon gesprochen, dass sie eine (stadtbekannte) „Sünderin“ gewesen sei. Diese Verqui- ckung hat Maria Magdalena über die Jahrhunderte den Ruf eingebracht, vormals eine Prosti- tuierte gewesen zu sein. Aber vielleicht war ja auch das nur ein Gerücht… Wer weiß schon was von wem? Und was wissen wir über Minna und Mathilde?
Ein großer Dank gilt unseren Partnern und Familien, die uns während des gesamten Arbeits- prozesses der Inszenierung mit bewundernswerter Geduld unterstützt haben!
Wir danken ferner der Domgemeinde, den Franckeschen Stiftungen, den Gemeinden Heilig Kreuz und Laurentius, der Diakonie Mitteldeutschland, der Stadtmission und dem Diakoniewerk Halle dafür, dass wir ihre Räumlichkeiten für unsere Probenarbeit unentgeltlich nutzen durften.
An anderer Stelle sind uns trotzdem Kosten entstanden. Zu deren Deckung bitten wir am Ausgang um eine wohlwollende Kollekte. Aber zuerst: Viel Spaß! Eberhard Schulz

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Zum Wittenberger Kirchenkreisfest „Taufe ist prickelnd“ am 21. September 2014 in Zahna spielte das Ambulante Kirchen-Theater aus Halle in der Theater-Kirche Woltersdorf das Stück „Frau mit nassem Haar“. Für alle, die das Stück nicht sehen konnten, und für alle, die, nachdem sie es gesehen haben, es noch einmal bedenken möchten, hier aus der Sicht des mitspielenden Regisseurs eine Besprechung, die auf dem intensiven Prozess des „Erspielens“ basiert. Hier ist der Text der BesprechungDen Text des Stückes kann man hier downloaden: Frau mit nassem Haar. Es gab auch ein kleines Programmheft. Hier ist es: Programmheft.
Und den Film kann man hier http://www.film-wittenberg.de erhalten.

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